1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Der Dezember-Sturm trifft nicht nur Heuberg

Unwetter

05.12.2018

Der Dezember-Sturm trifft nicht nur Heuberg

Copy%20of%20IMG_5511.tif
4 Bilder
Die entwurzelte Linde wurde noch am Dienstag zersägt.
Bild: Verena Mörzl

Nicht nur im Oettinger Stadtteil wird nach dem Unwetter aufgeräumt, auch in Bettendorf und Haid. Wie ein Tornado-Experte den Sturm einordnet.

Erst flog die Bank von der anderen Straßenseite gegen den Gartenzaun der Holzmanns. Dann hielt die städtische Linde der Kraft des Sturms nicht mehr Stand. Sie kippte um, fiel in den Garten der Familie und riss kleinere Obstbäume mit sich.

Johann Schreitmüller wohnt in Heuberg gegenüber der Kirche. Zunächst habe es nur geregnet, erzählt er. Es muss gegen 13.30 Uhr gewesen sein. Die Kinder im Dorf seien einige Minuten vorher von der Schule nach Hause gekommen. Dann stürmte es und alles ging blitzschnell. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Mann in seinem Wohnzimmer. Es ist bereits Montagabend, im Dach seines Stadels sind noch immer Lücken zu sehen, das Hausdach ist bereits mit der Hilfe von Verwandten und Nachbarn repariert worden. Der Regen prasselt an die Fenster. „Das läuft jetzt alles rein.“ Seine Ziegel waren sogar angehängt, genau wie die der Kirche. Auch dort fielen sie herunter. Am Tag danach spült der Regen die Tonsplitter in einer roten Brühe Richtung Kanal.

Unwetter im Ries: Es hätte schlimmer kommen können

Der Sturm in Heuberg hat in kurzer Zeit viel beschädigt. Doch es hätte schlimmer kommen können, sagen einige Bewohner. Wie Ortssprecher Rudolf Oesterle bereits am Montag im Gespräch mit den RN sagte, wurde bei dem Sturm niemand verletzt. Bürgermeisterin Petra Wagner sagte in Bezug auf die Parkbank: „Wenn da jemand unterwegs gewesen wäre, das will man sich gar nicht ausmalen.“ Sie machte sich am Dienstag vor Ort ein Bild von den Schäden und sagte, dass es doch mehr Anlieger getroffen hätte, als ihr am Montag mitgeteilt worden sei. Sie habe in einer E-Mail von den Ereignissen erfahren.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Keines der kommunalen Gebäude sei beschädigt worden, dafür stand die entwurzelte Linde auf städtischem Grund. Laut Wagner kümmere sich die Versicherung um den Schaden, zersägt und entfernt wurde der Baum noch am Dienstag.

Margit Hertle steht unweit der Kirche im Stall, in dem ihre Kälber untergebracht sind. Neben dem Tier liegen zerbrochene Ziegel. Nur der Futtertrog soll Hertle zufolge verhindert haben, dass das Kalb von den Platten getroffen wurde. Durch das Dach tropft am Dienstag immer noch der Regen. Hofseitig ist nicht zu erkennen, was der Wind auf dem Anwesen angerichtet hat. Wer jedoch im Garten steht, sieht die Löcher im Dach. Durch den anhaltenden Regen ist es im Stall nass. Ihrer Familie gehört noch ein Hof im Außenbereich des Ortes, auch dort wurde das Dach abgedeckt.

Sturm in Heuberg: Satellitenaufnahmen zeigen Gewitterzelle

Satellitenaufnahmen belegen, dass Heuberg gegen 13.25 Uhr vom Gewitter getroffen wurde, sagt Tornado-Experte Andreas Friedrich. Einige Dorfbewohner vermuteten, dass es sich um einen kleinen Tornado handelte, der ihren Ort traf. Friedrich ist da anderer Meinung. Zu hundert Prozent ausschließen könne er es aber nicht. Denn Tornados können auf einem Radar nicht erfasst werden – die Meteorologen müssen sich daher auf Augenzeugenberichte, Fotos und Videos stützen. Gegen einen Tornado spricht für Friedrich unter anderem die Schilderung eines Augenzeugen, der den Sturm als „weiße Wand“ beschreibt. Das deute eher auf einen sogenannten Böenkragen hin. Das ist eine Windwalze, die sich vor Gewittern geradlinig nach vorne bewegt. „Ein Tornado würde sich im Kreis drehen“, sagt der Experte. Auch bei einem Böenkragen seien Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde möglich, die eine Schneise der Verwüstung hinterlassen können. Und ebenso wie bei einem Tornado sei der Spuk meist in wenigen Sekunden wieder vorbei.

Bild: Verena Mörzl

Die Gewitterzelle hat auch in Bettendorf und in Haid Spuren hinterlassen. „Aber lange nicht so schlimm wie in Heuberg“, sagt Munningens Bürgermeister Dietmar Höhenberger gegenüber unserer Zeitung. Auch dort seien Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt worden.

Lesen Sie auch: Nach dem Sturm halten die Heuberger zusammen

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Verena%20M%c3%b6rzl%20004(3).jpg
Kommentar

Nach dem Sturm halten die Heuberger zusammen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden