Newsticker

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schließt erneute Grenzkontrollen nicht aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. „Da geht ein Stück Kultur verloren“

Sperrstunden-Diskussion

18.03.2015

„Da geht ein Stück Kultur verloren“

Feiernde Jugendliche beim Festival „Der Krater bebt“, früher in Hainsfarth, jetzt in Megesheim. Geht es nach dem Willen der nordschwäbischen Polizei, ist künftig um drei Uhr nachts Schluss mit der Party. Entscheiden müssen die Städte und Gemeinden, die sich bislang aber noch nicht einig sind.
Bild: RN-Archiv

Veranstalter äußern Unmut über Initiative der Polizei und verweisen darauf, dass es in der Vergangenheit kaum Probleme gegeben habe. Noch ist nichts entschieden

Nördlingen Verständnislos reagieren Veranstalter im Ries auf die von der Polizei vorgeschlagene einheitliche Sperrstunde für öffentliche Partys. Der Tenor bei einer RN-Umfrage unter Organisatoren beliebter Events der Region: Die bisherigen Regelungen reichen völlig aus.

Auf Initiative von Polizeihauptkommissar Gerhard Bißwanger, stellvertretender Inspektionsleiter in Donauwörth, soll künftig im Landkreis insbesondere bei Plattenpartys und ähnlichen Abendveranstaltungen spätestens um drei Uhr Schluss mit Feiern sein. Ziel der Maßnahme sei es laut Bißwanger, die Anzahl der Straftaten und Verkehrsunfälle zu reduzieren. „Dies ist nicht mein persönlicher Wunsch, sondern der der nordschwäbischen Polizei“, betont Bißwanger. „Je länger eine Party läuft, desto mehr Probleme gibt es“, begründet der Beamte den Vorschlag der Polizei. Und: „Ich glaube nicht, dass es für Veranstalter große finanzielle Einbrüche geben wird.“

„Total kontraproduktiv“ findet Rudi Götz, Inhaber der Diskothek n!prado in Nördlingen und des Rieser Tanzzentrums in Pfäfflingen, die vorgeschlagene Sperrstunde. „Die Leute gehen doch heutzutage erst nach Mitternacht weg. Da würde sich der ganze Aufwand für drei Stunden nicht rentieren“, meint Götz. Voraussichtlich wird Götz aber von der Sperrstunde verschont bleiben, da Gaststätten laut Bißwanger nicht betroffen sein werden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die großen Sommerfestivals in der Region wären betroffen

Dafür trifft es wohl die großen Sommerfestivals im Landkreis wie das Dornstädter Wudzdog-Festival oder das „Der Krater bebt“- Festival in Megesheim. Der dortige Kraterkultur-Chef Christian Bauer hat dafür wenig Verständnis: „Wir haben genügend Sicherheitskräfte. Bislang ist bei uns alles immer gesittet abgelaufen.“ Bauer ergänzt: „Wir brauchen da keine offizielle Sperrstunde. Die bisherige Regelung hat vollkommen ausgereicht.“ Der Veranstalter versteht nicht, warum man etwas ändern muss, was bislang immer funktioniert habe: „Wir hatten bisher einen sehr guten Dialog mit den Gemeinden. Es kann nicht sein, dass alles staatlich gelenkt wird. Wir wollen Verantwortung übernehmen.“

Bauer sorgt sich zudem um die gesellschaftlichen Folgen einer solchen „Feiersperre“: „Wir sind keine Touristenregion und leben daher verstärkt von der Kultur und der Zusammengehörigkeit. Eine Sperrstunde würde dies ein Stück weit kaputt machen. Warum muss man denn heutzutage alles bis ins kleinste Detail regulieren?“

Verständnislos reagiert auch Günter Wager, Veranstalter des „Wudzdog“ Festivals in Dornstadt. „Bislang ging es bei uns immer bis fünf Uhr. Das war auch ein schöner und gemütlicher Ausklang des Abends, wenn sich die Leute nach der letzten Band noch auf dem Gelände aufhalten können. Es geht ein Stück Atmosphäre verloren“. Wager hat ein weiteres Argument gegen die Sperrstunde. „So müssten die noch feierfreudigen Gäste schon um drei Uhr auf dem Zeltplatz weiterfeiern und würden damit auch schlafende Menschen aufwecken, darunter viele Familien. “

Auch Plattenpartys und Beachpartys wären von der Regelung betroffen. Lukas Kuhr, Organisator der Oettinger Beachparty, findet, dass dadurch ein Stück Feierkultur verloren gehe: „Lasst doch die Leute bis in die Morgenstunden tanzen. Ich fände eine Sperrstunde sehr schade für die jungen Leute.“

Mancherorts gibt es die umstrittene Sperrstunde bereits. Abendveranstaltungen in der Nördlinger Ankerhalle haben beispielsweise eine solche Drei-Uhr-Regelung. „Es läuft bislang unproblematisch. Ich halte das das für keine schlechte Regelung. Es sollte jedoch eine einheitliche Sperrstunde sein, damit kein Veranstalter benachteiligt wird“, sagt Daniel Wizinger vom Ordnungsamt der Stadt Nördlingen.

Städte und Gemeinden müssen sich entscheiden

Es liegt nun an den Städten und Gemeinden zu entscheiden, ob eine einheitliche Drei-Uhr-Sperrstunde eingeführt werden soll, wie es die Polizei vorschlägt. Die Meinungen der Bürgermeister sind geteilt. „Es ist noch nichts entschieden. Die Gemeinden müssen sich absprechen“, bestätigt Sandra Langner vom Landratsamt Donau-Ries.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren