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Vortrag

07.02.2012

Der Pfarrer und die Heiden

Pfarrer Michael Rau bei seinem Vortrag über die keltische Religion.
Bild: Foto: hum

Michael Rau über keltische Religion

Bopfingen Den Auftakt einer Vortragsreihe zum Keltenjahr 2012 bildete der evangelische Pfarrer Michael Rau in der Schranne im alten Bopfinger Rathaus. Dazu ging er nicht den üblichen Weg über die Götter, die seiner Ansicht nach meist nur als Entsprechung des römischen Götterhimmels überliefert sind. Vielmehr glich er archäologische Befunde mit einem theologisch-soziologischen Raster ab und leitete daraus einen konsequent gelebten Glauben an die „untere Welt“ als Entsprechung des späteren christlichen Jenseits ab.

Archäologische Funde ergeben in der Keltenwelt von Nordfrankreich bis in die Steiermark ein Muster: In eingefriedeten Heiligtümern wurden Trank- und Speiseopfer in Verbindung mit großen kultischen Festmählern dargebracht. Die Bedeutung der Opfer grenzte Rau nach dem Ausschlussprinzip ein: Als Nahrung für die Götter wollte er sie nicht interpretieren. Gemäß dem Prinzip, dass die Götterwelt stets als überhöhte Spiegelung der Menschenwelt zu sehen ist, steht Götternahrung für Staatsabgaben als Gegenleistung für Schutz und Leitung.

Keine Staaten gebildet

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Da die Kelten vor der Zeitenwende keine Staaten bildeten, trifft diese Interpretation nicht zu. Auch das römische Verständnis von Opfern als Gegenleistung für eine göttliche Leistung passt nicht, da das römische Prinzip des Besitz- und Vertragsdenkens nicht der Grundlage des keltischen Zusammenlebens entspricht. So bleibt nach Pfarrer Rau noch die Interpretation als Bekenntnis übrig. Da die keltische Gesellschaft auf persönlichen Beziehungen und nicht auf einem anonymen Herrschaftsgebilde beruhte, gehe es um die Festigung der Beziehung zwischen Menschen und Göttern.

Das Blut als Sitz des Lebens

Die allgegenwärtige Opfergrube, die das Blut der Opfertiere oder stellvertretend Trankopfer aufnahm, symbolisiert das gesamte religiöse Bild: das Blut als Sitz des Lebens fließt den Göttern als Spender des Lebens zu und diese sitzen in der „unteren Welt“, nicht zu verwechseln mit dem Horror der antiken Unterwelt, dem Totenreich. Vielmehr sahen die Kelten darin eine erstrebenswerte jenseitige Welt, nach der sie sich sehnten, weshalb sie den Tod nicht fürchteten. Das gemeinsame Festmahl mit den Göttern sei also als Verbindungsaufnahme zu dieser Welt zu sehen.

Menschen geopfert

Wer sich in die untere Welt, auch Anderwelt genannt, verabschiedete, wurde als Bote und Fürsprecher angesehen, den man durch Totenkult und Grabbeigaben wohlwollend stimmen wollte. Die Kelten gingen sogar noch weiter, schickten durch Menschenopfer Boten in die andere Welt. Schamanen, also Priester und später Druiden, sollten umgekehrt Nachrichten der Götter aus Zeichen deuten.

Schädel im Dachgebälk

Der Brauch, die Schädel erschlagener Feinde als jenseitige Wächter ans Dachgebälk oder den Rauchfang zu hängen oder in edlen Schreinen aufzubewahren, habe sich im Christentum in der Reliquienverehrung wieder gefunden. Auch an Kirchen auf einst keltischem Gebiet wie in Irland erinnerten die Heiligenköpfe über dem Portal zuweilen an den alten keltischen Brauch.

Viel Vertrautes gefunden

Überhaupt habe die christliche Religion mit dem Jenseitsglauben offene Ohren bei den Kelten gefunden, da sie viel Vertrautes darin fanden. Leider kamen die Parallelen zwischen christlicher und keltischer Mythologie, vor allem die Frage, was die Christen wohl von den Kelten übernommen hatten, im Vortrag zu kurz gegenüber den allzu ausführlichen Darstellungen der archäologischen Befunde.

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