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Raumfahrt

07.01.2019

Die Reise zum Mond - auch für das Ries ein großer Schritt

Erdaufgang, beobachtet von der Crew von Apollo 8. Das Foto entstand vor fast exakt 50 Jahren, am 24. Dezember 1968, und ging in die Raumfahrtgeschichte ein.
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Erdaufgang, beobachtet von der Crew von Apollo 8. Das Foto entstand vor fast exakt 50 Jahren, am 24. Dezember 1968, und ging in die Raumfahrtgeschichte ein.
Bild: Bill Anders/NASA

Plus Warum das Jubiläumsjahr des historischen Ereignisses gerade in unserer Region besondere Bedeutung hat.

1958, also vor über 60 Jahren, mitten im Kalten Krieg, wurde die NASA gegründet. Gleichzeitig wandelte sich das ursprünglich rein militärische Raumfahrtprogramm in ein ziviles. Die westliche Welt reagierte panisch, als am 4. Oktober 1957 die Sowjetunion den ersten künstlichen Erdsatelliten „Sputnik 1“ ins Weltall schoss. Es entstand ein Wettrennen von Ost und West in den Weltraum.

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Von Anfang an stand die bemannte Raumfahrt im Fokus der Amerikaner. So begann bereits 1958 das Mercury-Programm der NASA, das zum Ziel hatte, einen Menschen in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen. Bereits wenige Jahre später hielt am 25. Mai 1961 John F. Kennedy seine legendäre Rede vor dem Kongress in Washington, bei der er noch weiterging und sagte: „Ich glaube, dass sich die Vereinigten Staaten das Ziel setzen sollten, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. Kein anderes Projekt wird innerhalb dieser Periode eindrucksvoller und für die Erforschung des Weltraums wichtiger sein.“.

Anfang der 1960er war noch so gut wie nichts über die Grenze zum Weltraum und den Weltraum selbst bekannt, alles musste neu entwickelt und erforscht werden. In den folgenden zehn Jahren wurden hunderte von Raketen auf Umlaufbahnen um die Erde ins All geschickt. Innerhalb weniger Jahre lernten die Amerikaner dank der mitgeschickten Sonden nicht nur die Raketentechnik zu beherrschen, sondern auch Grundlegendes zum Wetter, zur kosmischen Strahlung, zum magnetischen Feld der Erde, zur Kommunikation und zu Mikrometeoriten. Den Sonden folgte schließlich der Mensch.

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Auch über die Geologie des Mondes war zu dieser Zeit so gut wie nichts bekannt. Von Beobachtungen mit dem Fernrohr waren Hoch- und Tiefebenen, Gebirge, Rillen, Impaktkrater und weitere unbekannte Strukturen bekannt. Versinken Landeeinheiten im Mondstaub? Wo gibt es überhaupt sichere Landeplätze auf dem Mond? Im Rahmen einer weltweiten Untersuchung von kraterähnlichen Strukturen auf der Erde kam bereits 1960 der amerikanische Geologe Eugene Shoemaker ins Nördlinger Ries und nahm im Steinbruch Otting erste Proben des „Schwabensteins“, dem Suevit. Diese Proben wurden binnen Tagen zu dem Petrologen Edward Chao in ein amerikanisches Gesteinslabor geschickt. Schnell war der erste Nachweis erbracht, dass das Ries durch einen großen Meteoriteneinschlag entstanden sein muss. Spätestens als Eugene Shoemaker 1961 im geologischen Dienst der USA den neuen Bereich „astrogeologisches Forschungsprogramm“ gründete und leitete, rückte auch das Nördlinger Ries in den Fokus der Raumfahrt.

Der Suevit als wichtiger Teil der Mondforschung

Der Suevit gilt in der wissenschaftlichen Gesteinskunde als einzigartiges Gestein. Folglich werden auch die anderen irdischen Impaktgesteine mit ihren Gesteinsfragmenten, geschockten Mineralfragmenten und zu Impaktglas erstarrten Schmelzen als Suevit bezeichnet. Dank der durch Eugene Shoemaker und Edward Chao untersuchten Gesteinsproben aus dem Ries war der Suevit von Anfang an ein wichtiger gesteinskundlicher Teil der Mondforschung. Bis heute spielt das Typusgestein Suevit eine zentrale Rolle in der Planetenforschung. Als Zeuge eines Meteoriteneinschlags gibt es den Gesteinsbegriff „Suevit“ heute nicht nur für Impaktite vom Mond, sondern er ist auch vom Endeavour-Krater auf dem Mars bekannt.

Einige Monate vor der eigentlichen Mondlandung fand im Rahmen der Apollo-8-Mission der erste bemannte Flug zum Mond statt. Auf der Suche nach geeigneten Landeplätzen wurde die Mondoberfläche im Detail fotografiert. Die Crew konnte zum ersten Mal mit eigenen Augen die Rückseite des Mondes betrachten. Am 24. Dezember 1968 entstand das in die Menschheitsgeschichte eingegangene erste Foto eines Erdaufganges über der Mondoberfläche. Astronaut Bill Anders nahm es staunend auf.

