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Neresheim

24.06.2020

Das ist die Geschichte der Abtei Neresheim

Die Abteikirche Neresheim stammt aus dem Spätbarock. Das Kloster existiert viele hundert Jahre länger. Es wurde bereits im Jahr 1095 gegründet. An diesem Wochenende hätte eigentlich ein wichtiges Jubiläum stattgefunden.
Bild: Szilvia Izsó

Plus 100 Jahre ist es her, dass der damalige Papst Benedikt XV. die Abtei Neresheim wieder errichtet hat. Wie es dazu kam – und wann das Jubiläumsfest heuer nachgeholt wird.

Im Kloster Neresheim gäbe es Grund zum Feiern: Am Sonntag, 14. Juni, jährt sich zum 100. Mal die Wiedererrichtung der Abtei 1920 durch den damaligen Papst Benedikt XV. Dieses Jubiläum sollte eigentlich mit einem Festgottesdienst und -vortrag begangen werden. Corona hat dies jedoch verhindert. Denn es finden seit Anfang März bis auf Weiteres aus Gründen des Infektionsschutzes keine öffentlichen Gottesdienste in der Klosterkirche statt. Wenn es die Lage zulässt, soll die Feier am 20. September nachgeholt werden.

„Die uralte Abtei der hl. Ulrich und Afra zu Neresheim, Benediktinerordens, stellen Wir mit allen ihren Rechten und Privilegien, die sie einst besaß, wieder her, vereinigen sie als eine selbständige Abtei mit der Beuroner Kongregation und machen sie gleichzeitig teilhaft all der Privilegien und Gnaden, die dieser Kongregation gewährt wurden.“ So heißt es in dem Schreiben des Papstes, mit dem die Benediktiner-Abtei Neresheim kirchenrechtlich wiedererrichtet worden ist. Der Weg dorthin war weit. 1095 hatte Graf Hartmann von Dillingen das Kloster gegründet. Bis 1106 waren dort die Augustiner Chorherren, seit 1106 die Benediktiner-Mönche.

Tradition endete nach 700 Jahren mit der Säkularisation

Diese Tradition endete nach fast 700 Jahren 1802 mit der Säkularisation von Reichsstift und Kloster. Das vormalige Reichsstift Neresheim und 4250 Hektar Wald gingen in den Besitz von Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis über als Ausgleich für die Postlinien, die er an Frankreich abtreten musste, und für den Verlust linksrheinischer Gebiete. Der Fürst erhielt unter anderem auch den Titel „Graf von Neresheim“. Abt Michael Dobler musste sich auf das Schlösschen Ziertheim bei Dillingen zurückziehen, das aus dem Besitz des Klosters 1803 ebenfalls an die Fürsten von Thurn und Taxis fiel. Der Neresheimer Konvent mit 25 Patres und fünf Brüdern blieb bis 1806 an der Klosterschule „Liceum Carolinum“ in Neresheim. Die Ökonomie wurde als fürstliche Domäne verpachtet, weitere Gebäude standen für Jahrzehnte leer. Ein Bittgesuch 1814 an den Wiener Kongress zur Wiederherstellung des Klosters blieb erfolglos.

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1806 war Neresheim bayerisch geworden, 1810 wurde die Grafschaft Taxis einschließlich des ehemaligen Reichsstifts Neresheim Teil des Königreichs Württemberg. Im Kloster wurden, wie Abt Norbert Stoffels festgehalten hat, das Amtsgericht, die fürstliche Rentkammer und Wohnungen für den Schlosspfarrer und Bedienstete der Fürstenfamilie untergebracht. Das Klostergut und die Klosterbrauerei waren verpachtet. Seit 1815 kamen die Fürsten zur Jagd nach Neresheim.

Reservelazarett während des Ersten Weltkriegs

1894 überließ Fürst Albert I. von Thurn und Taxis den Vinzentinerinnen von Untermarchtal einen Teil der Klosterbauten, die dort zehn Jahre lang „gefährdete und gefallene Mädchen“ betreuten. Von 1905 bis 1921 betrieben sie ein Heim für, wie es damals hieß, „schwachsinnige, aber noch bildungsfähige Kinder“. Während des Ersten Weltkriegs war im Prälaturgebäude ein Reservelazarett.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie Österreich-Ungarn mussten die deutschsprachigen Benediktiner 1919 ihre Abtei Emaus in Prag verlassen. Deshalb suchten sie in Südwestdeutschland, woher sie einst gekommen waren, ein leer stehendes, altes Benediktinerkloster. Die Diözesanleitung in Rottenburg veranlasste, dass ihnen vorerst die Prälatur in Neresheim zugewiesen wurde, die wieder frei geworden war. Der Fürst war einverstanden.

Die Schwestern verließen schließlich mit ihren Zöglingen Neresheim und der Papst errichtete die Abtei wieder. Den Konvent bildeten Mönche aus Emaus und aus Beuron im Donautal bei Sigmaringen. Der Beuroner Mönch Bernhard Durst wurde am 8. September 1921 vom Rottenburger Bischof Paul Wilhelm von Keppler zum Neresheimer Abt geweiht.

Landwirtschaftliche Schule mit 100 Internatsplätzen

Trotz großer wirtschaftlicher Not, hat Abt Norbert Stoffels festgehalten, ging der neue Konvent sofort daran, die ursprünglich als Klosterbrauerei genutzten Gebäude für eine staatlich anerkannte landwirtschaftliche Winterschule mit 100 Internatsplätzen einzurichten. Diese bildete mit Unterbrechungen bis 1968 Jungbauern aus dem Oberland, Ostwürttemberg und Hohenlohe fachlich und menschlich weiter. Einige Patres ließen sich an der Universität Stuttgart-Hohenheim als Fachlehrer ausbilden. In den Sommermonaten wurden die Räume der Schule für Exerzitien, Kurse und Tagungen genutzt. Dank des Kinderreichtums katholischer Familien und ihrer tiefen Verwurzelung im Glauben stieg auch die Zahl der Mönche und erreichte bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit rund 30 Patres und 40 Brüdern den Höchststand.

1927 verzichtete Prinz Max Emanuel von Thurn und Taxis, der viertälteste Sohn des Fürsten Albert von Thurn und Taxis und der Erzherzogin Margarethe Klementine von Österreich, auf alle Privilegien und Erbansprüche, und legte im Kloster Neresheim als Bruder Emeram die Feierliche Profess ab. Aus diesem Anlass schenkte sein Vater dem Konvent die Kirche, das Klostergebäude und 200 Hektar Felder und Wiesen.

1951 kehrte er nach Regensburg zurück, um das einstige Reichskloster Prüfening, das seiner Familie gehörte, wieder in ein geistliches Zentrum zu verwandeln. Diesen Lebenstraum konnte er nicht verwirklichen, mit dem Fürstenhaus kam es zu einem heillosen Zerwürfnis. Pater Emeram fand 1994 auf dem Friedhof der Neresheimer Abteikirche seine letzte Ruhestätte.

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