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Porträt

13.07.2018

Der nächste Schritt auf dem gemeinsamen Weg

Das Pfarrer-Ehepaar Irene und Jochen Maier tritt mit Wehmut den Wechsel aus dem Ries nach Franken an.
Bild: Hummel

Das Pfarrer-Ehepaar Irene und Jochen Maier verlässt nach 13 Jahren das Ries.

Er stammt aus Württemberg, sie aus Franken, kennengelernt haben sie sich in Wien, als Pfarrer-Ehepaar waren Irene und Jochen Maier die vergangenen 13 Jahre Seelsorger in den Riesgemeinden Löpsingen und Pfäfflingen. Es ist ein wahrhaft weitläufiger Weg, auf dem sie zueinander fanden und den sie weiter gemeinsam beschreiten bei ihrem anstehenden Aufbruch ins mainfränkische Sommerhausen.

Für Irene Maier begann dieser Weg in Langensteinach im fränkischen Dekanat Uffenheim, wo sie von Elternhaus, Gemeindepfarrer und Religionslehrer auf dem Gymnasium geprägt und neugierig auf die Welt von Glaube und Religion gemacht wurde. Bei Jochen Maier begann es in seinem Heimatort Wendlingen am Neckar – als Sohn einer Schreinerfamilie war er vor allem von der schlichten Frömmigkeit seiner Großmutter beeindruckt. Beide engagierten sich früh mit Kindergottesdiensten, Pfadfinder- und Jugendgruppen und lernten sich schließlich in Wien beim Studium kennen. Sie verband die Faszination der Vielfalt des Theologiestudiums, das neben Glaubensinhalten auch Psychologie und Philosophie umfasste; zudem ist es ohnehin gewünscht, die Fakultäten zu wechseln, um möglichst viele Schwerpunkte und Perspektiven kennenzulernen.

Fortan gingen sie ihren Weg gemeinsam, studierten in Heidelberg, Tübingen und Neuendettelsau. Als es galt, sich für eine gemeinsame Landeskirche zu entscheiden, zeigte sich der Oberkirchenrat in Stuttgart nicht ganz so offen wie der Landeskirchenrat in München für ein Pfarrer-Ehepaar aus verschiedenen Bundesländern. Heute kaum zu glauben: Damals gab es den „Pfarrerberg“, eine Schwemme von jungen Geistlichen, die so heftig war, dass Studienfreunde etwa als Journalisten oder im Pflegedienst Fuß fassen mussten.

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Vor dem Vikariat in Sommerhausen und Winterhausen im Maintal heirateten sie 1993. 1995 wurde die Tochter Verena geboren, 1998 der Sohn Julian – da teilten sie sich bereits die erste Pfarrstelle in Ergersheim und Wiebelsheim im Dekanat Bad Windsheim. Zehn Jahre waren sie dort, den obligatorisch von der Kirche erwarteten Wechsel wollten sie in die Zeit von Einschulung und Schulwechsel der Kinder legen.

Durch ihren Studienfreund Pfarrer Reinhard Caesperlein erfuhren sie von der freien Pfarrstelle in Pfäfflingen und Löpsingen und traten sie zu einem günstigen Zeitpunkt an: Bei der prachtvollen 150-Jahr-Feier der Feuerwehr 2005 sahen sie vom ersten Tag an, wozu die engagierte Vereinsgemeinschaft fähig war und ließen sich inspirieren, die Vereine aktiv in die Kirchenarbeit einzubinden. So spielte der Löpsinger Theaterverein immer wieder Szenen auf dem neu initiierten „Lutherweg“ beim Reformationsfest oder in Gottesdiensten. Auf dem Prinzip des gemeinschaftlichen Organisierens und Erlebens basiert auch das von Pfarrer und Pfarrerin Maier eingeführte Bergwochenende mit Berggottesdienst. „Das schweißt alle Generationen zusammen“, sagt Jochen Maier. Das Ehepaar freut sich, dass der Kirchenvorstand diesen Brauch heuer im August fortführt und die Maiers extra als Prediger „eingeflogen“ werden. Sie gehen mit Wehmut, denn sie und ihre Kinder sind eng mit der Dorfgemeinschaft verwachsen. „Seelsorge fand oft spontan im Alltag statt, zum Beispiel im Gespräch beim Straßenkehren“, sagt Irene Maier, die das „gläserne Pfarrhaus“ ihrer Kindheit mit ihrem Mann zusammen als stets offenes Haus fortführte. Jetzt schließt sich der Kreis für das Ehepaar, wenn es den obligatorischen Wechsel vollzieht und zurück nach Sommerhausen kehrt, um sich eine Pfarrstelle zu teilen. Sie sind nach der Zeit im Ries erst recht Dorfpfarrer aus Überzeugung geblieben, sagen sie übereinstimmend.

Ein Wunsch für den morgigen Verabschiedungs-Gottesdienst geht übrigens in Erfüllung: Da singen erstmals der Pfäfflinger Kirchenchor und der Stammchor der Chorgemeinschaft Löpsingen zusammen – und die Maiers singen mit.

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