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16.02.2019

Die Geschichte hinter dem Anton-Jaumann-Platz in Mönchsdeggingen

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In Mönchsdeggingen gibt es einen Anton-Jaumann-Platz. Die Gemeinde wies ihn 1994 aus und würdigte so das Engagement des ehemaligen Staatsministers.
Bild: Bergdolt

In Mönchsdeggingen gibt es den Anton-Jaumann-Platz, in Oettingen wurde im Neubaugebiet eine Straße benannt. Der Jurist wurde 1980 zum Staatsminister für Verkehr und Wirtschaft ernannt.

Am Anton-Jaumann-Platz in Mönchsdeggingen steht auf halber Höhe am Hang die uralte, etwa 1100 Jahre alte Gerichtslinde. Vielleicht hat man in früherer Zeit in ihrem Schatten manch „lindes Urteil“ gesprochen. Urkundlich nachzuweisen ist es nicht. Aber genau an dieser Stelle wies die Gemeinde 1994 sinnigerweise den Anton-Jaumann-Platz aus, in Erinnerung an die großen Verdienste des gelernten Juristen und späteren Staatsministers Jaumann für Mönchsdeggingen. Das Hallenbad „Almarin 2000“, das „Spiel ohne Grenzen“ und die Maßnahme „Ferien auf dem Bauernhof“ fanden dabei eine besondere Förderung.

Doch wer war Anton Jaumann, den Mönchsdeggingen zum Ehrenbürger ernannte?

Der Rieser wurde am 5. Dezember 1927 als Sohn des Bauern und Bürgermeisters Anton Jaumann in Belzheim geboren. Nach dem Besuch der katholischen Bekenntnisschule im Dorf wechselte er für sechs Jahre aufs Progymnasium in Oettingen und dann aufs Realgymnasium in Nördlingen. Mit 17 Jahren kam er zum Arbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht. Nach Verwundung und amerikanischer Gefangenschaft kehrte er 1945 wieder in die Heimat zurück. Da Vater und Bruder noch in Gefangenschaft weilten, musste er den elterlichen Hof bewirtschaften und konnte so erst 1948 sein Abitur in Nördlingen ablegen. An der Universität Würzburg begann er ein Studium der „Juristerei und Volkswirtschaft“, ließ sich in den ASTA, die Studentenvertretung, wählen, gründete den „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS), wurde dessen Vorsitzender, Mitglied im Bundesvorstand und von 1951 bis 1953 Landesvorsitzender. 1952 legte er die erste, 1957 die zweite juristische Staatsprüfung ab. Er arbeitete am Amtsgericht Nördlingen, später in Dortmund und München, wo er eine eigene Anwaltskanzlei gründete, die er bis 1966 führte.

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Bereits 1958 in den Bayerischen Landtag eingezogen

1959 heiratete er die heimatvertriebene Lehrerin Margarete Rollinger. Kinder wurden ihnen nicht geschenkt. Margarete Jaumann sah es als ihre Hauptaufgabe an, ihrem Mann den Rücken für sein vielseitiges Engagement freizuhalten, das er vor allem in der Christlich-Sozialen Union (CSU) fand. Bereits 1958 war er in den Bayerischen Landtag eingezogen, 1963 wurde er Generalsekretär der Bayern-CSU. 1966 wurde Jaumann als Staatssekretär ins Kabinett berufen und 1980 zum Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr ernannt. Mittelstandspolitik und soziale Marktwirtschaft bestimmten fortan seine Arbeit, wobei strukturschwachen Regionen sein besonderes Augenmerk gehörte. Seine besondere Liebe galt der Pflege alten Handwerks; er plante ein Programm zur Erhaltung der Dorfgasthäuser und sorgte sich um die immer weniger werdenden Dorfläden. Das „Dorferneuerungsprogramm“ wurde von ihm angestoßen. Auch die Verkehrs- und Energiepolitik beeinflusste Jaumann wesentlich. „Weg vom Öl!“ war seine Devise, hin zum „Rohstoff Geist“. So förderte er Forschungs-, Innovations- und Technologieprojekte und wurde zum Architekten eines modernen Bayern.

1975 initiierte Jaumann die Gründung des Vereins Rieser Kulturtage e.V., die inzwischen seit 30 Jahren alle zwei Jahre eine Fülle von Veranstaltungen bieten. Mit einem Kulturpreis, der für überragende Leistungen und um große Verdienste für das Ries, vergeben wird, schuf er finanzielle Anreize. Die Rettung heimischen Kulturgutes, die Kolpingbewegung und der Deutsche Orden, in dem er 1980 zum Deutschherrenmeister gewählt wurde, lagen ihm weiter am Herzen. 1988 zog er sich aus der Politik zurück und lebte im ehemaligen Pfarrhaus, dem Deutschherrenschloss (Wappen über der Haustür mit 1779) zurückgezogen bis zu seinem Tod am 23. Januar 1994 in Belzheim. Erzbischof Dr. Josef Stimpfle aus Augsburg amtierte am Grabe neben der Kirche St. Michael. Auch die Stadt Oettingen benannte eine Straße im Neubaugebiet „Hopfengärten“ nach ihm, Wemding seine Realschule und in Nördlingen gibt es den „Anton-Jaumann-Industriepark“.

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