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Medizin

22.11.2017

Die richtigen Worte finden

Franziska Nisseler macht mit Dieter Zengerle Übungen, um die bei einem Schlaganfall verlorenen Verknüpfungen in seinem Gehirn wieder herzustellen.
Bild: Mühlhause

Über einen Umweg kam Franziska Nisseler zu ihrem Traumjob. Die Logopädin hat die Staatsprüfung mit Bestnote absolviert und sich in Mertingen selbstständig gemacht

Schon mit 14 Jahren war Franziska Nisseler klar, welchen Beruf sie ergreifen will: Logopädin. Logopäden helfen Patienten mit einer Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- oder Hörbeeinträchtigung, beispielsweise auch nach Schlaganfällen. Über einen Umweg fand Nisseler in ihren Traumberuf. Kürzlich hat sie die Staatsprüfung mit 1,0 abgeschlossen und in Mertingen eine eigene Praxis eröffnet.

Auf den Beruf wurde sie aufmerksam, als sie eine Freundin zur Therapie beim Logopäden begleitete, bei der später Autismus festgestellt wurde. Zudem faszinierte sie das Arbeiten mit der Sprache. Die gebürtige Mertingerin absolvierte dann mehrere Praktika, um ihrem Ziel näher zu kommen. Nach der Realschule wollte sie mit der Ausbildung beginnen, erhielt aber auf ihre Bewerbung eine Absage von der Logopädenschule in Augsburg. Dort bewerben sich pro Jahr 300 bis 400 Interessenten und 16 erhalten einen Platz. „Da war ich schon ziemlich geknickt. Mein junges Alter hat bei der Ablehnung auch eine Rolle gespielt“, ist sie sicher.

Sie begann stattdessen in Nördlingen eine Ausbildung zur Kinderpflegerin. Es sei aber für sie immer klar gewesen, dass sie den Beruf nicht dauerhaft ausüben möchte. „Das war nicht mein Traum, auch wenn es Spaß gemacht hat.“ Sie machte in den zwei Jahren Ausbildung Praxisphasen in der Krippe und in der schulvorbereitende Einrichtung Donauwörth-Zirgesheim. Dort werden verhaltens- und sprachauffällige Kinder von heilpädagogischen Förderlehrerinnen betreut.

Nisseler machte ihren Abschluss als Kinderpflegerin und kündigte dann an der Schule. „Noch mal drei Jahre zu investieren in die Ausbildung zur Erzieherin kam für mich nicht in Frage“, so die heute 21-Jährige. Hätte es mit der Logopädenschule wieder nicht geklappt, wäre sie an die Berufsoberschule gewechselt und hätte ihr Abitur gemacht, sagt sie. Doch im zweiten Anlauf klappte es. Sie bestand die Aufnahmeprüfung, in der unter anderem ihre Deutschkenntnisse und ihre gesanglichen Fähigkeiten geprüft wurden.

Dass sie den bestmöglichen Abschluss erreichte, habe sie zwar „überrascht“, sie sei aber ehrgeizig und das Lernen falle ihr leicht, so die junge Frau. Dass sie sich anschließend selbstständig machte, war eher den günstigen Umständen geschuldet. „Ich wollte eigentlich erst einmal ins Angestelltenverhältnis, aber ich hatte die Gelegenheit, hier im neuen Gesundheitshaus eine eigene Praxis zu eröffnen und die Rahmenbedingungen wie die Miete passen.“ Die Einrichtungskosten für die Praxis sind überschaubar. Sie braucht unter anderem eine Liege zur Entspannung, einen Spiegel, in dem sich der Patient beobachten kann und ein Radio mit CD-Player. Damit spielt sie manchen Kindern Tiergeräusche vor, die diese dann erkennen sollen.

Vorstellungstour bei Ärzten, Kitas und in Altenheimen

In den vergangenen Wochen war Nisseler viel auf Werbetour, um sich bekannt zu machen. Sie suchte Ärzte auf und hat sich in Kitas, Schulen und Altenheimen vorgestellt. So wurde auch der Donauwörther Dieter Zengele auf sie aufmerksam, der nach einem Schlaganfall nach einer Logopädin suchte, bei der er schnell einen Termin bekommt. „Ich bin sehr zufrieden“, lobt er Nisselers Arbeit. Sie versucht sein Gehirn zu reaktivieren, indem sie sich Begriffen, die Zengerle nicht mehr einfallen, über das Umfeld nährt: Wie sieht der Gegenstand aus und welche Farbe hat er? So baut sie Brücken, die der Patient später nutzen kann.

Zu ihr kommen aber auch viele Kinder, die falsch sprechen. Teils werden sie auch von Kieferorthopäden geschickt. „Wenn jemand falsch schluckt und die Zunge beim Sprechen immer zu an die Zähne stößt, bringt es nichts, wenn er eine Spange hat. Die Zunge schiebt die Zähne nach vorne. Das muss also vorher abgestellt werden“. Auch immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund brauchen laut Nisseler Hilfe vom Logopäden. Sie empfiehlt, dass die Eltern lieber in ihrer Muttersprache reden sollen, falls sie die deutsche Sprache nicht gut beherrschen. „Das ist besser als dieser Mischmasch, der teils in Familien gesprochen wird und die Entwicklung hemmt.“ Richtiges Deutsch lernten die Kinder schließlich in den Kindertagesstätten, wo sie mehrere Stunden am Tag sind. Sehr wichtig sei zudem, dass die Eltern die Übungen mit den Kindern auch wirklich daheim wiederholen, betont sie. Nur dann könne die Behandlung erfolgreich sein.

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