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Kindergarten

13.09.2019

Diskussion: Kein Kuchen mehr bei Geburtstagen?

Während in einem Kindergarten in Bissingen Kinder keinen Geburtstagskuchen mehr in den Kindergarten mitbringen dürfen, sieht die Situation im Ries anders aus. Nicht nur Eltern, auch Ehrenamtliche in Vereinen müssen auf bestimmte Hygienevorschriften achten.

Drei Leiterinnen von Rieser Kindergärten äußern sich zur Hygiene-Diskussion bei mitgebrachten Speisen. Diese Regeln gelten für Vereine und bei Straßenfesten.

Dürfen Eltern ihren Kleinen einen Geburtstagskuchen mit in den Kindergarten geben? Eine Einrichtung in Bissingen hat das nun verboten, nachdem Erziehungsberechtigte Hygienebedenken äußerten (wir berichteten). Seitdem der Fall bekannt wurde, wird in den sozialen Netzwerken, aber auch auch in den Kindergärten über das Verbot diskutiert. Viele halten es für überzogen.

Dazu gehört auch Birgitta Lechner. Sie leitet das St. Martin-Kinderhaus in Nördlingen. Wenn in den einzelnen Gruppen Geburtstage gefeiert werden, dürfen die Kinder zum Beispiel Kuchen, Muffins oder Gemüsesticks mitbringen, sagt sie. Hygieneprobleme sehe sie bei trockenen Kuchen nicht. Jede Mutter wisse schließlich, dass auch ihr Kind von dem Kuchen essen werde und achte schon allein deshalb auf die richtige Zubereitung. Auch bei Festen und Veranstaltungen achte man auf die Hygienevorschriften. Für die ehrenamtlichen Helfer gebe es für den Verkauf der Kuchen zum Beispiel Einmalhandschuhe zum wechseln. Von Seiten der Eltern gebe es keine Skepsis.

Im Kindergarten gibt es ein Merkblatt mit Hygienevorschriften

Das ist auch im Baldinger Kindergarten Naseweis der Fall, berichtet Leiterin Veronika Stoller. Die Geburtstagskinder feiern ihren Ehrentag weiterhin mit Selbstgebackenem. Stoller erklärt, dass die Eltern zu Beginn jedes Kindergartenjahres ein Merkblatt zu den Hygienevorschriften erhalten. Die Erziehungsberechtigten müssen dann unterschreiben, dass sie die Informationen gelesen haben. Das sei Vorschrift.

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Anders ist es im Kindergarten St. Georg in Reimlingen. Leiterin Melanie Endmeier sagt, dass dort natürlich Geburtstage gefeiert werden – jedoch ohne mitgebrachte Speisen. Das sei nie eingeführt worden. Theoretisch habe sie bei trockenen Kuchen jedoch keine Bedenken.

Hygienevorschriften gelten nicht nur für Kindergärten, sondern zum Beispiel auch für Vereine und bei Straßenfesten, erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes Donau-Ries, Dr. Rainer Mainka. Anders als bei gewerblichen Tätigkeiten, benötigen Ehrenamtliche in Vereinen jedoch keine Belehrung durch das Gesundheitsamt, sagt er. Es genüge eine reduzierte Belehrung durch einen Verantwortlichen des Vereines, der Erfahrung mit Lebensmitteln hat. Diese sollte nicht einmalig, sondern vor jedem Fest stattfinden.

Im Zweifel auf heikle Lebensmittel verzichten

Zudem müsse sie jeder, der mithilft, erhalten – egal ob man backt, Kuchen verkauft oder Gläser spült. Daneben gebe es – wie berichtet – ein Hygienemerkblatt. Darauf ist laut Mainka zum Beispiel vermerkt, dass Hackfleischprodukte am gleichen Tag verarbeitet werden müssen.

Es werde außerdem darauf verwiesen, bei welchen Krankheiten Ehrenamtliche nicht mehr mit Lebensmitteln arbeiten sollten – zum Beispiel bei Durchfall, der durch Salmonellen ausgelöst wurde. Halte man sich nicht daran und andere werden krank, drohen Strafen, so Mainka. Das gelte auch beim Verkauf von Speisen. Erhöhte Vorsicht gelte dabei zum Beispiel bei Sahnetorten. Denn darauf können sich Bakterien schnell vermehren, weshalb viele auf Handschuhe beim Verkauf zurückgreifen.

Auf trockenen Semmeln und Kuchen dagegen nicht. Im Zweifel rät Mainka – zum Beispiel bei Sommerfest in Kindergärten – auf heikle Lebensmittel wie Roheierspeisen zu verzichten und bei fehlender Hygienebelehrung Kuchen nicht anzunehmen.

Selbstgebackenes gehört zu Festen, schreibt Anja Ringel in ihrem Kommentar.

Was das Gesundheitsamt zur Debatte sagt, lesen Sie hier.

Mehr zum Fall in Bissingen gibt es hier.

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