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26.09.2008

Die letzten Stolpersteine

Nördlingen (gne) - Bestimmt sind Sie auch schon einmal "darüber gestolpert", über die kleinen, quadratischen Messingplatten im Pflaster auf dem Bürgersteig vor einigen Nördlinger Häusern. Es sind ja auch Stolpersteine, so hat sie der "Erfinder" der Aktion, der Kölner Künstler Gunter Demnig, 1995 benannt.

16 500 solcher Gedenksteine hat er seither in ganz Deutschland und mittlerweile auch in einigen Nachbarländern verlegt. Sie sollen die Erinnerung wachhalten an ehemalige Bewohner und Besitzer dieser Häuser, Juden und andere, die im Dritten Reich von den Nazis deportiert und ermordet wurden.

Gestern Vormittag setzte Gunter Demnig in Nördlingen die letzten fünf von 52 Stolpersteinen in Nördlingen. Damit ist das Ziel der örtlichen Organisatoren Klaus Wildförster und Dr. Dietmar-Henning Voges erreicht, die 50 ehemaligen jüdischen Mitbürgern und zwei Sozialdemokraten, die im Dritten Reich in Konzentrationslagern ums Leben kamen, dem Vergessen zu entreißen.

Die Steine Nummer 50, 51 und 52 vor der Äußeren Einfahrt 5 tragen die Namen von drei jüdischen Geschwistern, Abraham, Isaak und Klara Hamburg. Sie lassen diese Menschen aus der Masse der Opfer heraustreten, dokumentieren im heimischen Umfeld die Tragik ihrer Einzelschicksale. Davon ließen sich auch die Schüler der Klasse 6a der Realschule Maria Stern beeindrucken, die sich nach der Besichtigung des Stadtmuseums spontan als Zuschauer eingefunden hatten.

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Für sie sowie für Vertreter des Historischen Vereins und der Stadt fasste Dr. Voges die Entwicklung der Aktion in Nördlingen zusammen. Sie begann im Jahr 2004, nach umfangreichen Recherchen in verschiedenen Archiven konnten dann im Jahr 2005 die ersten Steine verlegt werden. Ein Stein kostet 95 Euro.

Finanziert wurden die Gedenksteine ausschließlich durch Spenden. "Es wurden fast 5000 Euro gespendet", sagte Voges und dankte allen Spendern. Unter den 35 Einzelspendern sind drei Banken und drei Firmen sowie 29 Privatpersonen, davon 27 Nördlinger und zwei Juden aus den USA. Weiter galt der Dank Wildförsters und Voges´ dem Historischen Verein und der Stadt für ihre Unterstützung bei der Spendenabwicklung und der Standortsuche. Der Künstler Gunter Demnig dankte vor allem seinen beiden engagierten Nördlinger Partnern. "Die Initiatoren vor Ort und die Spender sind die beiden Säulen des Projekts", sagte er, das Ganze sei ein "Geschenk der Bürger an die Kommunen".

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