1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Das unschöne Ende einer Partynacht

Justiz

20.01.2016

Das unschöne Ende einer Partynacht

Memmingen Landsgericht - Landgericht - Gericht - Bayerische Justiz - Verhandlung - Symbol

Zwei Männer belästigen in der Bahn junge Frauen. Die Situation eskaliert.

Nördlingen Eine Zugfahrt an einem Sonntagmorgen im April des vergangenen Jahres. Jochen H.* fährt gerade mit drei Kumpels von Augsburg nach Donauwörth. Sie haben eine durchzechte Partynacht in Augsburg hinter sich. Die Gruppe bekommt mit, wie zwei ebenfalls angetrunkene, junge Männer aus Nördlingen im Nebenabteil sitzende Frauen wüst beschimpfen.

Jochen H. mischt sich ein und fordert die Männer auf, die Beleidigungen sein zu lassen. Es kommt zum Streit. Dieser eskaliert. Laut Anklage von Staatsanwältin Saskia Eberle bekommt Jochen H. von beiden Männern eine Kopfnuss ins Gesicht. Ein zufällig im Zug sitzender Bundespolizist eilt herbei, versucht zu schlichten und wird ebenfalls von den beiden Männern angegriffen und beleidigt. Der Zug hält in Meitingen an. Die Männer versuchen zu flüchten und werden schließlich von Polizisten gestellt. Jochen H. muss anschließend zur Behandlung seiner Verletzungen ins Krankenhaus.

Am Mittwoch kam es im Nördlinger Amtsgericht zu einem Widersehen zwischen Jochen H. und den beiden Männern. Lukas M.* (26 Jahre) und Markus F.* (21 Jahre) standen wegen des Vorfalls im April als Angeklagte vor Gericht und räumten ihre Taten ein. Jochen H. sagte als Zeuge aus, er habe vernommen, wie Lukas M. und Markus F. die Frauen beleidigt hätten und habe interveniert. „Die Kopfnuss von Lukas M. kam völlig überraschend“, sagte Jochen H. Er habe danach einen kurzen Blackout gehabt. Als Jochen H. wieder zu sich kam und der Bundespolizist am Schlichten war, habe er auf die Männer eingeredet und diesmal von Markus F. eine zweite Kopfnuss bekommen. Eine der Frauen, die an jenem Aprilmorgen beschimpft wurde, bestätigte diesen Tathergang und sagte, Lukas M. hätte sie grundlos unter anderem als „fette Schlampe“ bezeichnet. Dies gab der Angeklagte zu und entschuldigte sich bei der jungen Frau. Auch der Bundespolizist sagte aus und beschrieb, wie er vergeblich versucht habe, die Personalien der beiden Männer aufzunehmen. Als er sie daran hindern wollte, am Meitinger Bahnhof auszusteigen, hätten die beiden Angeklagten ihn zur Seite geschupst. „Sie haben mich als Bullenschwein und Nazi-Sau beschimpft“, sagte der Bundespolizist. Erst unter Einsatz von Pfefferspray und mithilfe von Polizeibeamten aus Donauwörth und Rain konnten Lukas M. und Markus F. gestoppt werden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verurteilte der Nördlinger Amtsrichter Helmut Beyschlag Lukas M. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung und Markus F. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung. „Ohne Geständnis wären Sie heute für zwei Jahre in den Knast gegangen“, begründete Beyschlag die Bewährungsstrafe. Diese Eskalation sei dennoch nur schwer verständlich. „Da berücksichtige ich auch den Einfluss von Alkohol nicht.“ Beide Männer akzeptierten das Urteil.

*Name von der Redaktion geändert

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20DSC_1055(2).tif
Nördlingen

Das etwas andere Streetfood-Festival

ad__querleser@940x235.jpg

Qualität auch für Querleser

Montag bis Samstag ab 4 Uhr morgens. Und die Multimedia-Ausgabe
"Kompakt" mit den wichtigsten Nachrichten von Morgen ist auch dabei.

Jetzt e‑Paper bestellen!