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Dialekt

02.02.2015

Den Glauben erkannte man an der Farbe

Was es mit dem Häs auf sich hat – und wie lange man es trug

Das Wörterbuch der Rieser Mundarten „So hot ma sooscht gsagt“ von Hartmut Steger verzeichnet unter Hääs folgenden Eintrag: „Kleidung, Anzug; Die Ausdrücke: Hääs, Gwand Monduur wurden gleichsinnig verwendet, z. B. Sonnde-Hääs, Sonnde-Monduur, Sonnde-Gwand.“ Es geht also um die Bekleidung, ums Anziehen, aber bleiben wir einfach beim Hääs.

Der Sprachatlas von bayerisch Schwaben (König, 1995) verzeichnet diesen Mundartausdruck in ganz Schwaben zwischen Iller und Lech; östlich des Lechs sagte man vermehrt „Gewand“. Das Hääs bezeichnet die gesamte bäuerliche Kleidung, sowohl die der Männer, als auch die der Frauen. Das Sonnde-Hääs wurde schon erwähnt. Mit diesem ging man in die Kirche, doch danach genügte das Sonnde-Drhoimrom-Hääs! Die beste Schürze war da nicht mehr notwendig und „a soides Kloid hot ma oo ra.“

Am Sonndenomedag flickte die Bäuerin „ds Werkte-Hääs“ der Mannsbilder und warf Hosen, Kittel und Hemden, wenn nötig, in „d’Wesch“. Den Rieser Kittel zog man gut und gern ein paar Wochen lang an, denn man(n) konnte ihn vertauschen: vorn und hinten, links und rechts rum war dieser anzuziehen. „Ds Blohemad anzieahga“, hieß das. Jeder Rieser Bursche hatte dieses Kleidungsstück; war er katholisch, war die Stickerei an Armbündchen, Achseln und Kragen rot, war er evangelisch, war die Stickerei weiß. Dieses Blau- oder Staubhemd gehörte zur Aussteuer, wenn man sich als Knecht bei einem anderen Bauern andingte. Oft gab die Mutter ihrem Bua auch schon „ds Sterb- Hääs“ mit in die Fremde. Frauen nahmen ihr Hääs viel mehr „en obacht“, denn sie mussten ja selber flicken und nähen, wenn etwas kaputt ging. Eine zerrissene Schürze bekam „an Fleck“, ein lumpiger Kittel einfach „an nuia Ellaboga“; eine verwetzte Stelle wurde unterlegt.

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Gute Stücke sammelten die Mädchen ab der Schulentlassung (Konfirmation) im Hääs-Kaschda. Oft hieß dieser Schrank auch „Weißwarkaschda“, weil die Wäschestücke vornehmlich aus weißem Leinen genäht waren. Blusen, Schürzen, (Nacht)Hemden, Kopftücher und Kleider sammelten sich da an; aber auch Bettwäsche, Hand- und Tischtücher lagen in den Fächern.

Im Dachboden stand der alte „Kaschda vo’ dr Oma mit der ihrem alda Hääs“. Hier durften sich die Jugendlichen „a paar Schtickr raus holla für d’ Fasnacht“. Burschen taten das mit Vorliebe, zogen Frauenkleider „gäägs rum“, also links herum an, machten mit zwei kleinen Kissen „am Weib a feschts Hearz“, banden „an Bood“ (Kopftuch) weit ins Gesicht, um den Ansatz zur Larve zu verdecken, nahmen an Krätza und machten sich auf den Weg, um unerkannt im Dorf von Haus zu Haus bei den Bäuerinnen mancherlei Nahrhaftes zu erbetteln, Brottwischt, Krapfa, Kiachla, Schneckanudla und Oier.

„Schperrat Tüar zua, d’Fasnachtshansl kommat!“, hieß es da oft, denn die machten an „saubra Dräg en d’Schtubb nei.“ „Di kenn i!“, meinte nicht selten die Bäuerin, „des Hääs isch doch dr Golder Babett sei’s!“

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