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Namenslehre

31.07.2018

Dick, Löw, Wagner – wissen Sie, was Ihr Name bedeutet?

Der Familienname Wagner leitet sich vom Beruf des Wagners ab. Im Bild „der alte Wagner“ in Schwörsheim, Andreas Randy, um 1975 bei der Herstellung eines Wagenrades.
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Der Familienname Wagner leitet sich vom Beruf des Wagners ab. Im Bild „der alte Wagner“ in Schwörsheim, Andreas Randy, um 1975 bei der Herstellung eines Wagenrades.
Bild: Gerhard Beck

Familien, die am Berg wohnten, Väter, die Linkshänder waren - Forscher teilen Familiennamen in fünf Gruppen ein. Erfahren Sie, woher Ihr Nachname kommt.

Die Geschichte unserer Nachnamen reicht teilweise weit zurück. Nicht nur Gebäude wurden zu Namensgebern. Wir nehmen Sie in den nächsten Monaten mit auf eine Reise in die Welt der Nachnamen.

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Als im Jahr 1813 im Königreich Bayern ein Erlass die jüdischen Familien zur Führung von Familiennamen verpflichtete, kam es in den israelitischen Gemeinden im Ries zu einer großen Zahl von Namens-Neuschöpfungen. Vorher galt bei den meisten Juden in Hainsfarth, Wallerstein, Harburg und den anderen Dörfern ein streng patronymisches Namensgeben, also die Benennung der Personen nach dem Namen des Vaters. So war Salomon David der Sohn eines David und dessen Söhne wurden beispielsweise als Emanuel Salomon oder Joel Salomon bezeichnet. Die 1813 entstandenen Namen haben sehr oft einen deutlich erkennbaren Bezug zur Herkunft, dem Wohnort oder dem Beruf des Trägers. So nannten sich in Hainsfarth mehrere Familien in der im Oberdorf gelegenen Jurastraße „Oberdorfer“. Eine reichere Familie im Oberdorf gab sich den Namen „Obermeier“. Am obersten Ende der Gasse hieß man „Obergäßner“. Eine Familie im Unterdorf nannte sich „Unterdorfer“ und eine Familie, die neben dem Dorfbach wohnte, erhielt den Namen „Bachmann“. Die Familie „Steinmeyer“ könnte eventuell ihren Familiennamen von ihrem Wohnsitz nahe dem Hainsfarther Gemeindestein ableiten, während die Träger des Namens „Badmann“ als Besitzer des Oettinger Judenbades anzusehen sind. Eine aus Steinhart übersiedelte Familie nannte sich „Schlossmann“ und hatte früher den Wohnsitz am Steinharter Schloss. Vom Pferdehandel leitete die Familie „Reiter“ ihren Familiennamen ab.

Wie sich jüdische und christliche Nachnamen unterscheiden

Die jüdischen Familiennamen „Aufhäuser“, „Gunzenhäuser“, „Harburger“, „Steinharter“, „Wallersteiner“ usw. erklären sich durch die Herkunft der Familie oder der Ahnen aus dem jeweiligen Ort. Ähnliches gilt für die Namen „Elsässer“ und „Engländer“. Bei Familiennamen wie „Gutmann, Schönemann, Liebmann“ kann die Namensentstehung zwar sehr gut hergeleitet, jedoch heute nicht mehr überprüft werden. Die Entstehung der christlichen Familiennamen reicht dagegen wesentlich weiter zurück. Ursprünglich hatten die Menschen auch hier lediglich Vornamen. Bei den Adeligen kam bereits ab dem Frühmittelalter eine Wohnortangabe hinzu, wodurch Namen wie „Ludwig von Oettingen“ oder „Rudolf von Hürnheim“ entstanden sind. In den Städten war es aufgrund der zahlreicheren Bevölkerung ebenfalls früh notwendig, die einzelnen Personen zu unterscheiden. So finden sich etwa ab dem 11. und 12. Jahrhundert in größeren Städten Beinamen. Auch die Urkunden der Stadt Nördlingen aus der Zeit um 1250 beweisen, dass dort etliche Bürger solche Zweitnamen besaßen. Diese Namen wie „Berthold der Krause“ oder „Haintz der Lingge“ waren nur auf den einzelnen Träger bezogen, denn der Sohn des Berthold hatte vielleicht kein krauses, sondern glattes Haar und der Sohn des Haintz war Rechtshänder. Im Laufe der Generationen wurden diese Namen auf die Nachkommen übertragen.

