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Nördlingen

08.08.2020

Das Epitaph des Heinrich Gottfried Gundelfinger

Das Epitaph des mit 33 Jahren im Mai 1671 verstorbenen Heinrich Gottfried Gundelfinger.

Plus Eine Auferstehungsszene an der Nordwand von St. Georg erinnert an einen früh gestorbenen Ratsadvokaten.

Regina Gundelfinger war beim Tod ihres Mannes gerade mal 35 Jahre alt. Am 28. April 1663 hatte sie den Nördlinger Ratsadvokaten Heinrich Gottfried Gundelfinger geheiratet. Die Tochter des Nördlinger Bürgermeisters Caspar Adam sollte ihren früh verstorbenen Gatten nur um acht Jahre überleben. Und auch die 1655 geborene Tochter Regina Katharina war das einzige Kind, das beim Tod des Vaters noch lebte, ihre Geschwister waren bereits vorher verstorben.

Der Betrachter dieses Epitaphs mag heute noch etwas von dem Schmerz der jungen Witwe über den frühen und unerwarteten Tod ihres Mannes spüren. Hätte die junge Witwe sonst das Bildmotiv der „Auferstehung Christi von den Toten“ gewählt, das für die Christen ein Zeichen der Hoffnung ist, dass mit dem Tod nicht das letzte Wort gesprochen ist? Über dem von einem Engel geöffneten Grab schwebt der Auferstandene in einer Wolke, mit der rechten Hand weist er auf die Siegesfahne mit dem Kreuz, vor dem Grab befinden sich zwei Wächter. Während der eine schlafend vor dem Grab liegt, reißt der andere erschrocken einen Arm in die Höhe. Der Maler dieser Auferstehungsszene ist nicht eindeutig zu klären. Zur Diskussion stehen der Augsburger Maler von Schönemann bzw. der ebenfalls in Augsburg wirkende Maler Johann von Spielberg.

Das mehrfach gegliederte Epitaph schmücken im oberen Teil zwei Wappen: das aus Betrachterperspektive linke Wappen gehört der Nördlinger Familie Gundelfinger, das rechte der Nördlinger Familie Adam. Den unteren Abschluss des Kunstwerks, das Hauptbild im Mittelteil abschließend, bildet eine Inschriftentafel mit den wichtigsten Informationen zu Leben und Wirken des Verstorbenen. Zusammen mit der im Stadtarchiv verwahrten Leichenpredigt anlässlich Heinrich Gottfried Gundelfingers Tod ergibt sich dabei das folgende kurze Lebensbild.

Das Epitaph des Heinrich Gottfried Gundelfinger

Gundelfingers Vater Johann Konrad Gundelfinger (1608-1670) brachte es bis zum Bürgermeister der Freien Reichsstadt Nördlingen. Aus seiner Ehe mit Margaretha Wiedenmann ging der am 14. Dezember 1637 geborene Sohn Heinrich Gottfried hervor, der schon in jungen Jahren zwei ehrenvolle Ämter bekleiden sollte: Heinrich Gottfried wurde Advokat der Reichsstadt Nördlingen und Rat der zu Weiltingen residierenden, verwitweten Herzogin Juliana von Württemberg. Gundelfinger hatte in Altdorf und Jena Jura studiert und in Jena auch den Titel eines Dr. jur. erworben.

Gundelfingers Tod kam überraschend, war er doch erst 33 Jahre alt. Von einer Dienstreise zurückgekehrt, fühlte er sich unwohl, klagte über Kopf- und Magenschmerzen. Bald stellte sich hohes Fieber ein, in den nächsten Tagen verschlechterte sich – nach kurzzeitiger Besserung – sein Zustand. Trotz der Einnahme von Medikamenten erlitt er am Sonntagabend einen „Paroxysmus“ (Fieberschub, Anfall, Krampf). Sein „vielgeliebter Beichtvater“, der Nördlinger Diakon Tobias Scheiblin, wurde herbeigerufen. Im Beisein seiner Mutter, seines Bruders, seiner Ehefrau und Tochter sowie weiterer Familienmitglieder verstarb Gundelfinger am 15. Mai 1671. Am 17. Mai wurde er auf St. Emmeram bestattet. Das Grab ist heute nicht mehr erhalten.

Die durchweg dunkle Gestaltung des Epitaphs wird durch diese Lebensgeschichte nur allzu verständlich. Einzig der Auferstandene sticht durch seine helle Gestaltung heraus und soll damit vielleicht besonders betonen: Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern das Leben.

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