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Kommunalwahl 2020

26.03.2020

Das plant Thomas Heydecker für Oettingen

Thomas Heydecker spricht im Interview über die Herausforderungen, die auf ihn und die Stadt Oettingen zukommen werden.
Bild: Werner Rensing

Plus Der künftige Bürgermeister spricht im RN-Interview über die Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit einer Hochschule und die schwierige Zeit, durch die er Oettingen ab Mai manövrieren muss.

Herr Heydecker, haben Sie Ihre Wahl inzwischen realisiert?

Thomas Heydecker: Ja. Mittlerweile ist es im Kopf angekommen. Durch die Corona-Situation mit ungünstigen Startbedingungen wird sich aber erst noch bei Amtsantritt zeigen, was wirklich auf mich zukommt. Der Wahlerfolg selbst ist aufgrund der Gesamtsituation in den Hintergrund gerückt. Auf der Arbeit ist es sehr turbulent in den letzten Tagen.

Sie arbeiten auch gerade von zu Hause aus?

Das plant Thomas Heydecker für Oettingen

Heydecker: Zum größten Teil. Wir haben ein zweigeteiltes Modell mit Früh- und Spätschicht. In der Frühschicht bin ich vormittags in Crailsheim, das macht wegen der Unterlagen und Akten, die ich einsehen muss, durchaus Sinn. Für die deutlich kürzere Bürozeit in der Spätschicht fahre ich nicht extra.

„Ursprünglich hatte mich wohl niemand auf dem Schirm“

Mit einem knappen Ausgang der Bürgermeisterwahl haben viele gerechnet – das deutliche Ergebnis mit 418 Stimmen Vorsprung überraschte dann doch viele. Warum entschieden die Oettinger so?

Heydecker: Diese Frage stelle ich mir seit dem Wahlsonntag, eine sehr gute Frage. Ursprünglich, als ich zur Kandidatur angetreten bin, hatte mich wohl niemand auf dem Schirm. Vielleicht war es unser ganzheitlicher Ansatz. Wir haben versucht, die gesellschaftlichen Trends im Programm zu thematisieren.

Zum Beispiel den demografischen Wandel und die Schwierigkeiten im Einzelhandel?

Heydecker: Genau das, dann aber auch die Urbanisierung, der Trend zur Nachhaltigkeit, das Älterwerden der Bevölkerung. Und in dem Kontext haben wir es geschafft, konkrete Ideen aufzuzeigen. Ich meine, dass wir die Themen und Schwerpunkte sehr gut gewählt haben. Bezüglich der Wiederbelebung der Innenstadt ist in der Vergangenheit nicht so viel passiert, doch das Thema bewegt viele Oettinger. Die Vorstellungen, wie man Angebote für Senioren erweitert und wie man die Jugend einbindet, waren die richtigen Ansatzpunkte. Außerdem haben wir es geschafft, ein ganz hervorragendes Kandidaten- und Unterstützer-Team aufzubauen, mit einem sehr guten Querschnitt der Oettinger Bevölkerung. Im Wahlkampf hatte jeder seinen Platz und seine Aufgabe. Mein fachliches und persönliches Profil passt sehr gut auf diese Bürgermeisterstelle und ich denke, dass das ebenfalls einige Wähler angesprochen hat.

300 Whatsapp-Nachrichten

Wie waren die Reaktionen in Ihrem Umfeld?

Heydecker: Ich habe in den letzten Wochen sehr viele Glückwünsche auf allen möglichen Kanälen bekommen. Montagfrüh waren die 300 WhatsApp-Nachrichten fast ein bisschen stressig. Ich habe es noch nicht geschafft, auf alle Glückwünsche zu antworten, ich hoffe, die Gratulanten sehen es mir nach. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass es nach dem Wahlkampf etwas ruhiger wird.

Durch die Coronakrise sind Sie da vermutlich nicht der Einzige, dem es so geht. Als würde man den letzten Kilometer eines Marathons aufs Unermessliche in die Länge ziehen, oder?

Heydecker: Das kann ich eins zu eins unterschreiben. Ich habe unterschätzt, wie viel Nacharbeit auf mich zukommt. Ich dachte, mit dem Wahlsonntag sei der Höhepunkt erreicht. Und auch für meine Nachfolge in der Firma muss es eine vernünftige Übergabe geben. Durch die aktuelle Lage gibt es in der Unternehmenssteuerung wahnsinnig viel zu tun.

Was wird sich in Ihrem Leben nun ändern?

