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05.04.2016

Der Modellbau hält Klaus Nietzer jung

Der Wemdinger Flugmodellbauer Klaus Nietzer

Der 75-jährige Wemdinger hat sich in den vergangenen Monaten an ein ganz besonderes Projekt gewagt: eine maßstabsgetreue Nachbildung des größten je gebauten Doppeldeckers. 300 Arbeitsstunden waren dazu nötig.

Nördlingen/Wemding 75 Jahre alt ist er mittlerweile, der leidenschaftliche Modellbauer Klaus Nietzer. Er ist seit Jahrzehnten Mitglied der Flugmodellgruppe Nördlingen (FMG) und sucht sich immer wieder ganz besondere Modelle für einen exakten Nachbau aus. So auch in den vergangenen Monaten.

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Das Original

Genau vor 100 Jahren fand der Erstflug des damals weltgrößten Flugzeuges R 5 in Berlin Staaken statt. Der Doppeldecker hatte eine Spannweite von 42 Metern. Der bekannte deutsche Pilot Wolf Hirt hatte schon 1911 die Idee, mit einem Flugzeug von Deutschland nach Amerika zu fliegen, also von Ost nach West. Das erschien kaum realisierbar, da ja meistens Gegenwind herrscht. Erst Jahre später sollte das mit einem anderen Flugzeug gelingen.

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Persönlichkeiten der Luftfahrt trafen sich in Stuttgart, um das Projekt zu besprechen. Niemand war in der Lage, so ein gewaltiges Fluggerät zu berechnen. Graf Zeppelin hatte die Idee, einen ihm bekannten Professor namens Alexander Baumann zu befragen, damals Hochschullehrer für Luftschifffahrt und Flugtechnik in Stuttgart und Aerodynamik-Experte. Der sollte es richten.

In Berlin Staaken machte man sich an die Arbeit, das Projekt zu verwirklichen. Nachdruck verlieh den im wahrsten Sinne des Wortes hochfliegenden Plänen der Ausbruch des ersten Weltkriegs, denn das Militär wollte den Riesenvogel für seine Zwecke. So kam es, dass tatsächlich 23 Exemplare dieses Fliegers R 5 gebaut und eingesetzt wurden. Sie konnten mit acht Mann Besatzung eine gigantische Bombenlast von 1000 Kilogramm transportieren.

Das Modell

Klaus Nietzer faszinierte die Geschichte des Doppeldeckers so sehr, dass er den kühnen Plan fasste, in seiner Werkstatt in Wemding einen maßstabsgerechten Nachbau zu erstellen. Der Maßstab sollte 1:16 sein, die Spannweite beträgt damit knapp drei Meter. Im November vergangenen Jahres begann er damit, nach rund 300 Arbeitsstunden war das Werk vollbracht. Drei Elektromotoren sollten die rund sieben Kilogramm schwere Maschine zum Fliegen bringen.

Der Jungfernflug

Es hatte sich auf dem Modellflugplatz zwischen Nördlingen und Wallerstein herumgesprochen, dass Klaus Nietzer wieder etwas Großes plante und deshalb verfolgte eine stattlicher Zuschauermenge am vergangenen Sonntag den Erstflug des Modells. Nach rund 20 Meter Anrollen stieg die R 5 „ziemlich unspektakulär“ (O-Ton Nietzer) in die Luft, so gemächlich, wie es sich für einen Doppeldecker gehört. Denn naturgetreues Flugverhalten gehört nach Klaus Nietzers Modellbau-Philosophie zur Aufgabenstellung.

Der Erbauer

Klaus Nietzer ist in Nördlingen aufgewachsen, hat bei der Firma Keil in der Polizeigasse Werkzeugmacher gelernt und war später als Betriebsmittel-Konstrukteur bei der SWF in Wemding beschäftigt. Ein fertiges Modell, das er im Alter von zehn Jahren einem Bekannten für vier Mark abkaufte, begeisterte ihn damals so sehr, dass er sich als Autodidakt die Grundlagen des Modellbaus selber beibrachte. Mittlerweile Rentner, hat er bei einem Verlag in Baden-Baden und in Fachzeitschriften rund 80 Modellbaupläne veröffentlicht und circa 150 Modelle gebaut. „Als Witwer brauch’ ich etwas, das mich in Schwung hält. Der Modellbau hält mich jung“, sagt Nietzer, der folgerichtig die nächsten Projekte bereits im Kopf hat.

Klaus Nietzer feiert am 11. November diesen Jahres seinen 76. Geburtstag. (rom)

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