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Neujahrsempfang

12.01.2015

Des Kaisers Interesse für Nördlingen

„Dieser Vorgang war für Nördlingen von großer Bedeutung.“Dr. Wilfried Sponsel

Warum eine Urkunde aus dem Jahr 1215 für die Stadt so bedeutend ist

Eigentlich ist es verwunderlich, dass dieser Mann noch Zeit für Politik hatte. Da wäre zum einen sein ausschweifendes Privatleben. Dreimal war Friedrich II. verheiratet – und böse Zungen sagen ihm sogar nach, dass er mit insgesamt 13 Frauen 20 Kinder bekommen haben soll. Darüber hinaus muss er viele Stunden für sein Studium verwendet haben, sprach er doch gleich mehrere Sprachen, interessierte sich für Philosophie sowie Naturwissenschaften und verfasste ein Lehrbuch über die Kunst, mit Falken zu jagen. Und dennoch schaffte es der Staufer, im Jahr 1215 einen Grundstein für das moderne Nördlingen zu legen, wie Stadtarchivar Dr. Wilfried Sponsel in seinem Vortrag beim Neujahrsempfang der Riesmetropole am gestrigen Sonntag im Klösterle darlegte.

Denn vor 800 Jahren erhielt König Friedrich II. die Stadt und das Dorf Öhringen durch einen Tauschhandel, bei dem er die Frauenklöster beziehungsweise Reichsstifte Ober- und Niedermünster in Regensburg abgab. „Dieser Vorgang war für Nördlingen von größter Bedeutung“, betonte Sponsel in seinem Vortrag. Nicht nur, weil man die Stadt in der Urkunde vom 22. Dezember 1215 ausdrücklich als ebensolche, nämlich civitas, bezeichnete. Sondern weil sie nun nicht mehr bischöflich-regensburgisch, sondern königlich staufisch war – und damit der Ausgangspunkt geschaffen war, um freie Reichsstadt mit all den Rechten und Privilegien zu werden.

Wie es dazu kam, dass sich der Staufer, der ab 1220 auch Kaiser des römisch-deutschen Reiches war, für Nördlingen interessierte, das legte Sponsel in seinem Referat dar. Und er enttäuschte so manchen: Das Ries sei nicht, so wie noch Ende der 70er propagiert, die Heimat dieses geschichtlich bedeutenden Adelsgeschlechtes. Das war das Stauferland um den Hohenrechberg und den Hohenstaufen. Doch warum investierten die Staufer dann im Ries, warum hatten sie unter anderem Harburg, Baldern oder Flochberg sowie Wallerstein und Alerheim in ihrem Besitz? Das begründete Sponsel mit einem Blick auf die damalige Landkarte. Die Staufer hätten die Grafen von Rothenburg-Comburg beerbt und das salische Reichsland um Nürnberg übernommen. Das Ries sei ihnen da zwischen diesen und ihrem eigenen Hoheitsgebiet in den Blick gerückt – und habe sozusagen als Brückenkopf gedient: „Dass dabei die Lage Nördlingens inmitten eines weitverzweigten Straßennetzes eine herausragende Rolle spielte, liegt auf der Hand.“ Dennoch: Es sei den Herrschern nicht alleine um die Stadt gegangen.

1250 ist Kaiser Friedrich II. in Italien gestorben. Doch aus dem Jahr 1257 gebe es Belege für die Überzeugung der Zeitgenossen, dass er einmal wiederkommen wird, so Sponsel. Und mit einem Augenzwinkern meinte er: „Die Zeitgenossen sollten Recht behalten, wie wir in Nördlingen wissen, denn läuft da nicht alle drei Jahre der legendäre König und Kaiser beim Historischen Stadtmauerfest im Festzug mit?“

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