Heydecker: Es hat sich schon nach der Bekanntgabe meiner Kandidatur angekündigt, was es bedeutet, von einer Privatperson zu einer Person des öffentlichen Lebens zu werden. Das wird sich verstärken und es ist immer noch ungewohnt. Außerdem waren meine Frau und ich an den Wochenenden immer viel unterwegs. Wir waren oft Freunde besuchen, die quer über Deutschland verteilt leben. Das große Hobby mit Berg- und Wandertouren, Klettern, Radtouren. Solche Ausflüge werden zwangsläufig weniger werden. Aber auf der anderen Seite kann ich meine Heimat aktiv gestalten. Das ist eine Aufgabe, auf die ich wahnsinnig gespannt bin und mich sehr freue. Die privaten Einschnitte überlegt man sich ja auch im Vorfeld sehr genau.

Welche Aufgaben kommen auf Oettingen zu? Es ist damit zu rechnen, dass nicht nur Gewerbesteuereinnahmen durch die Krise sinken werden.

Heydecker: Die Einkommenssteuer-Anteile sind auch eine wesentliche Einnahmequelle. Bei der Gewerbesteuer ist anzunehmen, dass sie deutlich zurückgehen wird. Ich hoffe, dass der schuldenfreie Landkreis den Kommunen dann zur Seite steht. Eventuell besteht im Kreishaushalt die Möglichkeit eines Nachtrags mit Erleichterungen für die Kommunen. Ein entscheidender Punkt wird sein, wie schwer die Krise die Einzelhändler und Gastronomen trifft. Diese Lage ist undurchsichtig. Wenn ein Geschäft zwei bis drei Wochen zu hat, wäre das vermutlich verkraftbar. Wenn wir die Ausnahmesituation über mehrere Wochen haben, wird dies das Ladensterben wohl leider beschleunigen. Da müssen wir schauen, wie wir als Stadt gegenwirken können. Schade ist ebenfalls, dass der Elan und die Euphorie, die wir auch im Team hatten, durch das Nichtstunkönnen verflogen ist. Alles in allem große Herausforderungen, aber ich bin mir sicher, dass wir diese gemeinsam meistern werden und jetzt erst recht für eine Aufbruchsstimmung sorgen.

Was können Sie von Ihrem 100-Tage-Plan umsetzen?

Heydecker: Ich möchte die Finanzen detailliert durchleuchten. Man muss Projekte jetzt genau priorisieren und schauen, wo rentierliche Schulden sind, also an welcher Stelle die Stadt schnell wieder Zuflüsse hat. In meinen Augen lohnen sich zum Beispiel zeitnahe Investitionen in den Wohnmobilstellplatz, weil schnell wieder Einnahmen generiert werden können. Für die Zukunft ist wichtig: Was gibt der Haushalt wirklich her? Vielleicht muss die Stadt in einer solchen Haushaltssituation in eine weitere Verschuldung gehen. Ich weiß, damit macht man sich keine Freunde und solche Entscheidungen müssen gründlich geprüft werden. Im 100-Tage-Plan sind auch einige vorbereitende Basisarbeiten enthalten, an denen ich genau so festhalten will. Das Bürgerforum wird allerdings erst einmal schwer zu realisieren sein. Es macht derzeit keinen Sinn, Leute zusammenzubringen. Und inwieweit die Leute nach dem sozialen Abstand sofort wieder Lust auf Politik haben, wird sich zeigen. Aber durch uns, durch die Politik, kann zumindest schon mal alles vorbereitet werden. Bei den Zukunftsprojekten hat die Innenstadt für mich hohe Priorität.

Können Sie konkreter auf das Stadtentwicklungskonzept eingehen?

Heydecker: Ich bin mit einem Lehrstuhl einer Hochschule in Kontakt, der sich auf Regional- und Stadtentwicklung spezialisiert hat. Diese Expertise ist wichtig für uns. Ob die Zusammenarbeit über ein Seminar, eine Abschlussarbeit oder eine andere Form der dauerhaften Kooperation hinausläuft, wird sich zeigen.

Wie finden Sie den neuen Oettinger Stadtrat?

Heydecker: Das Ergebnis war für die SPD sehr gut, da können wir stolz auf uns sein. Besonders gefreut hat mich, dass Rebecca Heller in den Stadtrat gekommen ist. Das ist ein deutliches Signal für eine Verjüngung, eine junge Frau vor allem. Leider ist der Stadtrat insgesamt aber nicht viel weiblicher geworden. An sich sind ja wieder viele erfahrene Stadträte vertreten und ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit. Zweifelsohne ist es ärgerlich, dass die SPD im Kreistag schwach vertreten ist, auch dass ich es nicht in den Kreistag geschafft habe.

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