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Im Ries bildeten sich so im 13. und 14. Jahrhundert relativ feste Zweitnamen heraus. Bei vielen Familien war um das Jahr 1400 also der Zuname zum festen Bestandteil geworden. Allerdings kam es bis um etwa 1580 immer wieder zum Wechsel des Namens. Beispielsweise ist in Nördlingen für die Jahre 1581 bis 1602 ein Bürger namens Peter bezeugt, der einmal als Löpsinger und einmal als Beck, meist aber als „Peter Beck, genannt Löpsinger“ oder umgekehrt in den Schriftquellen auftaucht. Anfänglich war auch die Schreibweise dieser Namen sehr stark veränderbar, sodass oft auch die Schreibkundigen Amtsleute oder Pfarrer im 16. Jahrhundert noch ihren eigenen Namen in einem Schriftstück mit verschiedenen Varianten geschrieben haben (beispielsweise „Vischer“ und „Fischer“).

Erst mit der Einführung der Standesämter im Jahr 1876 kam es schließlich zu einer eindeutigen Fixierung der Namensschreibweisen.

Die Donismühle unterhalb Balgheim Richtung Möttingen. Diese Mühle hieß bis in die frühe Neuzeit "Schreitmühle" und ist der namengebende Ort für den weit verbreiteten Namen Schreitmüller. (Bild: Gerhard Beck).
Bild: Gerhard Beck

Uralte, hier ansässige Namen haben sich im Laufe der Jahrhunderte in ganz verschiedenen Schreibweisen verbreitet. Als Beispiel sei der seit 1499 in Schwörsheim vorkommende Name „Hertle“ genannt. Von einem gewissen „Lorentz Hertlin“, der 1525 am Bauernaufstand teilgenommen hat, stammen zahlreiche Nachkommen vor allem im Ries und in Mittelfranken ab. Neben der hauptsächlichen Schreibweise „Hertle“ sind heute noch die Varianten „Härtle“, „Herdle“, „Hertlein“ oder „Härdle“ anzutreffen.

Namensforscher teilen Familiennamen in fünf Hauptgruppen ein

Namensforscher teilen die Entstehung der Familiennamen nach fünf Hauptgruppen ein. Die wichtigste Gruppe ist diejenige, die von Berufen abgeleitet ist. So zählen die Namen Müller, Schmidt, Schneider und Fischer zu den vier häufigsten Namen in Deutschland. Bei der Gruppe der nach Wohnstätten gebildeten Namen ist der Name „Meyer“ mit seinen unterschiedlichen Schreibweisen der häufigste. Der Meier (lateinisch major: der größere) bewirtschaftete im Mittelalter den größten Bauernhof eines Dorfes, den sogenannten Meierhof. Er hatte üblicherweise auch Verwaltungsfunktionen und besondere Vorrechte in der Dorfgemeinschaft. Da es in praktisch jedem Dorf einen solchen Meierhof gab, bildete sich dieser Name in unterschiedlichen Orten zur gleichen Zeit.

Der ebenfalls sehr häufige Name „Wiedemann“ geht auf den Besitzer des Widdumhofes zurück. Diese Höfe waren im Mittelalter in den meisten Dörfern anzutreffen und für die Versorgung des Pfarrers gewidmet. Ähnlich den beiden vorigen Beispielen sind Namen wie Steger (für jemanden, der an einem Steg wohnte) oder Berger (eine an oder auf einem Berg wohnende Person) in ganz unterschiedlichen Regionen gleichzeitig entstanden. Anders verhält es sich mit den Namen „Ganzenmüller“ (abgeleitet von der Ganzenmühle bei Niederaltheim) oder „Goschenhofer“ vom Goschenhof bei Fürnheim, deren Herkunftsort einmalig, oder zumindest sehr selten ist. Dementsprechend ist auch heute eine deutliche Konzentration der Verbreitung dieser Namen im Ries zu erkennen. Bei den allermeisten in Ballungsräumen wie München, Nürnberg und Augsburg vorkommenden Trägern dieses Namens ist bei genauer Forschung eine Herkunft aus dem Ries nachweisbar. Dabei wird deutlich, dass bei der Suche nach der Deutung der Namen möglichst weit zurück zu den frühesten Schreibweisen und den ersten Nennungen gegangen werden muss. Mancher Namen kann eben nur mit bestimmten Wörtern in einer Dialektregion oder Ortsnamen einer bestimmten Region erklärt werden.

