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Möttingen

28.08.2017

„Die Unvernunft ist schlimmer als die Baustelle“

Gasthaus, Tankstelle sowie andere Geschäfte und Gewerbe in Möttingen sindzuweilen im Belagerungszustand, aber ein bisschen was geht immer.   
Bild: Ronald Hummel

Wie Anwohner und Geschäftsleute die Lage in Möttingen erleben.

Pech gehabt: Da hat man zur Anfahrt für eine Baustellengeschichte den Weg über Balgheim gewählt, aber es steht ein Laster im Weg. Hinter dem wendet gerade ein Firmenfahrzeug, während andere Fahrzeuge von hinten nachdrängen. Nein, das ist kein Pech, meint eine Anwohnerin der Straße „Im Mitteldorf“, wendende Lkw und Autos gehören derzeit zum Alltag: „Es ist eine Katastrophe.“ Auch an der Hauptstraße selbst lautet der Tenor: Die Baustelle muss eben sein, aber die Unvernunft der verbotswidrig durchrasenden Auto- und Lkw-Fahrer ist die wahre Plage. „Etwa 1000 Autos pro Tag fahren durch, wenn es geht“, sagt der Wirt des Gasthauses „Zur Hall“. Mit „wenn es geht“ will er sagen, dass Autofahrer, die etliche Kilometer zuvor schon an drei Verbotsschildern vorbei fuhren, mitten in die Baustelle hinein fahren und sich durchschlängeln, wo sie eine Lücke zwischen den Baufahrzeugen finden. Einer ruinierte seinen Lack, als er über die Leimschicht bretterte, die später zwei Teerlagen verbinden sollte. An anderen Tagen lagen tagelang Staubwolken in der Luft. Immer wieder steigen Fahrer aus und räumen Absperrungen einfach zur Seite.

Das Gasthaus „Zur Hall“ kommt wirtschaftlich noch glimpflich davon, hier verkehren viele Einheimische, die ihren Weg schon finden; beim RN-Gespräch lassen sich gerade Mitarbeiter eines benachbarten Großbetriebes ihr Abo-Essen schmecken. Schwerer hat es da schon die Pächterin des Imbisses „Max und Moritz“, Angela Kroter: „Der allergrößte Teil meiner Kunden sind Lkw-Fahrer, die komplett wegfallen.“ 60 Prozent des Umsatzes gehen dadurch flöten. Zwar seien die Bauarbeiten in überschaubarer Zeit bis etwa Anfang Oktober beendet – „aber es dauert danach noch ein paar Monate, bis die Kundschaft, die verlaufen ist, wieder zurück kommt und alles wieder den normalen Gang geht“, weiß sie aus der Erfahrung mit früheren Sperren.

Die HEM-Tankstelle in der Ortsmitte ist gerade im Belagerungszustand durch riesige Teermaschinen, Walzen und Lkw. Doch Pächter Peter Paraliov zeigt Durchhaltevermögen: „Ich überlebe es, weil ich noch andere Tankstellen habe, sonst sähe es schlecht aus.“ Gut die Hälfte des Umsatzes gehe derzeit verloren, doch die beträchtlichen Grundkosten wie Pacht und Löhne für Angestellte laufen weiter; zum Teil stehe sogar noch mehr Arbeit an, weil alle paar Tage der Baustellenschmutz weggeputzt werden muss. Das an die Tankstelle angeschlossene Lebensmittelgeschäft hält halbwegs über Wasser, ein Mann kauft gerade einen Kasten Bier und Zigaretten.

Im „Nahkauf“-Supermarkt spürt man laut Ute Wurm, einer der Marktleiterinnen, zwar das Fehlen von Laufkundschaft, aber in der Ferienzeit sei ohnehin weniger los. Ein Großteil der Kunden komme direkt aus dem Ort – um die bemühe man sich, indem man die aktuellen, immer wieder wechselnden Wege zum Markt ausschildere. Auch im Netto-Discounter auf der anderen Straßenseite sieht Marktleiter Erich Künzler die Lage einigermaßen gelassen: Es fehlen zwar 15000 Euro Umsatz pro Woche, aber er hätte mit noch mehr Ausfällen gerechnet. Viele, die einfach durchfahren oder vom Navi nicht umgeleitet werden, landen in seinem Markt. Des einen Freud, des andern Leid.

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