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Amtsgericht

25.02.2015

Der Ex muss Abstand halten

Der Ex muss Abstand halten

Bewährungsstrafe wegen Nötigung für früheren Ehemann

Von Ronald Hummel

Nördlingen Es kann jeden treffen: Man ist glücklich verheiratet, bekommt ein Kind, das Glück schwindet, man trennt sich, das Leben muss weitergehen. An diesem Punkt führen verschiedene Vorstellungen, wie es weitergehen soll, oft vor Gericht. So auch ein getrennt lebendes Ehepaar aus dem südlichen Landkreis, das guten Willens war, sich weiterhin freundschaftlich zu begegnen und den Umgang mit der Tochter zu regeln. Doch dem Mann, einem 37-Jährigen, gingen dabei immer wieder die Emotionen durch. Es kam zu keinen Tätlichkeiten, doch Telefonate entgleisten zur Bedrängung und zuweilen zu Drohungen, es könne ausgehen wie im Fernsehen, wo verlassene Ehemänner Frauen und Kinder töten. Die heute 33-jährige Ehefrau erstattet Anzeige, im April vergangenen Jahres erließ das Familiengericht am Amtsgericht Nördlingen eine einstweilige Anordnung im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes. Der Mann solle sich der Frau nicht weiter als 50 Meter nähern und keinen Kontakt mit ihr aufnehmen.

Beide Seiten weichen die Anordnung auf, telefonieren, sie hilft ihm immer wieder, zum Beispiel, wenn es darum geht, im Notfall durch Beziehungen einen Zahnarzttermin zu organisieren. Das immer wieder gleiche Muster, das dann folgt, wird auch in der Verhandlung vor dem Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Helmut Beyschlag deutlich – auf der Anklagebank bricht der Mann in Tränen aus, unablässig versichert er dem Richter seine allerbesten Absichten. Die Ex-Frau bestätigt, dass dies zunächst stimmte, doch immer wieder eine unscharfe Grenze überschritten wurde. So sagt ihr Arbeitskollege als Zeuge aus, er habe bei ihr im Büro ein Pfefferspray entdeckt, sie darauf angesprochen, worauf sie sagte, sie lebe in Angst vor ihrem Ex-Mann. Just am gleichen Tag beobachtete der Kollege, wie ihr der Mann im Wagen folgte, als sie nach der Arbeit weg fuhr.

Richter Beyschlag zeigt Verständnis für die emotionale Belastung, aber nur bis zu klar gesetzten Grenzen: „Man kann sich nicht einfach auf sein Temperament berufen, wenn man gerichtliche Anordnungen ignoriert.“

Angeklagter entschuldigt sich bei Ex-Frau

Der Angeklagte entschuldigt sich bei seiner Ex-Frau für seine Fehler und dankt ihr für die vielen Male, wo sie ihm half. Auch die Frau zeigt sich sichtlich berührt und versichert, sie wolle nachhaltig ein gutes Verhältnis. „Ich verstehe, dass sie beide wollen, dass es wieder wie früher wird. Aber in seinem überschießenden Temperament verletzt der Mann immer wieder die Regeln“, resümiert Beyschlag und trägt als Richter dazu bei, alles wieder in geregelte Bahnen zu führen – er folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verhängt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Damit folgt er der Argumentation der Anwältin, welche die Ehefrau als Nebenklägerin vertritt: „Der Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz zeigte keine Wirkung, die Androhung einer Gefängnisstrafe ist wohl wirksamer.“ Der Angeklagte zeigt sich unzufrieden mit der Bewährungszeit von drei Jahren. Darauf Beyschlag: „Das heißt, Sie dürfen drei Jahre lang keine Straftat begehen. Andere Menschen begehen in ihrem ganzen Leben keine. Die sollten Sie sich zum Vorbild nehmen.“

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