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Sternenfreunde

12.08.2019

Die Voyager-Sonden schweben mit Musikstücken durch das All

Die US-Raumsonde Voyager im Modell von Uwe Bahadir gebaut. Markant ist die 3,7 Meter lange Parabolantenne, die die Verbindung zur mittlerweile fast 20 Milliarden Kilometer entfernten Erde aufrechterhält. Schön zu sehen ist auch die „Goldene Schallplatte“ am Sondenkörper.

Was eine Goldene Schallplatte mit „außerirdischer Intelligenz“ zu tun hat.

Sie ist wohl die außergewöhnlichste Goldene Schallplatte, die jemals produziert wurde. Neben Stücken von Bach, Mozart und Beethoven sind auch die Rolling Stones in Sachen Rockmusik sowie Folklore dabei. Dann quaken Frösche, es rauscht ein Zug vorbei, der Gesang eines Buckelwals ertönt und das Schreien eines Neugeborenen erschallt. Wind und Wassergeräusche fehlen auch nicht.

Ein freundliches „Herzliche Grüße an alle“ in über 50 Sprachen befindet sich auch auf dem Tonträger. Wie bei Goldenen Schallplatten üblich, besteht die Auflage aus nur wenigen Exemplaren: In diesem Fall sind es zwei. Doch ob die jemals erklingen werden, steht buchstäblich in den Sternen. Denn die Platten mit dem „Sound of Earth“ befinden sich an Bord der Raumsonden „Voyager“ (Reisender) 1 und 2 und sollen einer möglicherweise existierenden außerirdischen Intelligenz mit 27 Musikstücken, 35 Geräuschen und 115 Bildern einen Eindruck vom irdischen Dasein vermitteln. Die Reise beginnt im Sommer 1977 am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida. Gebaut wurden sie im Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena.

Damals starteten die Voyager-Zwillingssonden zu einer zuvor nicht zu realisierenden Mission: Sie sollten – ausgerüstet mit Nuklearbatterien – als erste Flugkörper mehrere Planeten erkunden, dann in die äußeren Bereiche des Sonnensystems vorstoßen und es schließlich ganz verlassen. Sozusagen als „Flaschenpost“ in den „kosmischen Ozean hineingeworfen“. Zunächst hebt am 20. August 1977 Voyager 2 ab, 16 Tage später folgt Voyager 1. Da sie eine kürzere Flugbahn zum Jupiter nimmt – dem ersten Ziel der Reise –, ist die Nummer 1 vier Monate früher dort als ihre Schwestersonde.

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Auf der Erde würde die Sonde in fünfeinhalb Minuten von London nach New York fliegen

1980 verlässt Voyager 1 nach Erkundungsflügen zu Jupiter und Saturn sowie deren Monden Io und Titan die Planetenebene (Ekliptik). Voyager 2 dagegen fliegt zunächst noch zu Uranus (1986) und Neptun (1989) weiter. Am 17. Februar 1998 schließlich lässt Voyager 1 den bis dahin fernsten irdischen Botschafter hinter sich: die Raumsonde „Pioneer 10“. Damit ist die Sonde das am weitesten von der Erde entfernte von Menschenhand gebaute Objekt. Momentan ist Voyager 1 fast 20 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Sie ist mit einer Geschwindigkeit von fast 17 Kilometern pro Sekunde unterwegs. Auf der Erde würde sie in nur fünfeinhalb Minuten von London nach New York fliegen.

Dass diese Reise in den Tiefen des Sonnensystems überhaupt möglich wurde, verdankt die NASA einem Forscher namens Gary Flandro. 1965 studiert er am „Caltech“ in Pasadena, und soll für das dort ansässige JPL – eine der Ideenschmieden der NASA – mögliche Flugbahnen für eine Reise zu den vier äußeren Planeten berechnen.

Um mit den weit entfernten Raumsonden noch kommunizieren zu können, nutzen die Forscher drei riesige Sende- und Empfangsantennenkomplexe in Spanien, Australien und Kalifornien. Sie bilden das Deep Space Network (DSN), die Funkverbindung ins All. Da sie rund um den Globus verteilt sind, können sie Signale 24 Stunden am Tag empfangen. Die größten Antennen haben einen Durchmesser von 70 Metern, eine Sendeleistung von 500 Kilowatt und sind wie alle DSN-Empfänger hochsensibel: Sie können Voyager-Signale von nur einem zehnbilliardstel Watt registrieren. Das soll der Energie einer Schneeflocke entsprechen, die zu Boden sinkt.

Nicht zu vergessen ist die 3,7 Meter große Parabolantenne an Bord der Voyager-Sonde, die die Kommunikation erst möglich macht. Bis zum Abschluss der Neptun-Passage funkten die Sonden fast 80000 Bilder und rund fünf Billionen Bits wissenschaftliche Daten zur Erde. Seit gut 25 Jahren sind die Telekameras und die Geräte, die viel Strom verbrauchen, abgeschaltet. Nur ein paar wenige wichtige Instrumente funktionieren noch, um uns bis ca. 2030 wissenschaftliche Messdaten aus dem mittlerweile interstellaren Raum zu senden. Dann werden die Nuklearbatterien keinen Strom mehr liefern und die Raumsonden werden für immer verstummen.

Weitere Informationen zu astronomischen Themen unter www.rieser-sternfreunde.de

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