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Justiz

27.10.2016

Die Sache mit dem „Gschmäckle“

In Nördlingen müssen sich zwei Männer vor dem Amtsgericht wegen versuchten Diebstahls verantworten. Einer von ihnen beteuert seine Unschuld

Dolmetscher bei Gericht haben einen anspruchsvollen Job. Sie müssen ein juristisches Verfahren verständlich und meist simultan übersetzen. Besonders herausfordernd wird es, wenn noch Dialekt ins Spiel kommt. So wie am vergangenen Dienstag vor dem Nördlinger Amtsgericht. Richterin Andrea Eisenbarth will einem der Angeklagten aus Osteuropa auf gut schwäbisch mitteilen, dass die Angelegenheit ein „Gschmäckle“ hat. „Ich weiß jetzt nicht, ob Sie das übersetzen können“, schiebt sie in Richtung der Dolmetscherin hinterher, die kurz ins Stocken gerät.

Die beiden Angeklagten, für die sie das Verfahren begleitet, standen wegen versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls vor Gericht. Sie sollen im Juli vergangenen Jahres in das „Haus der Kirche“ in Nördlingen eingebrochen sein, dem Sitz der Evangelischen Verwaltungsstelle, des Diakonischen Werks sowie des Evangelischen Bildungswerks Donau-Ries. Um hineinzukommen, schlugen sie ein Fenster an der Südseite ein, was einen Schaden von 4000 Euro nach sich zog. Innen durchwühlten sie die Räumlichkeiten nach wertvollen Gegenständen, verschwanden aber ohne Beute. Daran beteiligt soll auch ein dritter Täter gewesen sein. Dessen momentaner Aufenthaltsort ist jedoch unbekannt. Deshalb waren vorerst nur die beiden 30- und 35-jährigen Männer geladen, die im Ries wohnen. Der Jüngere verweigerte jede Aussage. Der Ältere schilderte die Umstände jener Juli-Nacht. Die Gruppe habe abends in einem Nördlinger Lokal Bier getrunken. Anschließend seien die Männer zur Kaiserwiese gelaufen, um die dortige Diskothek zu besuchen. Am Parkplatz davor hätten sich die beiden anderen Männer von ihm abgesetzt, um „zum Urinieren“ zu gehen, vermittelt die Dolmetscherin. Kurz darauf habe er das Zerbersten einer Fensterscheibe gehört. Als er wenige Minuten später die Männer wieder trifft und darauf anspricht, hätten sie beteuert, nichts damit zu tun zu haben.

Die Diskothek hat an diesem Abend geschlossen. Deshalb gehen die Männer zurück in Richtung Innenstadt. An einer Bahnunterführung hält sie eine Polizeistreife auf. In der Zwischenzeit hat nämlich eine Anwohnerin den Notruf gewählt. Sie hatte ebenfalls das Einschlagen der Glasscheibe vernommen. Außerdem fielen ihr innerhalb des Gebäudes die Lichtkegel von Taschenlampen auf. Anschließend beobachtete sie zwei Männer mit Kapuzenpullis, die sich eilig vom Tatort davonmachten. Eben diese Kleidung entdeckten die gerufenen Polizisten bei den drei Männern. Eine Beamtin sagte vor Gericht aus – und entlastete den 35-Jährigen, der sich als unschuldig darstellte. Während die anderen beiden Männer „auffallend gleichgültig“ gegenüber der Polizei waren, habe er einen nervöseren Eindruck gemacht und mehrfach betont, in den vergangenen Minuten nicht mit seinen Bekannten unterwegs gewesen zu sein. „Er wirkte unschuldiger als die beiden anderen“, sagte die geladene Polizeibeamtin.

Tatsächlich konnte das Gericht dem 35-Jährigen keine Schuld nachweisen und sprach ihn frei. Obwohl ein „Gschmäckle“ bleibt, was die Dolmetscherin nach kurzem Überlegen dem Angeklagten erklärte. „Es ist komisch, dass Sie ansonsten von nichts wussten“, sagte Richterin Eisenbarth. Keinen Zweifel hatte sie an der Schuld des zweiten Angeklagten, der bereits wegen gemeinschaftlichen Diebstahls vorbestraft war. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss er 1500 Euro für einen gemeinnützigen Verein spenden.

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