1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Claudia Roth hält in Nördlingen eine Brandrede für die Demokratie

Politik

26.02.2017

Claudia Roth hält in Nördlingen eine Brandrede für die Demokratie

Vehement plädierte Claudia Roth dafür, dass jeder Einzelne, dem an demokratischen Werten liege, jetzt dazu stehen und Flagge zeigen müsse.   
Bild: Ronald Hummel

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth spricht in Nördlingen über die Auswirkungen der Trump-Ära auf Deutschland. Sie verrät außerdem, dass sie einen Urahnen im Ries hat.

Am Samstag besuchte die Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) den Landkreis Donau-Ries. Nach Stationen in Donauwörth und Buchdorf sprach sie abends im Nördlinger Jugend- und Familien-Gästehaus darüber, welche Auswirkungen Donald Trump auf Demokratie und Mentalität in Deutschland wohl haben werde und welche innere Haltung man ihm entgegensetzen sollte.

Zunächst verwies sie stolz auf ihren Nördlinger Urahnen Friedrich Franck (1558 bis 1628), der sich als Evangelischer Pfarrer vehement gegen die Hexenverfolgungen in der Stadt eingesetzt hatte. Damit war fast der Bogen zur ständigen Gefahr für zivilisatorische Errungenschaften geschlagen, die Donald Trump in Frage stellt, Folter gutheißt, die Rolle des Staates zurückdrängen will, die Medien in Wort und Tat zum Staatsfeind erklärt, sich über Behinderte öffentlich lustig macht, ganze Volksgruppen und Länder ausgrenzen will. „Wir müssen jetzt überlegen, in welcher Welt wir leben wollen“, laute die grundlegende Gegenreaktion. Dass mit „Welt“ dabei die gesamte Welt ohne Ausnahmen gemeint sei, drücke zum großen Glück das Grundgesetz aus: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, lauten dessen erste Worte. Nicht die des weißen oder des deutschen oder europäischen Menschen – es seien alle Menschen jeder Nationalität, Hautfarbe, sexuellen Orientierung, sozialer Schicht gemeint.

Dabei kippe auch die politische Logik – die derzeit entstehende Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern zur Ursachenbekämpfung der Flüchtlingsbewegungen habe als erstes Grenzsicherungen dieser Länder im Sinn – das entspreche nicht der demokratischen Mentalität, sondern dem neuen Blöcke-Denken Trumps, mit dem er sogar weltweite atomare Aufrüstung wieder heraufbeschwört.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein Einwanderungsgesetz, wie es seinerzeit die rot-grüne Regierung fast auf den Weg gebracht hatte, wäre jetzt die Lösung, langfristig die Flüchtlingsbewegungen zu regulieren und den im Grundgesetz verbrieften individuellen Recht auf Asyl oder den Schutz der Familie auf alle Nationen anzuwenden.

Alle angesprochenen Themen würden sich bis in jede Region auswirken. Angesichts der Szenarien von Ausfuhrbeschränkungen oder gar Handelskriegen wies Claudia Roth auf die zahlreichen Unternehmen der Region hin, die den internationalen Märkten zuarbeiteten. Umgekehrt könne auch die notwendige grenzenlose Solidarisierung mit anderen Ländern auch von der kleinsten Ebene ausgehen – über Städtepartnerschaften, Vereinskontakte, kirchliche und soziale Initiativen. Jeder Mensch kann gegen Trump angehen und aus dem Publikum kam die Überzeugung, dass diese Positionierung von Millionen demokratisch und weltoffen gesinnter Menschen schließlich das sein werde, was von Trump übrig bleibe. Auf Roths Brandrede folgte lange anhaltender Applaus.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Konzert_M%c3%b6nchsdeggingen.tif
Konzert

Im Zeichen der Liebe

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden