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Rieser im Dritten Reich (5)

25.08.2020

Das Hof-Leben einer Nördlingerin im Zweiten Weltkrieg

Katharina Link mit ihren Eltern.
Bild: Privatbesitz Katharina Link

Plus Die Nördlingerin Katharina Link lebte in Zeiten des Nationalsozialismus auf dem Hof ihrer Eltern. Sie wohnt bis heute in der Stadt.

Eine kleine Familie steht gemeinsam auf ihrem Hof. Der Vater lehnt an einem Wagen, der für die Landwirtschaft genutzt wird. Vor der Mutter steht ein kleines Mädchen, das einen Puppenwagen bei sich hat. Dieses Mädchen im Kleidchen ist Katharina Link, die als Kind in der NS-Zeit in Nördlingen aufgewachsen ist. Die Ausstellung „13 Jahre – 13 Dinge“ im Stadtmuseum Nördlingen zeigt 13 Jahre Nationalsozialismus mit passenden Biografien aus dem Ries auf. Wie berichtet, begleiten wir diese Ausstellung mit der Artikel-Serie „Rieser Biografien aus dem Dritten Reich“.

Darunter ist auch die Geschichte von Katharina Link, geborene Schweigert. Sie wurde am 9. Februar 1933 in Nördlingen geboren und lebt auch heute noch dort. Museumsleiterin Andrea Kugler hat die Zeitzeugin persönlich getroffen.

Kindheit auf dem elterlichen Hof in Nördlingen

Ihre Kindheit verbrachte Katharina Link mit ihrer Schwester auf dem elterlichen Hof. Dort gab es gute Beziehungen zur Nachbarschaft, erzählt Katharina Link. Diese passten sozusagen als eine Art „Tante und Onkel“ auf die Kinder auf, wenn die Eltern in der Landwirtschaft arbeiten mussten.

Bild: Privatbesitz Katharina Link

Katharina Link war zu Kriegsbeginn sechs Jahre alt. Besonders in dieser Zeit mussten die Kinder auf dem Hof mithelfen und dort zum Beispiel das Vieh hüten oder die Kindsmagd für kleinere Kinder sein, berichtet Katharina Link. Aufgabe für die sogenannten „Hütekinder“ war es, die Rinder von den Feldern fernzuhalten, wo sie das Kraut fressen wollten. Katharina Links Aufgabe war das Beaufsichtigen der Gänse am Grünstreifen hinter den Seelhäusern an der Stadtmauer. Nebenher machte sie ihre Schulaufgaben, erzählt sie. In der Hitlerjugend soll sie immer wieder einen „Strafzettel“ bekommen haben, weil sie nicht zum Antreten kam, wenn sie wegen der Hofarbeit verhindert war. Die Familie Schweigert besaß 14 Hühner. Die Eier mussten bei Emma Ackermann am Basteigraben – später dann in der Kasarm am Ende der Bräugasse – abgegeben werden. Diese wog die Eier mit einer Handwaage und bezahlte die Familie anschließend nach Gewicht. Die Hühner wurden vom Amt gezahlt, weshalb die Eier abgegeben werden mussten. Katharina Link erzählt, dass man deshalb immer ein Huhn im Keller unter einem Eimer versteckt hielt, damit man wenigstens dessen Eier behalten konnte.

Erst ab 1951 ein eigener Traktor

Die Rinder, mit denen die Landwirte aufs Feld gingen, waren Arbeitstiere. Im Krieg versteckte Familie Schweigert die Tiere wegen ihrer auffällig hellen Farbe unter Decken vor den Tieffliegern, berichtet Katharina Link.

Erst ab 1951 bekam Familie Schweigert einen Traktor, davor pflügten sie mit Kühen oder mit einem geliehenen Bulldog vom Spar- und Darlehensverein. Ihre Schulzeit im Dritten Reich verbrachte Katharina Link in der Volksschule Judengasse in Nördlingen bei Hauptlehrer Herrlinger.

Die aktuelle Ausstellung „13 Jahre – 13 Dinge“ ist im Nördlinger Stadtmuseum dienstags bis sonntags von 13.30 bis 16.30 Uhr zu sehen.

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