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Astronomie

09.01.2019

Deshalb stoßen Sterne nicht zusammen

Eine Aufnahme des Hubble Space Teleskops mit einem extrem tiefen Blick in unser Universum: Jeder Lichtfleck beziehungsweise Punkt stellt keinen einzelnen Stern mehr dar, sondern jeweils eine ganze Galaxie, die wiederum hunderte von Milliarden einzelner Sterne beziehungsweise Sonnen beinhaltet. 

Nur mit feinen Instrumenten kann man erkennen, dass die Sterne durch den Raum rasen, erklärt Uwe Bahadir von den Rieser Sternfreunden.

Es wird so oft betont, dass die Sterne in einem festen Muster am Himmel stehen und sich gegeneinander nicht bewegen. Schließlich nennt man sie ja auch „Fixsterne“. Allerdings handelt es sich auch hier, wie bei vielen Erscheinungen am Himmel, um einen scheinbaren Effekt.

Die großen Entfernungen der Sterne bringen es mit sich, dass die erheblichen Geschwindigkeiten, mit denen sie durch den Raum rasen, sich in der kurzen Zeit eines Menschenlebens für uns nicht bemerkbar machen, nur mit feinen Instrumenten kann man die Eigenbewegungen der Sterne messen und nachweisen.

So wusste man lange Zeit nichts von ihnen, denn selbst im Laufe mehrerer Jahrhunderte fallen sie noch nicht auf und das Firmament präsentierte sich den Menschen in der Antike fast ebenso wie heute. Beobachtungen über viele Jahrtausende hindurch würden erkennen lassen, dass die Sterne sich gegeneinander verschieben. Vor einigen zehntausenden Jahren hätte zum Beispiel niemand in den sieben hellen Sternen des Großen Bären einen Kastenwagen mit Deichsel erkennen können und nach einigen zehntausend Jahren wird die Konstellation wieder anders aussehen. Auch die Sonne, der uns nächste Stern mit ihren Planeten nimmt an diesem Tanz teil. Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts stellte der Astronom Wilhelm Herschel fest, dass wir – das heißt das gesamte Sonnensystem – uns auf einen Punkt in der Richtung des Sternbildes Herkules am Nordhimmel zu bewegen.

Man verwendet für diesen Punkt die Bezeichnung Apex: Nun muss jede Bewegung im Kosmos auf bestimmte Objekte oder Punkte bezogen werden, denn einen absoluten Fixpunkt gibt es im All nicht. So beträgt die Bahngeschwindigkeit der Erde relativ zur Sonne knapp 30 Kilometer pro Sekunde oder 207000 Kilometer pro Stunde. Gemeinsam mit der Sonne und den anderen Planeten bewegt sie sich außerdem relativ zu den Sternen unserer kosmischen Umgebung mit 19 Kilometer pro Sekunde auf den Apex zu.

Mit 250 Kilometer pro Sekunde

Alle diese Sterne führen ähnlich schnelle, aber ganz verschiedene Richtungen zielende Eigenbewegungen aus und mit ihnen gemeinsam rasen wir mit 250 Kilometer pro Sekunde wohl bemerkt wie ein riesiger Fliegenschwarm um das Zentrum unseres Milchstrassensystems. Trotzdem braucht die Sonne rund 200 Millionen Jahre zu einem Umlauf um die 28 000 Lichtjahre entfernte Mitte. Die jeweilige Umlaufgeschwindigkeit der Sterne ist in komplizierter Weise von ihrem Abstand vom Zentrum der Galaxis abhängig.Es ist weder die „starre Rotation“ einer Töpferscheibe noch die Abhängigkeit, die wir in ihrer einfachen Form aus dem Sonnensystem gültigen Keplerischen Gesetz kennen. Hier umkreisen nicht – wie die Planeten die Sonne – einzelne Objekte eine auf einen kleinen Zentralbereich konzentrierte Masse, sondern eine Vielzahl von Sternen, die sich ungleichmäßig über die gesamte Scheibe des Galaxiensystems ausbreiten, laufen um das Zentrum.

So wirken auf jeden Stern aus allen Richtungen verschiedene Schwerkräfte ein und von der gesamten Massenverteilung hängen die Umlaufgeschwindigkeiten wesentlich ab.

Dass es bei all diesem Durcheinander nicht zu Zusammenstößen zwischen den Sternen kommt, liegt daran, dass die Distanzen zwischen ihnen im Verhältnis zu ihrer eigenen Größe gewaltig sind. Wir brauchen uns also alle keine Sorgen machen auf unserer kosmischen Reise zusammen mit der Sonne und den anderen Planeten. Die Oberfläche unserer Erde ist ein sicherer Strand zum kosmischen Ozean.

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