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Brauchtum

20.04.2015

Darum sind die Lauber die „Zwiebeltreter“

Warum sagt man zu dem Lehminger „Saisäck“? Liegt es daran, dass die Flussmäander in der Flur von Lehmingen aussehen wie ein Presssack?
Bild: Dettweiler

Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler über die Necknamen im Ries

An dieser Stelle gibt Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler in den nächsten Wochen und Monaten in loser Folge Auskunft zu den Rieser Necknamen.

In Schwörsheim gibt es bekanntlich seit Alters her die besten Kartoffeln weit und breit! Die Schweriner – wie man sie im Ries meistens nennt – wissen das und verkaufen sie nicht nur bei uns herum, sondern fahren damit weit fort. Ihr markanter Ruf „Äbiroo!“ (Erdbirnen) ertönt in Oettingen und Nördlingen, aber auch in Neuburg und Augsburg, Dinkelsbühl und Crailsheim gleichermaßen. Im Württembergischen rufen sie jedoch „Grumbiera!“, wohl weil der Schwabe dort so zu den Kartoffeln sagt.

Im lockeren Sandboden der Schwörsheimer Flur gedeihen aber auch sehr gut Zwiebeln und Rüben, besonders die Waischrüben, die nach der Getreideernte noch schnell ins umgeackerte Stoppelfeld (Waisch) gebaut werden konnten. Aus diesen Waischrüben wurde dann das mit Recht so beliebte „Ruabakraut“ gehobelt und als Mittagessen gekocht. Die Schwörsheimer waren von jeher Liebhaber dieses Gemüses und wurden daher im Ries „D’Ruababuaba“ geheißen.

Wie jedes Dorf im Ries hat auch Laub seine „Krautgärten“, in denen dort wegen des sandigen Bodens vornehmlich Zwiebeln angebaut wurden. Ja, die Lauber waren für ihre Knollen geradezu berühmt! Dass dies so war verdankten sie der überlieferten Regel: Wenn die Zwiebeln so groß sind wie Henneneier, müssen die Stängel um getreten werden, damit sie leichter einziehen. Deshalb konnte man zu einer bestimmten Zeit im Hochsommer das halbe Dorf in den Zwiebelfeldern „herum sappen“ sehen, die Zwiebelröhrchen umzutreten, damit die Knollen eher zeitig würden. Von dieser gärtnerischen Beschäftigung und der außerordentlichen Größe ihrer Zwiebeln erhielten die Lauber die Necknamen „Zwiebeltreter, Zwiebler und Zwiebelköpf“.

Die Löpsinger hatten ihre blinde Kuh; die Huisheimer einen blinden Gaul. Auch sie befolgten den Rat eines Wanderburschen und hängten dem Pferd eine Laterne an, damit es sich trotz des Gebrechens sein Futter suchen könne. Wie man hörte, soll sich der blinde Gaul dabei ganz wohl befunden haben. Er graste bis zum Gipfel des nahen Mähhorn hinauf und schaute dann weit hinein ins Ries. Das haben die Hütebuben glaubhaft berichtet.

Vor vielen Jahren, als der Nachtwächter noch bei jedem Hochwasser einen dicken Holzpfropfen mit einem lauten, großen Hammer ins Abflussloch im Keller treiben musste, um Hochwasser im Haus zu verhüten, war es einmal doch so weit, dass das ganze „Hafenviertel“ im Hinterdorf unter Wasser stand. „Land unter!“, hieß es da. Weil aber Regen und Sturm jedes Wort verschluckten und niemand des alten Johann Warnrufe verstand, holte dieser nach Seemannsart einen Wiesbaum und hisste kurzerhand statt einer Flutfahne die zum Trocknen aufgehängte Schweineblase vom letzten Schlachttag. „Saisäck“ sagt man seitdem zu den Lehmingern, wenn diese auch beteuern, ihr Name käme nur von den vielen Schleifen und Mäandern, die die Wörnitz in ihrer Flur macht.

Das „Bayerische Schelmenbüchlein“ von 1911 gibt noch eine andere Erklärung: „Vor Jahren einmal soll ein Mann aus Lehmingen in Wassertrüdingen einen ganzen Presssack oder Sausack (Schwartenmagen) gestohlen haben. Wegen der Liebhaberei für diese Speise der Spitzname.“

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