Nur acht Jahre nach der legendären Rede von John F. Kennedy brachte eine „Saturn V“, die damals leistungsstärkste Rakete, die so hoch wie 36 Stockwerke war, die drei Männer der Apollo-11-Mission auf den Weg zur Oberfläche des Mondes. Es war das bis dahin ambitionierteste Weltraumabenteuer. Die Reise zum rund 385000 Kilometer entfernten Mond dauerte rund drei Tage. Währenddessen verfolgten auf der Erde Millionen von Menschen mit angehaltenem Atem, wie sich die Reiseroute stündlich verlängerte und sich die Menschheit nach und nach einen alten Traum erfüllte. Für Mitteleuropa war es in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 schließlich so weit. Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Ein kurzer, Ehrfurcht gebietender Moment, dieser kleine Schritt für einen Menschen und dieser sehr große für die Menschheit, wie es der US-Astronaut in dieser historischen Minute so treffend formulierte. Ein Augenblick, der für immer unseren Maßstab des Erreichbaren, des Möglichen verändert hat. Im Sommer 2019 wird dieses Ereignis der Menschheitsgeschichte 50 Jahre alt. Bis heute ist der Mond die einzige Region, welche wir außerhalb der Erde wirklich betreten haben. Er ist der einzige natürliche Satellit der Erde, der mit einem Viertel des Erddurchmessers noch dazu sehr groß ist. Unser Mond ist der fünftgrößte Mond im Sonnensystem.

Die Mondlandung war ein internationales Medienereignis, das geschätzt von 500 bis 600 Millionen Menschen weltweit an den Bildschirmen verfolgt wurde. Wie wurde dieses Ereignis im Ries wahrgenommen? Gibt es noch Zeugen und Spuren aus jener besonderen Nacht? Im Ries hatten noch viele Familien ja gar keinen Fernseher. Julius Kavasch, ein früher Wegbereiter der geologischen Erschließung des Nördlinger Rieses für die Allgemeinheit, war zu jener Zeit zwar Rektor an der Verbandsschule Mönchsdeggingen, ein Fernsehgerät war 1969 aber noch nicht in seinem Haus. So musste sein Sohn Wulf-Dietrich Kavasch, einer der späteren Initiatoren des Rieskrater-Museums und der Gründer des Vereins „Freunde des Rieskrater-Museums e.V.“, nachts in die neu gebaute Hohenaltheimer Schule, wo seine Frau Lehrerin war. Die damals noch junge Schule war zu dieser Zeit mit modernen Medien bestens ausgerüstet.

ARD und ZDF übertrugen die Mondlandung bis zum Ausstieg von Neil Armstrong um kurz vor vier Uhr live. Vermutlich haben viele weitere Rieser diese Nacht gebannt vor dem Fernseher verbracht. Und falls kein Fernseher vorhanden war, blickten wohl etliche in Richtung zunehmenden Mond.

Geologisches Feldtraining im August 1970

Wie eng das Nördlinger Ries mit der Mondlandung bis heute verwoben ist, wird auch dadurch sichtbar, dass die amerikanischen Astronauten von Apollo 14 und Apoll 17 im Rahmen eines geologischen Feldtrainings im August 1970 verschiedene Steinbrüche im Ries besuchten. Damals berichtete die gesamte Presse Deutschlands von diesem Besuch. Und Begleiter des prominenten Besuchs waren neben Sicherheitsleuten und Wissenschaftlern unter anderem die beiden Rieser Julius und Wulf-Dietrich Kavasch.

Neben dem Engagement von Professor Dr. Dieter Stöffler und weiteren Wissenschaftlern ist es wohl auch der Verbundenheit der NASA mit Nördlingen und dem Ries zu verdanken, dass heute im Rieskratermuseum die 163 Gramm schwere Probe einer Mondbrekzie, die durch den Einschlag eines großen Meteoriten entstanden ist, bestaunt werden kann. Schließlich war damals der irdische Meteoritenkrater Nördlinger Ries der mit am besten erforschte Vergleichskrater für Impaktstrukturen auf dem Mond. Erst mit dem Wissen um die Entstehung des Nördlinger Rieses konnten die vom Mond mitgebrachten Gesteine der Apollo-Missionen gedeutet und interpretiert werden.

Bis heute ist der Mond einer der fundamental wichtigsten Körper für unser Verständnis des gesamten Sonnensystems. In der jüngsten Vergangenheit wurde der Mond von zahlreichen internationalen Missionen besucht. So kreist derzeit eine amerikanische Raumsonde um den Mond, die seine Oberfläche mit extrem hoher Auflösung fotografiert. Gleich zu Beginn des Jubiläumsjahres 2019 landete erstmals in der Geschichte der Raumfahrt die chinesische Raumsonde „Chang’e 4“ auf der Rückseite des Mondes. Und für die nächsten Jahre sind gleich mehrere internationale Missionen zum Mond geplant. Seit mehr als einem halben Jahrhundert bleibt das Thema Mond für die Menschen und damit auch für das Ries aktuell.

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