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Nördlingen

01.08.2020

Der Blick in alte Schulhefte zeigt, was Rieser als Kinder im Dritten Reich erlebten

1938 tanzen Hitlerjugend und Bund deutscher Mädel auf der Kaiserwiese.

Plus In einer neuen Artikel-Serie der Rieser Nachrichten in Kooperation mit dem Stadtmuseum geht es um junge Rieser im Dritten Reich. Überlieferungen einer Nördlingerin beleuchten die Schule in NS-Zeiten.

Zwei Mädchen stehen nebeneinader und lächeln in die Kamera. Die Haare sind geflochten oder aufgefönt und beide tragen dicke Mäntel. Das Bild lässt nicht erahnen, dass es zur Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgenommen wurde. Darauf zu sehen sind die Schwestern Elisabeth und Maria Vogg. Die Ausstellung „13 Jahre – 13 Dinge“ im Stadtmuseum Nördlingen zeigt 13 Jahre Nationalsozialismus mit 13 passenden Biografien aus Nördlingen, die Geschichten dahinter finden Sie in den nächsten Wochen auch in unserer Zeitung.

Darunter ist auch die von von Maria Vogg, die am 30. Mai 1933 in Nördlingen geboren wurde. Andrea Kugler fasste die Geschichte der zur damaligen Zeit jungen Maria Vogg, erzählt von Inge Rödel-Klieber, für die Ausstellung zusammen. Mit ihren Eltern und den Geschwistern Elisabeth, Alois, Michael und Peter lebte sie bis mindestens 1939 in der Ulmer Straße 1 in Nördlingen. Dann wurde ihr Vater, der Steuerinspektor war, nach Neuburg an der Donau versetzt. Dort gingen Maria Vogg und ihre Geschwister während der Kriegsjahre zur Schule. Die Schulhefte aus dieser Zeit zeigen, wie schon Grundschüler der Ideologie des Nationalsozialismus ausgesetzt waren. Kugler zitiert erste Schreibübungen von Maria Vogg aus dem Schuljahr 1941/42, in denen es heißt: „Der Führer sagt: ,Jugend muß auf alle Fälle gehorchen können’ und ,Wir glauben an den Führer. Wir vertrauen dem Führer. Wir sind dem Führer treu. Wir lieben den Führer’ sowie ,Deutsch sein heißt treu sein.’“

Stadtmuseum Nördlingen: Ausstellung zeigt Biografien von Riesern aus dem Dritten Reich

In jeder deutschen Stadt wurde der Geburtstag von Adolf Hitler gefeiert, schreibt Kugler. Im Mai 1942 war die Schülerin Maria Vogg in der zweiten Klasse und musste dazu einen Schmuckeintrag verfassen, der lautete: „Heute, am 20. April, hat unser Führer Geburtstag. Wir wünschen ihm Gesundheit und noch viele Jahre des Friedens nach glücklichem Endsieg! Heil Hitler!“

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Auch zum Maifeiertag verfasste Maria einen Aufsatz. Denn zur Vereinnahmung der Arbeiter deutete die NSDAP den früheren Kampftag der internationalen Arbeiterklasse national um und erklärte den 1. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag. Ab 1934 beging man die Maifeiern als „Nationalen Feiertag des Deutschen Volks“.

Eine große Feier am 1. Mai gab es zur Zeit des Nationalsozialismus in vielen Städten, so auch in Nördlingen, zeigt Andrea Kugler mit Bildern aus dem Stadtarchiv Nördlingen im Stadtmuseum auf. Die Menschen tanzten auf der Kaiserwiese oder feierten auf dem Marktplatz. Nationale Geschlossenheit und die Idee der Volksgemeinschaft bekam Maria Vogg im Jahr 1943 so gelehrt: „Großdeutschland ist mein Vaterland. Adolf Hitler hat mein Vaterland erst so groß gemacht: (...) 80 Millionen Menschen wohnen in meinem großen herrlichen Vaterland. (...) Alle Deutschen an der Front und in der Heimat stehen einig und treu zum Führer: Ein Volk! Ein Reich! Ein Führer!“, zitiert Andrea Kugler. Erst im Juli 1950 kam Maria Vogg mit ihrer Familie zurück nach Nördlingen in die Ulmer Straße. Nach Angaben von Andrea Kugler heiratete sie 1958 den Kriegsvertriebenen Friedrich Klieber. Im November 2009 starb Maria Vogg.

Die aktuelle Ausstellung „13 Jahre – 13 Dinge“ ist im Nördlinger Stadtmuseum dienstags bis sonntags von 13.30 bis 16.30 Uhr zu sehen.

Lesen Sie in unserer Serie "Biografien aus dem Dritten Reich" nun wöchentlich, was Kinder und junge Erwachsene aus dem Ries im Dritten Reich erlebten. Dies war die erste Folge.

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