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Wahlen 2020

29.12.2019

Diese Nördlinger Stadträte hören auf

Das Nördlinger Rathaus mitten in der historischen Altstadt.
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Das Nördlinger Rathaus mitten in der historischen Altstadt.
Bild: Heidi Källner

Plus Der neue Nördlinger Stadtrat wird aus 30 Mitgliedern bestehen. Fünf, die bislang über das Stadtgeschehen entschieden haben, treten bei der Wahl nicht mehr an.

Vergeblich werden die Wähler im kommenden März den Namen so manches Stadtrates auf dem Wahlzettel suchen. Noch haben nicht alle Parteien und Gruppierungen nominiert – doch schon jetzt steht fest: Fünf Stadträte werden dem neuen Gremium definitiv nicht mehr angehören.

Einer von ihnen ist Dr. Dietmar Blechschmidt (CSU). Sein Rückzug aus der Kommunalpolitik habe ganz persönliche Gründe betont er, mit der Arbeit im Gremium habe das nichts zu tun. Im Gegenteil: „Ich habe das immer als sehr lehrreich für mich selbst empfunden.“

Dr. Dietmar Blechschmidt

Es gebe stets zwei Seiten einer Medaille, oft sehe man nur eine. Und wenn man dann einen anderen Blickwinkel erhalte, dann sehe man eine Sache ganz anders. Zumal: „Die Tätigkeit der Verwaltung wird oft unterschätzt.“ Besonders gern sei er 2016 Ortssprecher in Baldingen gewesen, so Blechschmidt.

Diese Nördlinger Stadträte hören auf

Diese Nördlinger Stadträte werden bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten

Bei der Stadtteilliste verabschieden sich zwei Stadträte: Dr. Josef Schormüller und Hans Weng. Schormüller war seit 1996 bei den Stadtratssitzungen dabei – erst als Ortssprecher von Holheim, dann auch als Rat. Er meint: „Irgendwann müssen die Jungen ans Ruder.“ Zumal er selbst im kommenden Jahr 66 Jahre alt werde. In Holheim, so sagt Schormüller, hänge viel am Ortssprecher – der verwalte nämlich auch das Gemeindezentrum. Die Arbeit im Stadtrat habe sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt: „Die meisten Entscheidungen werden im hohen Konsens getroffen.“ Oberbürgermeister Hermann Faul habe die Räte zusammengeführt, es gehe kameradschaftlich zu. Thema in Holheim sei lange die Umgehungsstraße gewesen, sie wurde 2013 eingeweiht.

Hans Weng wird sich beruflich in die Altersteilzeit verabschieden – und will auch seine Ämter nach und nach „ausklingen“ lassen, wie er sagt. Die Jüngeren sollen aus seiner Sicht mal ran: „Wenn man die Hintergründe kennt, dann entscheidet man ganz anders als am Stammtisch.“ Für Nähermemmingen sei in den vergangenen Jahren viel erreicht worden, zuletzt etwa die Straße nach Pflaumloch, der Radweg nach Utzmemmingen oder die Sanierung der Brücke am Sportheim. Auch die Neugestaltung der Nördlinger Fußgängerzone war aus Wengs Sicht ein „tolles Projekt“, genauso wie der Wemdinger Tunnel. Weniger Spaß haben ihm dagegen die „unzähligen Diskussionen“ im Stadtrat gemacht, besonders, wenn „nachgekartelt“ worden sei.

Bei der PWG steht Joachim Sigg nicht mehr auf der Liste. Das liege an seinem Unternehmen, wie er sagt: „Es ist im Handwerk immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden.“ Jedes Jahr bilde er drei Lehrlinge aus, berichtet Sigg – doch seit 15 Jahren sei keiner mehr in seinem Unternehmen geblieben. Die Industrie locke mit guten Angeboten, andere Gesellen bildeten sich weiter: „Es bleibt immer mehr an mir hängen.“ Demnächst wolle sein Sohn einsteigen, da wolle er mithelfen und noch einmal richtig Gas geben, sagt Sigg. Zwölf Jahre lang war der Nördlinger im Stadtrat, darüber hinaus hat er noch weitere Ehrenämter inne. Was ihm im Gremium geärgert hat? Das Dinge „zerredet“ werden: „Man trifft eine Entscheidung und dann macht man es“ – und überlegt es sich nicht zwei Tage später anders.

Die Frauenliste nominiert erst am 4. Januar, Sonja Kuban will wieder für den Rat kandidieren, wie sie auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Erich Geike dagegen ließ sich von den Sozialdemokraten nicht mehr aufstellen: „Das war schon vor sechs Jahren klar, dass das meine letzte Periode im Stadtrat ist.“

Erich Geike

Er werde im kommenden Jahr 71 Jahre alt: „Das reicht jetzt. Es war eine gute, schöne Zeit.“ Sehr positiv habe sich in der jüngsten Vergangenheit das Miteinander im Stadtrat verändert, meint Geike. Man gehe kollegialer miteinander um, trinke auch mal zusammen ein Bier: „Man kann sich zoffen und unterschiedlicher Meinung sein, aber hinterher kommt man wieder zusammen und schaut nach vorne.“ Weniger gut hat Geike zuletzt gefallen, dass alles digitaler werde, dass man weniger Zeit zum Diskutieren habe: „Da wird etwas nachmittags ins Ratsinfo-System gestellt und um 17 Uhr muss man darüber entscheiden.“

Nach 18 Jahren hört auch Paul Schneele auf

Nach 18 Jahren im Nördlinger Stadtrat tritt auch Paul Schneele (SPD) bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr an. Der 70-Jährige war eine Periode unter Oberbürgermeister Paul Kling und zwei unter Hermann Faul im Gremium für die Bürger Nördlingens tätig.

Paul Schneele

Schneele erzählt, dass er über die Gewerkschaften zur SPD gestoßen sei. Zunächst sei er Vorstand im SPD-Ortsverein gewesen, bevor er in den Stadtrat gewählt wurde. Später war der Polizeibeamte, der 2009 in Pension ging, Fraktionsvorsitzender. „Ich war 18 Jahre im Stadtrat. Das war eine Tätigkeit, die den eigenen Horizont sehr erweitert“, sagt Schneele. Kinderspielgeräte, das Wasserspiel oder die verkehrsberuhigte Zone am Marktplatz sowie der Bücherschrank zählen zu den Dingen, die er für die Stadt erreicht hat. Er stellte Anträge, suchte für seine Ideen Mitstreiter und war erfolgreich.

„Früher hat man auf die Älteren geschimpft, dass sie an ihren Ämtern kleben. Das wollte ich nicht. Ich wollte den Weg freigeben“, sagt Schneele zu seinen Beweggründen und ergänzt: „Dem DGB bleibe ich erhalten und ich setze mich mehr für die Senioren ein.“ Im Blick hat er dort unter anderem die Arbeitnehmerrechte. Der Sozialdemokrat Paul Schneele arbeitete unter anderem bei der Polizeiinspektion in Friedberg und in Nördlingen. mit vmö

In einer früheren Version dieses Artikels war Paul Schneele nicht aufgeführt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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