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Utzmemmingen

29.06.2020

Die grenzenlose Gastfreundschaft im Landgasthof Adler hilft durch die Krise

Volker Wörle ist angestellter Koch im Landgasthof Adler in Utzmemmingen. Bald wird er in die Fußstapfen seiner Eltern treten und den Betrieb übernehmen. Auf dem Bild ist er zusammen mit drei Bedienungen auf der hauseigenen Terrasse zu sehen.
Bild: David Holzapfel

Plus Der Landgasthof Adler in Utzmemmingen liegt an der bayerisch-württembergischen Grenze. In Zeiten von Corona sei das ein großer Vorteil, sagt Koch Volker Wörle.

Wer einen Blick auf die Speisekarte des Landgasthofs Adler wirft, bekommt auf den ersten Blick gutbürgerliche Küche, auf den zweiten Blick aber einen Kompromiss zu sehen. Denn Küchenchef Volker Wörle kocht quasi in zwei Welten.

Zum einen ist da die bayerische, mit Schweinebraten und Jägertöpfle. Und dann ist da noch der baden-württembergische Einfluss; also Linsen, Maultaschen und Tellersülze. Wörle und seine Mitarbeiter sind im wahrsten Sinne des Wortes Grenzgänger: Der Gasthof Adler liegt in Riesbürg, man muss nur eine Straße und ein paar Felder überqueren, um an die bayerisch-württembergische Grenze zu gelangen. „Wir haben deshalb schon einen Spagat auf der Speisekarte“, sagt der Koch und lacht.

Der Gasthof Adler ist ein Familienbetrieb. Aktuell führen ihn noch Elisabeth und August Wörle. Sohn Volker will ihnen jedoch bald nachfolgen. „Wir sind noch ein richtiger Landgasthof“, sagt Wörle. Er ist sehr stolz darauf. Wenn der Koch sich in den Ortschaften der Umgebung so umsehe, dann finde er dieses Konzept kaum noch. „Eine familiäre Atmosphäre und regionale Küche stehen bei uns ganz klar im Vordergrund.“ Ob im hauseigenen Biergarten auf der Holzterrasse oder im Festsaal mit bis zu 120 Sitzplätzen.

Die grenzenlose Gastfreundschaft im Landgasthof Adler hilft durch die Krise

Dass der Gasthof auf baden-württembergischer Seite der Grenze liegt, sei in der Corona-Zeit mitunter schon ein Vorteil gewesen, sagt Wörle. Während in Bayern strikte Maskenpflicht und Sperrstunden galten, seien die Maßnahmen in Baden-Württemberg deutlich lockerer gewesen. Zwar würden auch in normalen Zeiten viele Gäste aus der bayerischen Grenzregion ins Gasthaus kommen. „Wir haben aber schon gemerkt, dass in den letzten Wochen besonders viele Bayern bei uns waren.“ Das habe schon geholfen, sagt der Koch.

Landgasthof Wagner in Utzmemmingen: Mit einem blauen Auge davongekommen

Finanziell habe der Gasthof die mehrmonatige Schließung „mit einem blauen Auge“ überstanden, wie Wörle sagt. „Die Not macht erfinderisch.“ Schon einen Tag, nachdem geschlossen werden musste, begann der Gasthof damit, ins „to go-Geschäft“ einzusteigen und sein Essen ins Dorf auszuliefern. Was Wörle in der Krise besonders auffiel: Der Zusammenhalt der lokalen Gastronomiebetriebe sei enorm gewesen. „Es gab keinerlei Konkurrenzgedanken untereinander, man hat sich gegenseitig unterstützt und beraten.“ Die Menschen seien spürbar zusammengerückt.

Die Gastronomie ist zwar das Hauptstandbein des Gasthofs Adler; 35 Menschen arbeiten dort, neben der Familie Wörle vor allem 450-Euro-Kräfte. Zum Haus gehören jedoch noch eine Kegelbahn und neun Gästezimmer. „Die waren in letzter Zeit aber sehr spärlich ausgebucht“, sagt Wörle. Geschäftsreisende habe es kaum gegeben. „Wo sollten die auch groß hinreisen.“ Nun laufe der Betrieb aber wieder gut an.

Das Kochen gelernt hat Volker Wörle im Ellwanger Landgasthof Hirsch. Später verschlug es ihn nach München, für den Gasthof „Zum Wildpark“ arbeitete er 10 Jahre im Hacker Festzelt auf der Wiesn. „Das erste Jahr dort war das schönste, da wusste ich nämlich noch nicht, wie anstrengend es auf der Wiesn wird.“

Was der Küchenchef macht, wenn er nicht gerade arbeitet? „Mountainbiken, Laufen und Reisen“, sagt Wörle. Früher sei er gemeinsam mit seiner Frau um die halbe Welt gereist, immer auf der Suche nach schönen Orten. „Bis ich gemerkt habe, dass das Schwachsinn ist.“ Denn das Nördlinger Ries gebe eigentlich alles her, was er brauche.

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