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Bauprojekt

23.01.2020

Das Egerviertel und die Altstadtsatzung: Wie viele Ausnahmen sind nötig?

In der Bürgerinformationsveranstaltung am Montagabend kritisierte ein Besucher, dass es kein Modell des Egerviertels zu sehen gebe. Prompt schickte Architekt Reiner Schlientz zwei Fotos des Modells an unsere Zeitung, die Draufsicht ist hier abgebildet.
Foto: Reiner Schlientz

Plus Im Dezember hat der Stadtrat eine neue Altstadtsatzung verabschiedet. Was das für das geplante neue Quartier bedeutet und wie Stadtarchivar Sponsel zum Thema steht.

Für viel Gesprächsstoff sorgt in diesen Tagen in Nördlingen das geplante Egerviertel. Besonders seit der Bürgerinformationsveranstaltung am vergangenen Montag (wir berichteten) wird über das Projekt auf dem ehemaligen Ankergelände diskutiert. Eine Frage, die dabei auch an die Rieser Nachrichten immer wieder herangetragen wird: Welche Ausnahmen wollen die Planer von der neuen Altstadtsatzung beantragen? Die war erst im vergangenen Dezember vom Stadtrat verabschiedet worden.

Der Nördlinger Architekt Reiner Schlientz hat den Entwurf für das Egerviertel gestaltet. Er sagt, bis November habe man nach der alten Altstadtsatzung geplant. Dann sei die Novelle gekommen, die Unterlagen mussten überarbeitet werden. Erst am vergangenen Mittwoch habe man sie nun an die Stadt weitergeleitet. Zwar brauche man Abweichungen und Ausnahmen von der Altstadtsatzung. Nicht alle hätte man auch mit der alten Altstadtsatzung beantragen müssen – andere aber doch: So planen Schlientz und sein Team begrünte Flachdächer, etwa zwischen den Baudenkmälern und über der Tiefgaragen-Ausfahrt. Zudem wollen sie beispielsweise auf Sprossenfenster verzichten, damit sich die neu gebauten Gebäude besser von den historischen abheben: „Das finden Sie an zahlreichen Neubauten in der Stadt“, sagt Schlientz. Die Holzverschalungen an den Verbindungsbauten und am Vorbau der Kita vergleicht der Architekt mit der Holzfassade am Anbau der Grundschule Mitte, den die Stadt ja selbst errichten will.

Diese Grafik zeigt das geplante Egerviertel aus der Vogelperspektive. Gut zu sehen ist links der Spielplatz im Graben, den sowohl die Kinder der Kita und des Hortes, als auch Bürger nutzen können.

Architekt: Balkone sind für Wohnqualität im Dachgeschoss wichtig

In der Novelle der Altstadtsatzung sind laut Schlientz auch neue Regeln aufgeführt, denen die aktuellen Planungen nicht entsprechen. So stimme die Höhe des Kniestocks teils nicht mit den neuen Vorgaben überein. Und in einem Innenhof sind Balkone auf Höhe der Dachrinnen vorgesehen. Auf die verzichte man schon im anderen Innenhof, der vom öffentlichen Platz an der Eger aus einzusehen ist, betont der Architekt. Im gesamten Projekt wolle man das aber nicht tun, die Balkone seien für die Wohnqualität im Dachgeschoss wichtig.

Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel sieht das anders: Balkone auf Höhe der Dachrinnen gehen „gar nicht“: „Da gibt es aus Verwaltungssicht keinen Weg.“ Lediglich französische Balkone – also ohne eigentliche Balkonfläche – könne man sich an dieser Stelle vorstellen. Man sei im Gespräch mit den Verantwortlichen des Projekts und versuche, die Zahl der Abweichungen von der Altstadtsatzung auf Null zu drücken. Oberbürgermeister Hermann Faul bestätigt: Man stehe im Dialog. Er sagt, es gebe kein Bauvorhaben in der Vergangenheit und in der Zukunft, dass ohne Ausnahmen, die die Stadtverwaltung genehmige, auskomme. Über die beantragten Abweichungen entscheide der Stadtrat. Wann, ist dem Vernehmen nach noch offen.

Wer künftig nach dem Baldinger Tor nach rechts in die Straße An der Baldinger Mauer abbiegt, dem könnte sich dieses Bild bieten: Unsere Grafik zeigt den aktuellen Entwurf der Bebauung des ehemaligen Ankergeländes. Rechts hinten ist die Stadtmauer zu sehen. Mancher Nördlinger befürchtet Schäden an dem historischen Bauwerk, wenn für eine neue Tiefgarage acht Meter tief Bohrpfähle in den Grund gerammt werden.
Foto: Architekturbüro Schlientz

Das sagt der Stadtheimatplfeger zum Egerviertel

Immer wieder geht es beim Egerviertel auch um die Frage, wie Vertreter des Denkmalschutzes die Bebauung sehen. Stadtheimatpfleger Dr. Wilfried Sponsel schreibt auf Anfrage an unsere Zeitung: „Ich habe die Vorstellung des Projekts sehr genau verfolgt und habe dabei die kritischen Stimmen vernommen. Einige Wortbeiträge meinten: Ja, aber … Das heißt, es wird grundsätzlich Zustimmung signalisiert, es werden aber auch kritische Punkte angemerkt. Deutlich wurde zum Beispiel, dass das Projekt zu überdimensioniert sei und die Baumasse an dieser Stelle zu groß wäre. Das Ganze würde so nicht in das Stadtbild passen.“ Aus seiner Sicht sei es wichtig, auf die Kritikpunkte zu reagieren, um die Bevölkerung bei diesem Großprojekt mitzunehmen. „Es sollte deshalb versucht werden, in einem weiteren Planungsschritt die Kubatur zu reduzieren und Vorschläge für eine neue Fassadengestaltung und Gebäudegliederung zu machen. Es muss absolut sichergestellt sein, dass die Stadtmauer keine aktuellen, aber auch keine zukünftigen Schäden erleidet.“ Positiv sieht Sponsel die Öffnung des Geländes zur Eger hin. Grundsätzlich sei eine Bebauung des Geländes zu begrüßen.

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