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Comedy

20.01.2020

Den Zeitgeist im Visier

Markus Stoll alias Harry G begeisterte 1400 Besucher in der ausverkauften Hermann-Keßler-Halle in Nördlingen.
Foto: Toni Kutscherauer

Plus „Hoamboy“ Harry G begeistert die 1400 Besucher in der ausverkauften Hermann-Keßler-Halle in Nördlingen. Dabei hadert der gebürtige Regensburger mit Wellness-Resorts und E-Scootern.

Wem ist es noch nicht passiert, dass ihm in der Fußgängerzone eine in ein neckisches Kleidchen gewandete „Pummel-Fee“ - umringt von ihren Freundinnen in pinkfarbenen T-Shirts – aus einem Bauchladen Kondome verkaufen wollte? Alles klar, Junggesellinnen-Abschied – und damit ein echtes Ärgernis für Harry G. Der Comedian gastierte in der restlos ausverkauften Hermann-Keßler-Halle in Nördlingen und präsentierte den 1400 Besuchern sein brandneues Programm „Hoamboy“.

Darin nimmt der Komiker in einem humoristischen Rundumschlag den Zeitgeist und all seine irrwitzigen Ausprägungen ins Visier. So kann er den Hype um Wellness-Resorts nicht nachvollziehen, die „so entspannend sind wie ein Nachmittag bei Ikea“. Zudem finde man dort Leute, „die definitiv keine Wellness brauchen“, etwa die „Social-Media-Trulla“ oder die „Latte-Macchiato-Mutti aus Bogenhausen“. Ein Dorn im Auge sind Harry G auch Patchwork-Familien, wo die Zeugung des Nachwuchses schon vor der Ehe erfolgt ist („kein Rausch, sondern gleich der Kater“). Aus eigenen Erfahrungen kann er nämlich von den Entbehrungen der Eltern kleiner Kinder berichten: „Nimmer Essen geh’n, koa Sex mehr – und statt Tatort schaust du Feuerwehrmann Sam“.

Er ist ein lustiger und sympathischer Bursche, der gebürtige Regensburger Markus Stoll, der sich in nur wenigen Jahren als Senkrechtstarter in der bayerischen Comedy-Szene etabliert hat. Mit seiner Figur des Harry G und dem Hut als Markenzeichen hat er sich in Bühnenauftritt, Dialekt und Humor eine unverwechselbare Identität geschaffen. „Hoamboy“ ist nach einjähriger Pause sein drittes Bühnenprogramm – eine temporeiche und leichtfüßige Show, die auch von der Schlagfertigkeit und dem Improvisationsgeschick des Spaßvogels lebt.

An diskussionswürdigen Zeitgeisterscheinungen mangelt es Harry G auch nach der Pause nicht: von der E-Zigarette („ausrangierter MP3-Player mit Dudelsack-Mundstück“) zu den vielen Shisha-Bars („schrill beleuchtete Solarien“), von den immergleichen Fußgängerzonen der Großstädte („DDR-Disneyland“) bis hin zum E-Scooter, dem „Preiß’ unter den Fortbewegungsmitteln“ („er is’ scho’ okay, aber man wui hoit ned mit eam g’seng wer’n“).

„Hoamboy“ ist ein Comedy-Programm reinsten Wassers, nach politischen Themen fahndet man ebenso vergeblich wie nach tiefschürfenden Betrachtungen und geschliffenen Redewendungen. Ausdrucksweise und Wortwahl geraten mitunter derb und krachledern, was vielleicht nicht jedem gefällt und wohl auch der altbayerischen Mundart geschuldet ist. Deren semantische Feinheiten werden am Beispiel der Redewendung „eam schaug’ o’“ aufgezeigt, die je nach Betonung Ausdruck höchster Bewunderung oder tiefster Verachtung sein kann.

Fränkisch ist „wia boarisch, nur in bläd“

Doch auch andere Dialekte hat Harry G im Repertoire, neben fränkisch („wia boarisch, nur in bläd“), schwäbisch und sächsisch beherrscht er auch die perfekte Bestellung beim Asia-Imbiss. Nicht fehlen darf der aus früheren Auftritten bekannte „Running Gag“ Alfons mit seiner Bassstimme, der „in der Warteschlange eine Stange Zigaretten quarzt“ und den Sauna-Aufguss mit Asbach vornimmt.

Kurzweilige zwei Stunden lang reißt der Komiker die Besucher in einem Feuerwerk aus Witzen, Gags und Pointen mit und jagt sie von einer Lachsalve in die nächste. Am Ende tobt die Halle vor Begeisterung, erst nach der Zugabe über MPUs und die unvergessliche Party bei der „dicken Jassi“ wird Harry G mit donnerndem Applaus entlassen.

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