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Konzert

20.01.2020

Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ knöpft sich Oettingen vor

Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ ist einer der Höhepunkte bei der „Fastnacht in Franken“. Jetzt war die Gruppe in Oettingen zu Gast – und hatte zuvor offensichtlich einiges über die Fürstenstadt in Erfahrung gebracht.
Bild: Kutscherauer

Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ begeistert beim umjubelten Auftritt in der Residenzstadt. Kommandant Norbert Neugirg setzt satirische Spitzen zur Region

Seit 15 Jahren ist sie eine der Hauptattraktionen in Veitshöchheim, ohne sie wäre die alljährliche „Fastnacht in Franken“ kaum vorstellbar: die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“. Auf Einladung des Kulturvereins „Waldgeister Dornstadt“ gab die Spaßtruppe aus dem oberpfälzischen Windischeschenbach nun ein Gastspiel in Oettingen und begeisterte dabei die Besucher in der bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle.

In historischen Feuerwehruniformen entert die neunköpfige Kapelle die Bühne. Die fünf Blechbläser, zwei Trommler sowie Quetschenspieler und Klarinettist erweisen sie sich allesamt als erstklassige Musiker. Ihr Taktgeber ist der „Kommandant“ Norbert Neugirg, der seine Jungs vorstellt: „Bayerns Antwort auf Helene Fischer“. Dieser ist mit bis auf einen Zahn wegretuschiertem Gebiss nicht nur optisch eine skurrile Erscheinung, ein Markenzeichen sind auch seine zerknüllten Regiezettel, die er auf sämtliche Uniformtaschen verteilt hat – und (natürlich gewollt) ständig verwechselt.

Die Programmstruktur wird schnell deutlich: Der Hauptmann liest witzige Gedichte und Couplets vor, die Kapelle antwortet mit einem vermeintlich passenden Lied oder Jingle. So gibt es nach der Begrüßung der anwesenden Ehemänner die Melodie des Gefangenenchors aus Verdis Nabucco und für die fränkischen Gäste wird „Muss i denn zum Städtele hinaus“ gespielt. Dabei scheint die Gauditruppe ihren Chef nur bedingt zu akzeptieren: Mal wird das falsche Lied gespielt, mal bleibt die Musik stumm, mal bricht das Trommelgestell zusammen.

Die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ knöpft sich Oettingen vor

Offensichtlich hat Frontmann Norbert Neugirg intensive Recherche zum Veranstaltungsort betrieben, denn seine satirischen Ausführungen zu Oettingen sind detailliert und umfassend. So wird über den Kronensaal („Das alte Haus von Rocky Docky“) ebenso gelästert wie über die sanierungsbedürftige Sporthalle („Tschernobyl-Sarg“), die Lochenbacher Feuerwehr, („kommt mit dem Hänger“), den Pater Paul und seine „Zugaben“ bei der Messe sowie über den Sudkessel im Kreisverkehr, der als Senioren-Waschanlage für Kurgäste im künftigen „Bad Oettingen“ vorgeschlagen wird. Natürlich darf ein Seitenhieb auf die die örtliche Brauerei nicht fehlen und auch der Jagdeifer von Fürst Albrecht erhält einen Reim: „Jeder Treiber, der ihn kennt, macht vor der Jagd sein Testament.“

Unterhaltsamer und kurzweiliger Auftritt in Oettingen

Es ist ein äußerst unterhaltsamer und kurzweiliger Auftritt, den die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ in der Storchenstadt hinlegt. Das Multitalent Norbert Neugirg ist ein versierter Kabarettist, Moderator (etwa in „Kabarett aus Franken“) und hat als Autor bereits vier satirische Bücher verfasst. In seiner Rolle als Kommandant erweist sich als wahrer Wortkünstler, der seine provokanten Texte mit spitzer Feder verfasst und ebenso spitzer Zunge vorträgt. Zudem zeigt er Improvisationsgeschick, als er sich mit Bürgermeisterin Petra Wagner über „die besten Rammler“ austauscht.

Im zweiten Teil des Programms kommt die Gaudi-Combo ihrem „kulturellen Auftrag der Regierung“ nach: Zunächst werden „lautmalerische Juwelen aus der Oberpfalz“ vorgestellt („Bou, Bou, dou dazou“) ehe in einem humorvollen historischen Exkurs nachgewiesen wird, dass es die Oberpfälzer waren, an deren Seite Columbus Amerika entdecken durfte. Am Ende des fast dreistündigen Programms wird die „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ vom begeisterten Publikum minutenlang gefeiert. In der Zugabe werden ein letztes Mal die ungeliebten Franken abgewatscht („Oberpfälzer haben Charme, Franken sind im Geiste arm“), ehe sich die Truppe mit einer oberpfälzischen Version von „Bella Ciao“ durch die Zuschauerreihen aus der Halle spielt.

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