Ganz ähnlich ist eine Gruppe von Familiennamen nach der Herkunft entstanden. Hier wird vor allem zwischen Stammesnamen (Schwab, Franke, Bayer, Sachs) und Ortsnamen (Nürnberger, Oettinger, Frankfurter usw.) unterschieden. Bei den aus Ortsnamen gebildeten Familiennamen ist die Zahl der entstandenen Namen natürlich sehr groß. Im Ries ist bemerkenswert, dass es den Namen Offinger in Marktoffingen oder Löpsinger in Löpsingen gibt. Diese Namen haben mindestens zweimal den Ort gewechselt. Zum einen ist vor etwa 600 Jahren eine Person beispielsweise von (Markt-)Offingen in einen anderen Ort gezogen und wurde dann beispielsweise als „Hans (der) Offinger“ bezeichnet. Generationen später ist dann ein Vertreter dieses Namens wieder in das Heimatdorf zurückgekommen und hat damit diese eigentümliche Konstellation verursacht.

Bei den aus Rufnamen gebildeten Nachnamen wird meistens auf den Vornamen des Vaters Bezug genommen. In Niederdeutschland ist hier meist die Endung „-sen“ (oder in Skandinavien „-son“) anzutreffen. Petersen bezeichnet also den Sohn eines Peter. In Süddeutschland wurden die Vornamen meist ohne Endung angefügt. So trifft man hier auch Namen wie „Konrad“, „Heinrich“ oder „Gerhart“.

Wie durch Kriege neue Namen in die Region kamen

Die letzte Gruppe der aus Übernamen gebildeten Namen ist teilweise schwer zu erklären. Neben den eigentlich selbst redenden Namen wie „Kurz“, „Dick“ oder „Lang“ wird es bei vielen anderen Namen sehr kompliziert. Die Tiernamen beispielsweise können einerseits die Eigenschaft des jeweiligen Tieres zum Ausdruck bringen, mit dem der Träger in Verbindung gebracht wird. So gilt der Fuchs als besonders schlau, der Hahn oder Pfau vielleicht als sehr eitel oder aufgeblasen. Beim Strauß könnte man ausgeprägt hervorstehende Augen als Merkmal annehmen und ein Hase (Familienname Haas) wird allgemein als sehr schreckhaft oder ängstlich charakterisiert. Da jedoch auch Namen wie „Löw“ oder „Adler“ vorkommen, kann man eine Ableitung auch von den Hausnamen der Gastwirtschaften oder Bürgerhäuser vermuten.

Neben vielen Namen, die seit Jahrhunderten hier ansässig sind, gab es immer wieder Zuwanderungen. Vor allem nach dem 30-jährigen Krieg wanderten in das Ries viele Österreicher oder Leute aus Altbayern, Böhmen oder der Schweiz mit bis dahin fremden Familiennamen ein. Manche kamen, weil sie im katholischen Österreich aufgrund ihres evangelischen Glaubens vertrieben worden waren, andere suchten einfach nur in den stark zerstörten und entvölkerten Gegenden Schwabens und Frankens ein besseres Auskommen. So sind viele Namen alpenländischen Ursprungs (Schwarzländer, Mühlbacher, Eckmeier, Steingruber) in dieser Zeit ins Ries gekommen. Durch vielfältige Handelskontakte nach Italien kamen im 17. und 18. Jahrhundert auch vereinzelte Namen von dort hierher. Mit „Dantonello“ ist beispielsweise ein heute in der Oettinger Gegend weit verbreiteter Name nachweislich im Jahr 1703 von dort zugewandert.

Eine weitere massive Einwanderung ist aus den deutschen Ostgebieten (vor allem dem Sudetenland) nach dem 2. Weltkrieg zu verzeichnen. Solche Namenszuwanderungen sind auch heute noch lange nicht abgeschlossen.

Ab heute täglich in den Rieser Nachrichten

In der am Mittwoch beginnenden RN-Serie kann natürlich nur ein kleiner Überblick über die Entstehung der Familiennamen gegeben und versucht werden, Bedeutung und Verbreitung einzelner Familiennamen zu erklären. Diese und ähnliche Zusammenhänge wollen Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler und der Familienforscher Gerhard Beck in der nächsten Zeit zu erklären versuchen, täglich mit einem kleinen Bericht in den gedruckten Rieser Nachrichten.

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