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Porträt

07.02.2015

Der Faschingsfreund

Thomas Aust im Vereinshaus der Faschingsfreunde in Megesheim. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Vereins.
Bild: Jan Kandzora

In Megesheim gibt es den größten Umzug im Ries. Thomas Aust ist Vorsitzender des Vereins, der ihn organisiert. Warum Fasching für ihn mehr ist als nur Masken und Verkleidung

Es gibt da eine Sache, die Thomas Aust wichtig ist. Es geht um Fasching, wie so vieles in seinem Leben. Fasching, sagt Aust, sei ein großer Spaß, darum möge er ihn so. Die Menschen könnten ihre Sorgen hinter sich lassen, aus ihrem Alltag flüchten. Alle würden lachen, die Zuschauer und die Teilnehmer. Doch wichtig ist Aust außerdem, dass Fasching außer Spaß noch andere Funktionen erfüllt, nämlich Gemeinschaft stifte. Und damit quasi eine verdammt ernste Angelegenheit ist. „Wo gibt es denn so etwas überhaupt noch, dass eine Sache so viele Leute verbindet?“, fragt er. „Fasching ist gut für die Seele.“

Das hört sich an, als habe da einer seinen Auftrag gefunden. Und vielleicht hört es sich nicht nur so an. Aust, 32 Jahre alt, trägt seine Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Seine Kleidung ist über und über mit weißer Farbe gesprenkelt, er kommt gerade von der Arbeit. Aust ist Maler und Lackierer, selbstständig, ein Ein-Mann-Betrieb. Dass ihn in Megesheim jeder kennt, liegt allerdings an etwas anderem: Er ist seit 2014 Vorsitzender eines Vereins im Dorf, der Faschingsfreunde Megesheim. Der ist nicht nur irgendein Verein in der Gemeinde. Megesheim hat etwas mehr als 800 Einwohner. Die Faschingsfreunde haben an die 400 Mitglieder. Jedes Jahr organisieren sie den Umzug durch das Dorf, seit 2014 mit Aust als Vorsitzenden. Das kleine Megesheim, mit seiner Kirche, seinem Dorfladen und seiner Gastwirtschaft, beherbergt den größten Faschingsumzug im gesamten Ries. Jedes Jahr kommen an die 1000 Leute.

Aust lernte den Fasching in Megesheim 1987 kennen, als kleiner Junge, der neu im Ort war. „Es gab damals nicht viel im Dorf, und ich habe Anschluss gesucht“, sagt er. Und den fand er über den Fasching. Als Knirps lief er beim Umzug mit, es gibt Videos davon, und ab und zu schaut Aust sie sich noch an. „Es war cool“, sagt er. Die Gemeinschaft hatte ihn angezogen, und er blieb ihr seitdem erhalten. Er baute mit anderen Mitgliedern Faschingswagen, manchmal wochenlang, um sie beim Umzug ein paar Stunden zu präsentieren. Das gefiel ihm. Und als der alte Vorstandsvorsitzende nach zwölf Jahren nicht mehr weitermachen wollte und sie Aust fragten, ob er nicht Lust habe, die Sache zu übernehmen, sagte er zu.

Seitdem steckt er viel Arbeit in den Verein, auch wenn er die Organisation natürlich nicht alleine schmeißt. Alleine der Vorstand der Faschingsfreunde hat 20 Mitglieder, dazu kommen viele Helfer, anders wäre eine solche Veranstaltung wie der Umzug in einem Ort wie Megesheim auch nicht zu stemmen. Am 15. Februar wird es wieder so weit sein, dann ziehen die Teilnehmer die Hauptstraße entlang, drehen am Ortsende um und gehen wieder zurück. Und danach gibt es eine große Party.

Sobald das vorbei ist, hat Aust vermutlich auch wieder mehr Zeit für seine anderen Hobbies, denn die gibt es durchaus: Heavy-Metal-Konzerte, Mittelalterfestivals, Romane. Und Faschingsgeschichte. Die Ursprünge und die Tradition, sagt Aust, seien hochinteressant.

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