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24.11.2017

Die Mühlen entlang der Schwalb

Die Schwalbquelle oberhalb der Mittelmühle.
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Die Schwalbquelle oberhalb der Mittelmühle.
Bild: Manfred Luff

Serie Mehr als ein Dutzend Müller ging entlang des kleinen Flüsschens einst seinem Handwerk nach

Landkreis Im Jahre 793 wird in einer Schenkungsurkunde des Klosters Freising erstmals schriftlich ein fränkischer Gau erwähnt, etwa ein Gebiet zwischen Wörnitz und Altmühl bis zur Donau umfassend. Benannt war dieser, östlich des Riesgaues gelegene Sualafeldgau nach dem kleinen Flüsschen „Sualava“, unserer heutigen Schwalb, auch „Schwalbach“ und „Schwalm“ genannt. Nicht unerwähnt soll hierbleiben, dass das Schwalbfeld sogar im Nibelungenlied in der „25. Aventiure“, bei der Reise der Nibelungen an den Hof des Königs Tetzel, genannt wird.

Wenig südöstlich von Heidmersbrunn, in einem kleinen Wäldchen nahe dem abgegangenen Ingershof entspringt der kleine Bach, welcher sich durch Fünfstettener Flur am Schwalbenberg vorbei in Richtung Riesrand windet und vor seinem Eintritt in den Wald mit Oberer und Unterer Beutmühle schon die ersten Mühlen antrieb. Vorbei am Hennenberg, welcher eine wahrscheinlich mittelalterliche Wallanlage trug, plätschert der Bach durch ein enges, wildromantisches Tal, inzwischen bereits in der Gemarkung Gosheim weiter nach Westen, wo in seinem Mittellauf aus der eigentlichen Schwalbquelle reichlich Wasser aus dem Karst sprudelt und aus dem Bach ein Flüsschen macht. Inzwischen hat die Schwalb das Ries erreicht.

Bei diesen Schwalbquellen befinden sich in naher, weilerartiger Nachbarschaft drei Mühlen. Nach ihrer Lage am Flusslauf wurden diese als Obere-, Mittel- und Untermühle bezeichnet.

Die Obermühle ist die „Schwalb- oder Schwalbenmühle“, welche den Namen des Flüsschens trägt und einstmals grundherrlich zum Kloster Kaisheim gehörte, was auch der „Kaisheimer Berg“ nahe der Mühle noch heute bezeugt. Ebenfalls den Kaisheimer Zisterziensern gehörte in alter Zeit die Mittelmühle, welche ebenso wie die Obere-/Schwalbmühle nach dem Zweiten Weltkrieg mittels Turbinen modernisiert wurde. Heute wird Landwirtschaft betrieben, die Besitzer haben sich längst neue Wohnhäuser gebaut. Die großen, alten Mühlgebäude stehen leer. Nur noch sehr wenig erinnert an die unterste der drei Mühlen mit dem schönen Namen „Frühlingsmühle“. Bis in unsere Zeit sprach man auch von der „Lenzles-Mühle“, was vielleicht vom Vornamen eines früheren Besitzers namens Lorenz („Lenz“) Naß herrührt. Aus dem poetischen „Lenz“ wird wohl irgendwann der „Frühling“ entstanden sein, wie Franz Naß von der Pflegermühle erzählt. Dieser ist auf der Frühlingsmühle aufgewachsen und wird heute noch von manchen der „Lenza-Franz“ genannt. Die eigentliche Mühle wurde vor Jahren abgebrochen, das Grundstück und Reste von Nebengebäuden sind heute in die Landwirtschaft der Mittelmühle integriert. Übrigens waren diese drei Mühlen in alter Zeit nach Fünfstetten eingepfarrt. Die Besitzverhältnisse und Zugehörigkeiten der Mühlen entlang der Schwalb wurden von Dr. Josef Hopfenzitz und Alfons Schiele im Jahr 1993 in der Ortschronik von Gosheim ausführlich beschrieben.

Man darf sich nicht vorstellen, dass die immerhin mehr als ein Dutzend Müller entlang der Schwalb früher ein besonders ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl hatten. Sie machten sich in ihrem Gewerbe durchaus auch Konkurrenz. Franz Naß erzählt, dass sprichwörtliche Begriffe wie „jemandem das Wasser abgraben“ ihren Ursprung in der Müllerei haben. Die Mühlen hatten natürlich alle ihre Stammkundschaft, beispielsweise mahlte die Mathesmühle unter anderem für Bauern aus Otting. Nur wenig flussabwärts, nachdem die Schwalb die Staatsstraße unterquert hat, erreicht sie die bereits erwähnte Mathesmühle, früher „Mühlmathesmühle“, auch „Martinsmühle“. Diese gehörte wie die Frühlingsmühle bis zur Reformation zum Kloster Bergen, dann zu halben Teilen der Seminarstiftung Neuburg und der Pfarrei Gosheim. Seit weit über 100 Jahren betreibt Familie Graf die Mühle, in den 1970er Jahren wurde sie als solche stillgelegt. Wenig oberhalb entstand die Waldschenke Mattesmühle, über viele Jahre ein beliebtes Ausflugsziel und Speiselokal. Auf der Mühle selbst wurde ein neues Wohnhaus gebaut. Der vor Jahren dort eröffnete „Tonis Biergarten“ ist den vielen Gästen der Baggerseen, sowie Wanderern und Radfahrern ein Begriff. Die wasserbaulichen Anlagen der alten Mühle sind noch erhalten: Seit ein paar Jahren dreht sich (zur Stromerzeugung) wieder ein Mühlrad in der Schwalb. Leider gibt es entlang der ganzen Schwalb kein altes Mühlrad mehr, das letzte war das der Mittelmühle.

Im nächsten Teil wird vom weiteren Verlauf der Schwalb bis zur Mündung in die Wörnitz berichtet, über die noch bestehenden, aber auch über längst vergessene Mühlen, einen Hof und eine verschwundene Kapelle.

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