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Deiningen

09.08.2019

Deiningen: Bauarbeiter werden auf der Baustelle beschimpft

Das Schild „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ an der Hauptstraße in Deiningen symbolisiert, dass Pkw-Fahrer nicht weiterfahren dürfen. Daran halten sich viele Autofahrer aber nicht, wie die Reifenspuren im Gras zeigen.
Bild: Jan-Luc Treumann

Plus Viele Autofahrer halten sich nicht an die Verbotsschilder in Deiningen. Bauarbeiter werden von Passanten sogar beleidigt. Ein Mann sagt, er nehme das kaum noch wahr.

Die Straße ist gesperrt und doch fährt ein Auto über die Baustelle. Der Fahrer sieht, dass er zum Supermarkt nicht durchkommt und dreht wieder um. Alexander Hubel* steht hinter der Absperrung und schüttelt den Kopf. Der Mann ist Lkw-Fahrer und hat an der Baustelle an der Hauptstraße in Deiningen gearbeitet. Er berichtet, dass in der vergangenen Woche ein Mann und eine Frau in einem Auto auf die Baustelle gefahren sind. „Sie haben gefragt, was uns eigentlich einfalle, warum wir das (die Bauarbeiten, Anm. der Redaktion) machen würden. Wir haben dann gesagt, dass sie hier nichts zu suchen hätten. Dann wurden wir übel beleidigt“, sagt Hubel. „Depp“ sei noch eine der harmloseren Aussagen gewesen.

Seinen richtigen Namen will Hubel nicht in der Zeitung lesen, die Firma, für die er arbeitet, erledige viele Aufträge im Ries. Die Arbeiten in Deiningen führt die Firma Bortolazzi aus Bopfingen durch, Hubel arbeitet für ein Subunternehmen. An der Hauptstraße hat er in der vergangenen Woche den alten Asphalt abgefräst und abtransportiert. Die Beleidigungen hätten nun eine Grenze überschritten, er wandte sich an die Zeitung. „Ich mache das auch schon eine Zeitlang, aber so unverschämt und so böse, das habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 36-Jährige.

Doch die Bauarbeiter werden nicht nur beleidigt, sondern teilweise bei ihrer Arbeit behindert. Denn immer wieder fahren Leute durch die Baustelle, obwohl diese durch das Schild „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ gekennzeichnet ist. An diesem Tag sei es besonders schlimm gewesen, schildert Hubel: „Die sind von allen Seiten gekommen. Du hast so aufpassen müssen.“ Immer wieder fahre jemand trotz der Hinweisschilder und Absperrzäune auf die Baustelle.

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Englisch: „Da müsste man sich im Stundentakt aufregen“

Dieses Problem kennt auch Holger Englisch, er ist Werkpolier und arbeitet für die Firma Bortolazzi. Er war bei dem Vorfall dabei und sagt dazu: „Das registriert man eigentlich so gar nicht mehr. Da müsste man sich im Stundentakt aufregen.“ Es gebe Leute, die seien durchaus einsichtig und würden einen Umweg fahren. Andere schimpfen, weil die Straße gesperrt ist und sie die Umleitung nicht kennen. Englisch kann seinen Kollegen dennoch verstehen: „Die Leute fahren kreuz und quer zwischen den Lkw und Baumaschinen her. Für einen Lkw-Fahrer ist das Stress pur, da ist man froh, wenn bis zum Abend kein Unfall passiert.“

Englisch schildert, dass an diesem Tag sehr viele Personen in die Baustelle gefahren sind. Dennoch sagt Englisch, dass er versuche, immer ruhig zu bleiben. „Man ist höflich und beruhigt die Situation. Beleidigungen sind nicht schön, aber man stumpft ab“, sagt er. Gewalttätige Personen habe er zum Glück nicht erlebt. Die meisten, die sich nicht an die Sperren halten, kämen auch nicht aus dem Ries, sondern von außerhalb.

Die Leute würden laut dem Werkpolier nicht daran denken, dass sie nach Abschluss der Arbeiten für die kommenden Jahrzehnte eine neue Straße hätten. Zudem könne es auch zu Bauverzögerungen kommen: „Wir konnten die Termine halten. Aber wir können nicht nach acht Stunden heimgehen, da gibt es auch mal Überstunden.“ Würden diejenigen Fahrer sich an die Umleitungen halten, wären die Bauarbeiten bisweilen auch schneller abgeschlossen, meint er. Zudem könnten diese Personen ihr Auto beschädigen.

Die Polizei führt sporadisch Kontrollen durch

Sonja Gernhäuser-Weng, Zweite Bürgermeisterin von Deiningen, ist der Vorfall mit den Beleidigungen nicht bekannt, weiß aber grundsätzlich „dass gerade Pkw-Fahrer sich nicht immer an die Absperrung halten. Die Baumaßnahme dauert schon länger an und jeder sollte wissen, wie die Umleitungsregelungen sind.“ Die Deininger Bürger zeigten viel Geduld wegen der Baumaßnahme. Gernhäuser-Weng habe kürzlich selbst erlebt, dass jemand nach dem Abfräsen der Straße hineingefahren ist und hat die Person angesprochen: „Ich habe auch Verständnis für die, die sich verirren. Es sind zur Zeit viele Umleitungen, die jeden etwas strapazieren. Das darf aber nicht dazu führen, dass Bauarbeiter, die ihre Arbeit machen, darunter leiden.“ Sie appelliere an die Vernunft, dass Personen die Schilder beachten.

Das sagt auch Robert Schmitt, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Nördlingen. Er berichtet, dass die Polizei sporadisch Kontrollen durchführe. Als die Straße Richtung Nördlingen gesperrt war, gab es auch Kontrollen in Zusammenarbeit mit der Bereitschaftspolizei, da Leute auf den Radwegen fuhren. Ein solches Vergehen sei ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung, eine Strafe bewege sich im Verwarnungsbereich. Werden die Bauarbeiter von ihrer Arbeit abgehalten, empfiehlt Schmitt, „sollen sie die Polizei anrufen. Dann kommt eine Streife.“

Englisch versucht, die Vorfälle entspannt anzugehen: „Man sieht es ja auf sich zukommen, das Fahrzeug kommt und man weiß, der Fahrer hat die Schilder nicht gelesen. Wir stellen uns drauf ein und beruhigen die Situation. Das ist nach fünf Minuten vorbei. Bis der Nächste kommt“, sagt Englisch.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Jan-Luc Treumann: Aufeinander Rücksicht nehmen

* Name von der Redaktion geändert

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