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05.09.2009

Die große Schlacht von 1634: Sie bleibt im kollektiven Gedächtnis wie kein anderes Ereignis

Nördlingen Kein anderes Ereignis wurde so sehr im kollektiven Gedächtnis der Stadt Nördlingen bewahrt, wie die Schlacht bei Nördlingen des Jahres 1634. Diese Feststellung ist umso erstaunlicher, weil dieser Schlacht am 5. und 6. September 1634 zwischen dem etwa 25 000 Mann starken schwedisch-evangelischen und dem etwa 33 000 Mann starken kaiserlich-katholischen Heer nach Ansicht der Historiker keine überregionale Bedeutung zukommt. Nördlingens früherer Stadtarchivar Dr. D.-H. Voges brachte es auf den Punkt, als er formulierte, dass diese Schlacht "... nicht wegen und um Nördlingen geschlagen worden ist, sondern bei Nördlingen und das wegen des Zugangs sowohl ins protestantische Württemberg wie ins protestantische Franken …"

Für die Bewohner der Freien Reichsstadt Nördlingen aber hatte die Erfahrung einer fast dreiwöchigen Belagerung und Beschießung durch das kaiserlich-katholische Heer traumatische Folgen.

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Wie aber ist die Freie Reichsstadt Nördlingen in diese so schlimme Lage gekommen? Die Grundzüge der Entwicklung lassen sich in aller Kürze folgendermaßen wiedergeben: Hatte der Dreißigjährige Krieg im Jahre 1618 mit dem berühmten Prager Fenstersturz als Glaubenskrieg begonnen, so war er schon bald in einen Krieg um territoriale Interessen übergegangen. Nach dem sogenannten Böhmisch-Pfälzischen Krieg (1628-1623) und dem Dänisch-Niedersächsischen Krieg (1625-1629) trat mit dem Eingreifen des Schwedenkönigs Gustav I. Adolph im Jahre 1630 der große Krieg in ein weiteres Stadium ein - es begann der Schwedische Krieg (1630-1635).

Mit dem Sieg der Schweden über Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld im Jahre 1632 geriet der Krieg aber auch insofern in eine neue Phase, weil das Kriegsglück von den Kaiserlichen gewichen zu sein schien. Daran änderte sich auch nichts, als der Schwedenkönig in der Schlacht bei Lützen im November 1632 den Tod gefunden hatte.

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Auch wenn die Kaiserlichen angesichts der Vormachtstellung der Schweden und ihrer Verbündeten, die sich im Heilbronner Bund zusammengeschlossen hatten, erneut Wallenstein zu ihrem obersten Anführer erklärten - noch konnten die Schweden Süddeutschland unter ihrer Kontrolle halten. Bernhard von Weimar war es sogar gelungen, im November 1633 das von kaiserlichen Truppen verteidigte Regensburg einzunehmen.

Obwohl weitere Erfolge der Schweden am Oberrhein und in Oberschwaben bis hin zum Bodensee folgten, wendete sich das Blatt allmählich und die schwedischen Generale sahen sich zunehmend in der Defensive. Regensburg fiel wieder in die Hände der Kaiserlichen und vielerorts wurden die Schweden aus den von ihnen bereits eroberten Städten und Gebieten ebenfalls verdrängt. Es war zu befürchten, dass die kaiserlich-katholischen Armeen entlang der Donau gegen das Ries vorrücken würden, um dann in Württemberg einzufallen.

Diese Befürchtung wurde Realität! Am 7. August brach die kaiserliche Armee von Regensburg auf und traf am 11. August in Ingolstadt ein. Bernhard von Weimar hatte mit seiner schwedischen Armee sein Hauptquartier in Lauingen bezogen, Gustav Horn stand noch zwischen Iller und Lech.

Am 16. August wurde Donauwörth von den Kaiserlichen erobert, deren Einmarsch in das Ries nun nicht mehr aufzuhalten war. Auf dem Weg dorthin ging auch die Burg Alerheim in Flammen auf. Schon am 13. August war Wemding von den Kaiserlichen eingenommen worden.

