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01.07.2010

Die Spannung hautnah miterlebt

Nördlingen/Berlin Nach drei Anläufen hat die Regierungskoalition am Mittwoch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff als neuen Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue gehievt. Mit dabei bei dem neunstündigen Wahlmarathon im Berliner Reichstagsgebäude waren bekanntlich die beiden nordschwäbischen Bundestagsabgeordneten Gabriele Fograscher (SPD) und Ulrich Lange (CSU) sowie der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsfraktionschef Georg Schmid. Die Rieser Nachrichten befragten sie gestern nach ihren Beurteilungen und Eindrücken rund um die Bundesversammlung.

Gabriele Fograscher, für die gestern ebenso wie für ihren Kollegen Ulrich Lange gleich wieder der parlamentarische Alltag begonnen hat, wirkt im Gespräch mit unserer Zeitung immer noch überrascht über den Verlauf der Abstimmung. "Ich hätte nie und nimmer damit gerechnet, dass es drei Wahlgänge gibt", sagt sie und wertet dies als klare Niederlage für Schwarz-Gelb. Dass die Bundeskanzlerin bei so klaren Mehrheitsverhältnissen nicht im ersten Durchgang ihren Kandidaten durchbringe, sei für Merkel eine "schallende Ohrfeige von den eigenen Leuten".

"Ich bin gespannt, wie es weitergeht"

Auf die Frage, ob sie damit rechne, dass die Regierung in absehbarer Zeit platzen könnte, äußert sich die Nördlinger Abgeordnete zurückhaltend: "Ein Neubeginn, der von CDU und FDP in den vergangenen Monaten immer wieder angekündigt wurde, war das jedenfalls nicht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht."

Die Spannung hautnah miterlebt

Einen Seitenhieb auf die Linke will Fograscher sich nicht verkneifen. Hätte diese mit SPD und Grüne gestimmt, wäre Gauck jetzt Bundespräsident. "Aber das müssen die mit sich selber ausmachen." Zwischen den Wahlgängen habe es doch einigen Leerlauf gegeben, abgesehen von einigen Sitzungen und Abstimmungsgesprächen, schildert sie den Ablauf in Plenarsaal. Georg Schmid hält sich in seiner Beurteilung des Wahlkrimis in Berlin zurück. "Es war spannend", so der Donauwörther. Dass in den ersten beiden Wahlgängen derart viele Vertreter aus dem Lager von CDU/CSU und FDP Wulff die Stimme verweigerten, sei für ihn "überraschend" gewesen. Am Wahltag war Schmid lange auf den Beinen. Um 9 Uhr habe er den Gottesdienst besucht, danach ging es in den Reichstag zu einer Fraktionssitzung.

Bei der Wahl saß Schmid in der vierten Reihe - direkt hinter Verteidigungsminister zu Guttenberg. Nach Ende der Bundesversammlung habe er dem neuen Bundespräsidenten noch persönlich gratuliert und anschließend mit seinem Kollegen Lange in einen nahen Biergarten entschwunden, um sich ein Weizen zu genehmigen.

"Für mich als neuen Abgeordneten war die Versammlung ein absolutes Erlebnis", betont Lange am Tag nach der Wahl im Gespräch mit den RN. Zudem habe er einen gewissen Stolz empfunden, bei der Bundesversammlung dabei sein zu können. In seiner Funktion als Schriftführer des Bundestages saß der Nördlinger sogar eine Zeit lang neben dem Bundestagspräsidenten Lammert, um die Namen der Wahlfrauen und Wahlmänner aufzurufen. Und das besondere Highlight: "Bei allen drei Wahlgängen war ich beim Auszählen der Stimmen dabei und habe die Spannung hautnah miterlebt."

"Kopfschüttelndes Staunen"

Der Wahlverlauf habe ihn überrascht. Er sei der Meinung gewesen, dass es Wulff bereits im ersten Wahlgang schaffe. Eine Ohrfeige für die Kanzlerin? So weit will Ulrich Lange nicht gehen: "Ich bin einfach nicht zufrieden, wie das Ganze gelaufen ist." An der CSU habe es jedoch nicht gelegen: "Die Landesgruppe ist definitiv gestanden." Das Verhalten der Abweichler bei den CDU-Wahlmännern habe bei den Christsozialen nur "kopfschüttelndes Staunen" ausgelöst. (bs)

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