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RN-Kirchturm-Serie (8)

08.11.2020

Die St.-Marien-Kirche in Auhausen: Die ungleichen Brüder

Plus Man sagt, vom Nördlinger Daniel-Turm aus könne man 99 Kirchtürme sehen. Diesmal im Fokus unserer Serie "Kirchtürme im Ries": Die Türme der St. Marien-Kirche in Aufhausen.

Eigentlich ist es ein Sakrileg, dass das durchaus imposante Äußere einer Klosterkirche in Auhausen mit zwei mächtigen Türmen durch den rücksichtslosen Einbau eines riesigen Getreidekastens verunstaltet wird. Eine historische Bausünde, die sich nicht nur über das Kirchenschiff erstreckt, sondern die sich selbst noch zwischen die Türme fast bis zur Höhe des obersten Turmgeschosses hindurchzwängt und ganz oben gestalterisch mit scheunentorartigen Öffnungen und zur Krönung einem profanen Kran, der aus der Fassade ragt, glänzt.

Türme-Serie: St. Marien, Auhausen
Bild: Peter Urban

Sicher ist, dass diese seltsame Kombination wohl einmalig in der Sakralbau-Geschichte sein dürfte. Dabei kann man sich der Faszination, die die beiden Türme, steht man direkt vor ihnen, ausstrahlen, nicht entziehen. Der linke, ältere Turm aus dem Jahr 1286 (der Vorgänger war 1197 eingestürzt) ist eindeutig romanisch, der rechte, 1324 gebaute Turm ist gotisch und diente, vermutet man, hauptsächlich dazu, die fünf Glocken, die auch heute noch in den Türmen schlagen, besser zu verteilen, um die mangelhafte Statik, die wohl dem ersten Turm zum Verhängnis geworden war, auszugleichen.

Die Glocken aus Auhausen wären fast eingeschmolzen worden

Jetzt thronen im rechten Turm die sogenannte Feuerglocke und die Elfuhrglocke, während sich im linken Turm die Zwölfuhrglocke, die Tauf- und die Vesperglocke aus den Jahren 1264 bis 1280 befinden. Dass sie heute noch dort oben hängen, hat durchaus mit ihrem Alter zu tun: Sie waren im Zweiten Weltkrieg schon zu den Schmelzöfen abtransportiert worden, doch wegen ihres Wertes glücklicherweise hintangestellt worden.

Türme-Serie: St. Marien, Auhausen
Bild: Peter Urban

Erklimmt man die Türme, fällt auf, dass sie über eine zunächst steinerne Wendeltreppe erreichbar sind, die dann in eine hölzerne (mit identischen „Wendeln“) übergeht, man erblickt den riesigen Getreidekasten und auch die Reste des ehemaligen „Krans“. Wenn man dann allerdings die über 800 Jahre alten Glocken direkt vor Augen hat, ist man schon ein wenig ergriffen, dass man diese Kunstwerke, die Hunderte von Jahren überdauert haben, noch erleben – und sogar hören – kann.

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