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02.06.2009

Der Friedhof ist für die Kirche kein Geschäft

Nördlingen (hum) - Kein Friedhof ist wie der andere - es gibt moderne Anlagen mit Grabsteinen in Reih' und Glied auf durchgängig betonierten Reihenfundamenten; dann gibt es jahrhundertelang gewachsene historische Friedhöfe wie in Nördlingen. Entsprechend unterschiedlich sind Verwaltung und Gebühren. Nun beklagt sich eine Grabmal-Firma aus Ingolstadt, in Nördlingen durch hohe Gebühren und Verwaltungshürden benachteiligt zu sein. Der evangelische Dekan Gerhard Wolfermann und Friedhofsverwalter Werner Schönamsgruber äußern sich in den Rieser Nachrichten dazu.

Seit nunmehr elf Jahren versucht der Unternehmer, Aufträge auf dem evangelisch-lutherischen Friedhof in Nördlingen zu bekommen. Damals wurde es ihm verwehrt, weil er nicht in die Handwerksrolle eingetragen war. Das Argument, dass laut Gutachten der deutschen Monopolkommission ein derartiger "großer Befähigungsnachweis" kein Garant für Qualität sei und dass man zur Not auch Profi-Heimwerkern die Gestaltung von Grabstätten überlassen solle, lässt Werner Schönamsgruber nicht gelten: "Die Berufsgenossenschaft schrieb nach bisherigem Recht den Nachweis einer fachlichen Eignung vor, sonst wäre die Kirche bei Schäden wie umgestürzten Grabsteinen voll haftbar."

Rechtlicher Wandel

Jetzt vollzieht sich gerade ein rechtlicher Wandel: Nach EU-Recht ist kein Eintrag in die Handwerksrolle für Dienstleister an Grabstätten mehr nötig. Dekan Wolfermann dazu: "Das EU-Recht ist noch nicht in deutsches Recht umgewandelt, aber im Vorgriff darauf erteilten wir der Firma ab sofort eine Ausnahmegenehmigung." Diese Lösung beschloss der Friedhofsausschuss des Kirchenvorstandes. In Zukunft werden die beauftragten Steinmetz-Firmen selbst mehr Gewährleistung übernehmen und voraussichtlich schriftlich versichern, dass sie die "Technische Anleitung (TA) Grabmal" des Gesetzgebers befolgen. Der Befähigungsnachweis besteht künftig aus Referenzen bisheriger Auftraggeber. In der Kritik stehen auch Gebühren. Der externe Unternehmer schildert, wie andernorts Grabstätten für 20 Jahre gemietet und von den Familien eigenverantwortlich gepflegt werden. In Nördlingen kommen zur Miete noch jährliche Gebühren für Unterhalt und Wasser hinzu. Der Gebühr von 26 Euro für die Zulassung eines Grabsteinlieferanten stellt der Ingolstädter Unternehmer eine Gebühr von zehn Euro beispielsweise in Lauingen gegenüber. Dies betrachtet er als Abschreckung der auswärtigen Konkurrenz. Der Friedhofsverwalter relativiert, dass die Einzelgebühr nicht unbedingt ein Maßstab sei, denn die gesamte Jahresgebühr für beliebig viele Aufträge belaufe sich derzeit auf 46 Euro. Laut Dekan Wolfermann und Friedhofsverwalter Schönamsgruber müsse man bei den Gebühren generell berücksichtigen, dass ein historischer Friedhof wie der in Nördlingen ein höheres Maß an Pflege beanspruche. So seien neben dem Verwalter eine weitere Verwaltungskraft, drei Arbeiter und eine Reinigungskraft nötig. Allein die Lohnkosten liegen bei 170 000 Euro im Jahr. "Diese Kosten und Rücklagen für Geräte bis hin zu Baggern müssen aus den Gebühren finanziert werden", so Dekan Wolfermann. "Dabei handelt es sich um kommunale Aufgaben für die gesamte Gemeinde, die aus der historischen Entwicklung heraus die evangelische Kirchengemeinde übernommen hat."

Der Dekan betont, dass es der Kirche dabei keineswegs ums Geschäft geht: "Wir dürfen laut Gesetz mit dem Friedhof keinen Gewinn machen und höchstens Rücklagen erwirtschaften."

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