Newsticker

Carneval in Rio fällt wegen Corona-Pandemie aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Der Schalter bleibt bald leer

Nördlingen

29.04.2015

Der Schalter bleibt bald leer

Geschlossen: Das ist der Fahrkartenschalter am Nördlinger Bahnhof bald wohl dauerhaft, zumindest in seiner jetzigen Form. An seine Stelle soll ein "Video-Reisezentrum" treten.
Bild: Jan Kandzora

In Nördlingen sollen Bahn-Kunden zukünftig nicht mehr von Personal vor Ort, sondern per Bildschirm und Mikrofon bedient werden. Was hinter den Plänen steckt.

Wer am Nördlinger Bahnhof eine Fahrkarte kaufen will, wird dies bald nicht mehr am klassischen Fahrkartenschalter erledigen können. Wie die Deutsche Bahn bestätigte, plant das Unternehmen, in Nördlingen ein „Video-Reisezentrum“ einzurichten. Das heißt konkret: Bahn-Kunden werden an einem Bildschirm beraten und bedient. Die Fahrgäste haben zwar noch einen Ansprechpartner, dieser steht aber nicht wie bislang direkt vor Ort hinter einem Schalter, sondern arbeitet in einer anderen Stadt und wird von dort auf Knopfdruck per Bildschirm, Mikrofon und Lautsprecher in einer Art Video-Konferenz zugeschaltet.

Wie ein Sprecher der Bahn erklärte, befinde sich das Unternehmen dazu derzeit in Abstimmung mit der Stadt Nördlingen. Es stehe allerdings noch nicht genau fest, wann das neue System komme. Man könne auch noch nicht sagen, von wo aus die Mitarbeiter dann die Kunden in Nördlingen zukünftig beraten werden. Für das Personal vor Ort würden neue Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns gefunden.

Die Bahn beteuert, der „personenbediente Verkauf“ werde nicht abgeschafft; das neue System biete viele Vorteile. Man könne die „Verfügbarkeit“ ausdehnen, also längere Servicezeiten anbieten als bislang. Derzeit hat das Reisezentrum am Nördlinger Bahnhof von Montag bis Freitag zwischen 6.55 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 15.25 Uhr geöffnet. Am Wochenende hat der Fahrkartenschalter geschlossen. Ein Sprecher der Bahn erklärte, durch das Video-Reisezentrum würden ansonsten keine Nachteile entstehen. „Ich kann direkt zu jemandem sprechen, Fahrkarten kaufen, reservieren, wie gehabt. Nur natürlich über einen Bildschirm.“

Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul zeigt sich indes weniger begeistert von dem Plan. Es sei wichtig, dass es immer noch eine Art persönlichen Kontakt gebe, sagte er, aber gerade für ältere Menschen werde es durch die Umstellung sicherlich nicht einfacher. Die Stadt habe sich in der Vergangenheit sehr darum bemüht, dass eine Person den Fahrkartenverkauf direkt vor Ort macht. Und das habe sich auch gelohnt. „Es war eine freundliche Bedienung draußen, das war alles so, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich habe nie eine negative Stimme gehört.“ Viele Möglichkeiten, auf die Entscheidung der Bahn einzuwirken, habe die Stadt allerdings nicht, sagte Faul.

Im Reisezentrum im Bahnhofsgebäude hatte es in der Vergangenheit immer wieder Veränderungen gegeben. Ab 2005 hatte eine private Agentur den Fahrscheinverkauf am Nördlinger Bahnhof übernommen, seit August 2012 war der Schalter wieder mit Mitarbeitern der Deutschen Bahn besetzt. Zwischenzeitlich war er einige Monate geschlossen gewesen, weil die Bahn der Agentur gekündigt hatte. Nun also kommt die Umstellung zum Video-Reisezentrum, die nach Auskunft der Bahn auch notwendig sei, weil man „mit der Zeit gehen“ wolle.

Der Nördlinger Bahnhof ist dabei nicht der erste Standort, an dem die Bahn das neue System einführt. Einen ersten Testlauf gab es 2013 in Baden-Württemberg, seit Anfang dieses Jahres existieren auch in den fränkischen Städten Bad Kissingen, Bad Neustadt und Kahl die modernen Video-Reisezentren; Kunden können sich dort via Bildschirm beraten lassen oder Karten von Bahn-Mitarbeitern kaufen, die allesamt in Schweinfurt sitzen.

Damals wurden seitens der Bahn allerdings nicht nur die längeren Öffnungszeiten als Grund für die Umstellung genannt: Stattdessen führte das Unternehmen auch zunehmende Personalknappheit als Grund an. Viele Mitarbeiter verließen das Unternehmen in Richtung Zoll, darum sei es zunehmend schwerer, kleinere Bahnhöfe mit dem nötigen Service zu versorgen, hieß es. Zuvor wiederum hatte die Deutsche Bahn 2011 angekündigt, bis zum Jahr 2016 deutschlandweit insgesamt 700 der damals 2350 Stellen in den Reisezentren zu streichen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren