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Pflege

19.09.2017

Der reisende Pflegepraktikant

Der Medizinstudent Alexander Popp (Mitte stehend) half vier Tage im Alten- und Pflegeheim in Wallerstein mit. Rechts neben ihm steht Stiftungsleiterin Eva Kofler-Poplawsky.
Bild: Münderlein

Alexander Popp hat eine ehrenamtliche Initiative mit dem Namen „Care and Travel“ gegründet. Sie startete in der Fürstin-Wilhelmine-Stiftung in Wallerstein. Worum es dabei geht

Wenn ein junger Mensch gute Erfahrungen im Zusammenleben mehrerer Generationen gemacht hat, können überraschende Impulse entstehen. Wie bei Alexander Popp, Medizinstudent aus Erlangen, der in einem Mehrgenerationenhaushalt aufgewachsen ist und ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Großmutter pflegt. „Alte und junge Menschen passen gut zusammen“, weiß der 20-Jährige und hat in diesem Vertrauen die Initiative „Care and Travel“, übersetzt Kümmern und Reisen, ins Leben gerufen. Sie fußt auf der Idee, dass junge Menschen für einen vereinbarten Zeitraum im Pflegeheim helfen, dort auch leben und in der Freizeit die für sie unbekannte Gegend erkunden. Popps erster Einsatz führt ihn in die Fürstin-Wilhelmine-Alten-und-Pflegeheim-Stiftung nach Wallerstein.

Dreh- und Angelpunkt ist die therapeutische Arbeit für die an Demenz erkrankten Bewohner. Für sie gilt es, zum Beispiel mit saisonalen Anlässen Bezüge zur eigenen Biografie herzustellen und gute, das Vertrauen stärkende Erinnerungen wachzurufen. So nimmt der Student an der „Frohen Runde“, dem täglichen Spiel- und Aktivprogramm im Haus teil. Hier werden Ausflüge wie die jährliche Wallfahrt oder besondere Kochprojekte thematisch vorbereitet und mit Bewegungsübungen kombiniert. Oder einfach Bingo gespielt, wie am vergangenen Montag. Auch sein musikalisches Können an der Gitarre und am Klavier fließt mit ein, wie bei der Geburtstagsfeier für die im August Geborenen. Allein dadurch, dass er im Gästezimmer vor Ort lebt, macht dieses Praktikum zu einer besonderen und intensiven Erfahrung: Er frühstückt mit den Mitarbeitern, isst zu Mittag mit dem Pflegepraktikanten und abends mit den Bewohnern im Wohnbereich. Es bleibt Zeit für manch ein Gespräch wie mit einem beinamputierten Herrn, der mit seiner Lebenshaltung und Weisheit beeindruckt.

Auch Pflegeaufgaben sind Teil dieser Zeit; sie sind ihm bereits durch Pflegepraktika in Krankenhaus und Pflegeheim während des Medizinstudiums vertraut. Von daher stammen auch seine ersten Erfahrungen mit der Krankheit Demenz. Diese hatten, besonders dort, wo sie mit Rückzug, Trauer und Einsamkeit gepaart sind, zu der Initiative als seine persönliche Antwort geführt. Mehrere Kommilitonen und WG-Mitbewohner, denen er von seinen Erfahrungen und der Initiative berichtet hatte, sind nun an einer Teilnahme interessiert. Alexander Popp gibt ihnen vorab Einblick mit einem Reisetagebuch unter dem Stichwort „Care and Travel“ auf Facebook. Hier berichtet er über eindrucksvolle Gespräche und Tourenerlebnisse wie die plötzliche Begegnung mit einer Wildschweinrotte. Die Internetseite generationen-hand-in-hand.org wiederum erklärt Grundgedanken und Entstehungsgeschichte der Initiative.

Die Arbeit mit Praktikanten stellt ein wichtiges Element in der Stiftung dar, gerade, um Vorbehalte zwischen den Generationen abzubauen und den Kontakt freudvoll erlebbar zu machen. Es wird häufig zusammen gebastelt, gespielt und gefeiert. Die Mitarbeiter nutzen die Zeit, um ihren Praktikanten das Leben im Haus und seine Angebote zu zeigen und zu erklären. Die Stiftung kennt Praktikanten aller Schultypen, die meist eine Woche vor Ort und auch später immer wieder Gast sind. (pm)

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