Die Belagerung

Am 18. August standen die Kaiserlichen vor Nördlingen. Oberbefehlshaber Graf Gallas forderte die Stadt zur Übergabe auf und drohte ihr bei Weigerung den "Totalruin" an. Aber Nördlingen lehnte ab. Die Stadt hatte Vorkehrungen getroffen und aus militärischen Gründen alle außerhalb der Stadt liegenden Gebäude, unter anderem auch die St.-Emmerams-Kirche, abbrechen lassen. Außerdem galt die Stadt mit ihren festen Mauern und den davor errichteten Sternschanzen als nahezu uneinnehmbar. Vom Galgenberg aus eröffnete die kaiserliche Artillerie das Feuer auf die Stadt, die am 14. August eine etwa 500 Mann starke schwedische Besatzung unter Obristleutnant Erhard von Daubitz aufgenommen hatte, der zusammen mit Stadthauptmann Melchior Welsch die Verteidigung der Stadt kommandierte.

Nördlingen ignorierte alle Aufforderungen des Gegners zur Übergabe der Stadt und sandte insgesamt dreimal einen Boten in geheimer Mission zu dem auf dem Breitwang bei Bopfingen lagernden schwedischen Heer, um die ersehnte Hilfe zu erbitten. Dieser mutige Mann namens Adam Jäkle, genannt Wekhrlin, aus Goldburghausen, ist mit dieser Tat in die Geschichte eingegangen.

Szenenwechsel: Am 22. August erreichte Feldmarschall Horn Bopfingen und nahm die Stadt ein. Auf den Höhen des Osterholz schlug er sein Lager auf. Am 24. August gelang es den Schweden, weitere Soldaten in die Stadt Nördlingen zu bringen. Die Schweden machen Mut: Man werde Nördlingen befreien! Erst nach ihrer Rückkehr aus Nördlingen errichteten die Schweden am 25. August ihr Lager auf dem Breitwang bei Bopfingen, wie neuere Forschungen ergeben haben.

Am 4. September erfolgte der Generalangriff der Kaiserlichen. Am Deininger Tor gelang es ihnen, in das Innere des Turmes zu gelangen. In höchster Not zündeten die Nördlinger das Tor an und zwangen so die Angreifer zum tödlichen Sprung in die Tiefe und letztlich zum Rückzug. Daubitz lehnte dann auch die dritte und letzte Aufforderung des Gegners zur Übergabe der Stadt ab. Lange konnten sich die Verteidiger aber nicht mehr halten.

Auf dem Weg zur Schlacht auf dem Albuch

Am Morgen des 5. September war es so weit. Das schwedische Heer brach auf in Richtung Nördlingen: Die Schweden marschierten in mehreren "Heeressäulen", grob gesprochen, in Richtung Riffingen, Weilermerkingen, Dehlingen und Ohmenheim - so ist auch der ungefähre Verlauf des neuen "Schwedenweges" zwischen dem Breitwang und dem Albuch. Die Kanzlei und die Kriegskasse wurden nach Neresheim gebracht.

Mehrere Gefechte

Schon am späten Nachmittag desselben Tages erschien ein Teil der schwedischen Streitmacht auf der Höhe "Am oberen Kampf". Bis zum Abend gelang es den Reiterregimentern Bernhards von Weimar in mehreren Gefechten, die Höhen Himmelreich, Ländle, Lachberg und später auch den Heselberg (Heselwäldchen bei Ederheim) zu erobern.

Der rechte Flügel der Schweden unter Gustav Horn erreichte wegen umgeworfener und stecken gebliebener Wagen erst am Abend des 5. September den Fuß des Albuchs - eine Höhe etwa fünf Kilometer südöstlich von Nördlingen. Aufgrund der einbrechenden Nacht war an einen gemeinsamen Angriff auf diese strategisch wichtige Höhe nicht mehr zu denken. Noch in der Nacht wurde der Albuch von den Kaiserlichen mit drei Schanzen befestigt.

