Newsticker

Neue Corona-Strategie: Spahn plant Fieberambulanzen für die kalte Jahreszeit
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Die Erzfeinde Pragmatismus und Bürokratie

Bauabnahme

18.06.2011

Die Erzfeinde Pragmatismus und Bürokratie

Das Verwaltungsgebäude mit Zentrallager von Getränke König in Wechingen. 1996 wurde es errichtet. 15 Jahre später soll Firmenchef Helmut König einen Bauantrag einreichen, weil ein Schulungsraum seinerzeit als Aufenthaltsraum angemeldet worden sei.
Bild: Foto: hum

Nach 15 Jahren werden bei „Getränke König“ Auflagen eingefordert

Wechingen Helmut König, Geschäftsführer der gleichnamigen Getränkefirma in Wechingen, ärgert sich: Er hat angepackt und seinen Betrieb aufgebaut – eine Halle auf dem elterlichen Grundstück baute er selbst, als Anbau kaufte man eine gebrauchte Halle und fügte sie an. Vorschriften gab es seinerzeit auch, aber es sei immer alles geleitet worden vom „gesunden Menschenverstand“, wie König immer wieder betont.

Als 1996 das neu errichtete Werk eingeweiht wird, loben die Festredner diesen Verstand und die daraus entstandene Weitsicht – zum Beispiel den Schulungsraum mit eigener Zapfanlage für Erläuterungen zu Getränkehygiene, Bierpflege und Leitungsreinigung. Genau dieser Raum ist nun der Anlass, dass sich Helmut König über Bürokratie und in seinen Augen unnütze und hemmende Vorschriften erbost. Denn laut Landratsamt in seiner Eigenschaft als Untere Baubehörde hatte er den Raum damals als Aufenthaltsraum und nicht als Schulungsraum angemeldet – als Letzterer ist er weit strengeren Sicherheitsrichtlinien unterworfen.

Zudem erfolgte 1997 eine obligatorische Baukontrolle, bei der einige kleinere Mängel wie fehlende Geländer moniert wurden. Anfang dieses Jahres führte das Landratsamt eine Bauüberwachungs-Begehung durch, nach der festgestellt wurde, dass es sich bei dem Schulungsraum um einen Sonderbau handelt, bei dem die Bauaufsichtsbehörde weitergehende Anforderungen „zur Abwehr von Gefahr oder Nachteilen“ stellen kann.

Die Erzfeinde Pragmatismus und Bürokratie

Bauantrag soll gestellt werden

Wie Lars Oldag, der zuständige Sachgebietsleiter am Landratsamt gegenüber unserer Zeitung erläuterte, stehe der nachträglichen Nutzungsänderung nichts im Wege. Es müsse aber die Form gewahrt werden, was bedeute, dass Helmut König dazu einen Bauantrag stellen muss. Das sei weit entfernt vom üblichen Antrag zu einem Neubau, lediglich eine relativ kleine Änderungsgenehmigung.

Helmut König sieht nicht ein, warum er jetzt noch einen Bauantrag nachreichen soll: „In Nutzung und Statik hat sich in 15 Jahren absolut nichts verändert.“ Sein Protest bewirkte sogar, dass der Landrat mit drei Mitarbeitern in den Betrieb kam. „Das sind die Vorschriften, da kann ich nichts machen“, habe der Landrat erklärt, was König erneut erboste. „Wenn wir nur nach Vorschriften arbeiten, braucht mein Betrieb mich nicht mehr und auch der Landrat ist überflüssig; es muss bloß noch jemand die Einhaltung der Vorschriften kontrollieren. Dann könnte mein Betrieb aber zumachen.“

Lars Oldag räumt ein, dass das Landratsamt in den 90er Jahren nicht konsequent die entsprechenden Anordnungen überprüft habe und es lange dauerte, bis man den Vorgang nachholte. Doch das ändere nichts an den Sachverhalten, dass die Nutzungsänderung ausstehe und einigen Brandschutzauflagen nicht nachgekommen worden sei.

Die Behörde zeigte im Schriftverkehr durchaus Verständnis für die Irritation Helmut Königs nach dieser langen Zeit. „Unser Ziel ist es, eine einvernehmliche Lösung zu finden“, versichert Oldag. „Dabei würde uns der Bauantrag sehr helfen.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren