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Nördlingen

15.05.2019

Darum werden Schaufenster ab Freitag mit Packpapier verhüllt

Stefan Kirchner bereitet für seine Nördlinger Handelskollegen das Papier für die Aktion vor.
Bild: Susanne Vierkorn, Stadtmarketingverein

Viele Nördlinger Einzelhändler schließen sich ab Freitag dieser Protestaktion an. Offen ist trotzdem.

Schnell online Klamotten oder Medikamente bestellen und bis zur Haustür geliefert bekommen: Immer mehr Menschen kaufen online statt im Ort. Um die Folgen dieses Trends aufzuzeigen, beteiligen sich zahlreiche Händler aus Nördlingen an einer Aktion des Stadtmarketingvereins: Ab dem morgigen Freitag bis zum Sonntag verhüllen sie ihre Schaufenster mit braunem Packpapier. Susanne Vierkorn, Geschäftsstellenleiterin des Vereins, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sich vom Metzger über den Apotheker bis zum Einzelhändler die unterschiedlichsten Branchen beteiligen.

Packpapier in Nördlinger Schaufenstern: Gegen den Online-Handel

Sie erklärt, dass die Händler dadurch zeigen wollen, dass sie vor Ort für ihre Kunden da sind und diese beraten. Es gehe jedoch nicht gut, wenn Kunden nach der Beratung im Geschäft die Waren dann online einkaufen. Die Nördlinger Unternehmer seien sich jedoch bewusst, dass das nicht die Regel sei und sie einen großen und treuen Stammkundenkreis haben.

Die Auswirkungen des Online-Handels seien aber auch in Nördlingen spürbar. Als Beispiel nennt der Stadtmarketingverein die Schließung der „Woll-Lust“ von Gitti Loibl Anfang des Jahres (wir berichteten). Das Fachgeschäft hinterlasse eine große Lücke in der Fußgängerzone. Damit sei nicht die Verkaufsfläche gemeint – die Räume seien bereits neu vermietet – sondern die Sortimentslücke und die Einzigartigkeit des Fachgeschäfts.

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Vierkorn sagt, man müsse rechtzeitig reagieren, um auf die Folgen des Online-Handels aufmerksam zu machen. Denn: „Wenn der Leerstand erst mal da ist und immer mehr wird, dann ist es zu spät“, erklärt die Geschäftsstellenleiterin, die auch für das Leerstandsmanagement in Nördlingen zuständig ist. Dass Geschäfte vor Ort wichtig sind, sei zum Beispiel an den Apotheken sichtbar, erklärt sie. Man könne zwar seine Medikamente online bestellen. „Aber was passiert, wenn man abends oder am Wochenende dringend Medikamente benötigt und es keine Apotheken vor Ort gibt“, fragt Vierkorn.

In den vergangenen Jahren sei die Aufenthaltsqualität in der Nördlinger Innenstadt außerdem durch verschiedene Baumaßnahmen gesteigert worden – zum Beispiel durch das neue Pflaster am Schäffles- und am Kohlenmarkt. Nördlingen sei eine lebendige Einkaufsstadt mit relativ wenig Leerständen und einem breiten Warenangebot, schreibt der Stadtmarketingverein in seiner Mitteilung. Es sei ihr natürlich bewusst, dass die Kunden ihre Wurst nicht im Internet bestellen, so Vierkorn. Dennoch gebe es einen Dominoeffekt: Sind Kunden nicht in der Stadt unterwegs, um andere Dinge zu besorgen, gehen sie auch nicht zum Metzger.

Mit der Aktion wolle man zeigen, dass Online-Shopping die Existenz der Nördlinger Händler gefährde. Deshalb sei die Botschaft der verhängten Schaufenster: „Das passiert, wenn ihr uns im Stich lasst!“ Man wolle zeigen, wie es wäre, wenn die sonst so lebendige Innenstadt zur „Geisterstadt“ wird.

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