Der erste Angriff in den frühen Morgenstunden

In den frühen Morgenstunden erfolgte der erste Angriff der Schweden auf den Albuch unter General Horn. Der Ansturm hatte durchaus Erfolg, war es den Schweden doch gelungen, die mittlere Schanze einzunehmen. Allerdings machte die Explosion eines dort abgestellten Pulverwagens diesen Anfangserfolg der Schweden zunichte. Sie mussten zurückweichen und ihre Kräfte wieder sammeln. An diesem Vormittag des 6. September 1634 versuchten sie, mit insgesamt 14 Angriffen den Albuch zu erstürmen. Letztlich ohne Erfolg, weil die erhoffte Unterstützung durch Bernhard von Weimar ausgeblieben ist, der im nördlichen Bereich des Schlachtfeldes in Reiterkämpfe verstrickt worden war.

Totale Niederlage der Schweden

Die Schlacht endete schließlich mit der totalen Niederlage des schwedischen Heeres. Man schätzt etwa 12 000 Tote und Gefangene. Unter diesen vermutet man rund 2000 Mann der Württembergischen Landesdefension. Die siegreichen Soldaten setzten den fliehenden Schweden erbarmungslos nach.

Die kaiserliche Armee hatte nun das Herzogtum Württemberg schutzlos vor sich. Bopfingen und Neresheim sowie viele weitere Städte der Umgebung fielen schon bald in die Hände der Sieger. Die "Blutnacht von Neresheim" ist in die Geschichte eingegangen.

Der Krieg war aber noch lange nicht beendet. Das politische Gleichgewicht hatte sich nach der Schlacht bei Nördlingen so sehr zugunsten des Hauses Habsburg verlagert, dass sich das katholische Frankreich gezwungen sah, nun aktiv in den Krieg einzugreifen und dem Kaiser den Krieg zu erklären - trotz des Friedens von Prag im Jahre 1635. Der Krieg war in eine Phase getreten, die für die Bevölkerung wegen marodierender Soldaten, Plünderungen, Hungersnot und Krankheit als die schlimmste des großen Krieges gilt.

Auch das Ries hat der nun folgende Französisch-Schwedische Krieg noch einmal heimgesucht: 1645 die blutige Schlacht bei Alerheim und 1647 Beschießung der Reichsstadt Nördlingen durch bayerische Truppen.

Erst 1648 konnte der Westfälische Frieden geschlossen werden. Übrig geblieben war ein weithin verwüstetes Land - auch wenn der Grad der Verwüstung je nach Region durchaus unterschiedlich ausgefallen war. Ebenso war die Zahl der Toten nicht überall gleich groß.

Kapitulation der Stadt

Und Nördlingen? Die Reichsstadt musste nach der verheerenden Niederlage der verbündeten Schweden am 7. September kapitulieren. Zwei Tage später zog der siegreiche Ferdinand III. in Nördlingen ein. Der Amtsbürgermeister übergab dem Sieger die Stadtschlüssel. Nach Zahlung eines Strafgeldes in Höhe von schließlich 50 000 Reichstalern ist die Stadt letztlich glimpflich davongekommen, weil ihr ein "Sturm" und eine anschließende Plünderung erspart geblieben sind. Die Stadtrechte und Stadtfreiheiten wurden nicht angetastet. Nördlingen musste aber als Besatzung ein Regiment Soldaten aufnehmen und für dessen Einquartierung sorgen. Daubitz dagegen verließ mit seinen Soldaten die Stadt.

Archivalischen Quellen zufolge starben in diesem "Schicksalsjahr" 1634 etwa 1549 Frauen, Männer und Kinder - zusammen mit den Fremden waren 1892 Tote zu beklagen (Voges). In der Zeit zwischen 1600 und 1652 aber hat Nördlingen die Hälfte seiner Einwohner verloren: Von einst 8790 Einwohnern lebten nur noch 4345 Personen. Erst im Jahre 1939 wurde wieder die Zahl von rund 8900 Einwohnern erreicht.

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