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Heimatgeschichte

04.06.2019

Die Spuren der jüdischen Geschichte in Hainsfarth

Die Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge Hainsfarth, Sigi Atzmon, bedankt sich bei Gerhard Beck, dem Archivar der fürstlichen Archive Wallerstein und Oettingen-Spielberg.
Bild: Ernst Mayer

Gerhard Beck, Archivar der fürstlichen Archive von Oettingen-Wallerstein und Oettingen-Spielberg, hält einen Vortrag über die jüdische Geschichte der Gemeinde

Gerhard Beck, Archivar der fürstlichen Archive von Oettingen-Wallerstein und Oettingen- Spielberg, hielt jüngst in der ehemaligen Synagoge in Hainsfarth einen Vortrag über die jüdische Geschichte der Gemeinde.

Die Grafen von Oettingen erhielten im Jahr 1331 das Recht, in ihrem Herrschaftsbereich Juden anzusiedeln und Gebühren und Steuern für deren Schutz einzutreiben.

Ab 1583 sind die Namen und Anwesen von Hainsfarther Juden bekannt. Es gab kein jüdisches Viertel, sondern die Juden lebten Tür an Tür mit den Christen. Die verstärkte Ansiedlung in Hainsfarth begann im Jahr 1616, als auch eine Mikwe errichtet wurde, deren Spuren vor einigen Jahren entdeckt wurden. Die untersten Stufen der Treppe sind noch erhalten, während die oberen Steinteile bei den Baggerarbeiten herausgerissen und abtransportiert wurden.

Die Spuren der jüdischen Geschichte in Hainsfarth

Durch die Entvölkerung im Dreißigjährigen Krieg war die Mikwe ungenutzt und verfiel. Von den ehemals 120 Anwesen waren mehr als die Hälfte verlassen. In der Folge siedelten sich dort wieder vermehrt jüdische Familien an und es wurde 1722 eine Synagoge mit Vorsingerhaus errichtet.

Im Jahr 1667 ist ein Judenschulmeister bezeugt. Der Unterricht fand in der Synagoge oder im Haus des Vorsingers statt, das im Jahr 1810 durch einen Schulhaus-Neubau ersetzt wurde, der seit drei Jahren grundlegend saniert wurde.

lm Jahr 1923 musste der Schulbetrieb eingestellt werden. Der letzte Lehrer Ferdinand Kissinger wurde 1941 in Kaunas, Litauen als Häftling ermordet.

Um das Jahr 1700 hatte die jüdische Bevölkerung in Hainsfarth einen Anteil von etwa einem Viertel, hundert Jahre später von etwa 40 Prozent, die restlichen 60 zu zwei Dritteln aus Katholiken und einem Drittel Protestanten. Juden lebten immer noch mit Christen Haus an Haus. Durch starken Wegzug ab 1850 wurden sie aber ab etwa 1900 zu einer deutlichen Minderheit.

Über Jahrhunderte hinweg mussten die Hainsfarther Juden ihre Verstorbenen im zwölf Kilometer entfernten Wallerstein beerdigen. Die Einweihung eines eigenen Friedhofes erfolgte am 27. Oktober 1850.

Im Jahr 1856 wurde die Synagoge aus dem Jahr 1722 wegen gravierender Schäden geschlossen und abgebrochen. 1859 konnte mit einem Neubau begonnen werden, der am 24. August 1860 eingeweiht wurde. Am 31. März 1939 wurde die Synagoge an die politische Gemeinde verkauft. Es wurde eine Gemeinschaftsgefrieranlage eingebaut. Im Jahr 1978 verwarf die Evangelische Kirchengemeinde Oettingen den Plan zur Umwandlung in eine Kirche und verkaufte sie an die Gemeinde zurück, die sie als Bauhof nutzte. 1993 wurde mit einer Renovierung begonnen. Dem damaligen Hainsfarther Bürgermeister Max Engelhardt gelang es trotz vieler Widerstände, sie nach dreijähriger Umbauzeit, am 28. April 1996, als Gedenkstätte zu eröffnen.

In Hainsfarth pflegten Christen und Juden zu allen Zeiten ein gut nachbarschaftliches Verhältnis. Die Juden waren sehr stark in das Gemeindeleben integriert.

Von den 44 in der NS-Zeit noch in Hainsfarth wohnhaften Juden gelang 13 nachweislich die Flucht. 26 noch ansässige und mindestens zwölf dort geborene Juden wurden im August 1942 deportiert und in Konzentrationslagern ermordet. Damit war das Ende der jüdischen Gemeinde in Hainsfarth besiegelt.

Weitere Informationen finden Sie auch im Internet unter www.synagoge-hainsfarth.de

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