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Kabarett

18.03.2019

Django Asül und die „Mönchsdegginger Altstadt“

Django Asül bei seinem Auftritt in Mönchsdeggingen.
Bild: Toni Kutscherauer

Django Asül präsentiert sein Programm „Letzte Patrone“ gleich doppelt –und wird beide Male bejubelt. Warum ihm die Zeit davonläuft und welche Rolle der örtliche „Cappuccino-Stammtisch“ spielt.

Was tun, wenn eine Veranstaltung innerhalb von 40 Minuten komplett ausverkauft ist, so wie der Auftritt von Django Asül in Mönchsdeggingen? Der ausrichtende Dorfverein und der Kabarettist fanden eine schnelle und griffige Lösung: kurzerhand wurde eine zusätzliche Nachmittagsvorstellung angesetzt, sodass insgesamt 350 Besucher im zweimal vollbesetzten „Gasthaus Rose“ das Bühnenprogramm „Letzte Patrone“ genießen konnten.

Darin hadert der Django Asül – nach einigen lokalen Spitzen über die „Mönchsdegginger Altstadt“ –mit der demografischen Entwicklung. Denn während der „Durchschnittsdeutsche“ jährlich um wenige Tage älter wird, altert er selbst in eben diesem Zeitraum gleich um ein ganzes Jahr. Ihm läuft also die Zeit davon, die es ab sofort sinnvoll zu nutzen gilt. Dabei erweist sich die kleine niederbayerische Heimatgemeinde Hengersberg („do is sogar die Peripherie relativ zentral“) als idealer Fluchtpunkt, wo der Protagonist – ausgestattet mit einer großkalibrigen Pfeffermühle – eine Ein-Mann-Bürgerwehr gründet.

Django Asül steht seit mehr als 20 Jahren auf der Bühne

Als wichtige Hilfe erweist sich dabei der örtliche „Capuccino-Stammtisch“, wo man von pensionierten Zeitgenossen nicht nur brisante Informationen, sondern auch Nachhilfe in weltanschaulichen Dingen erhält. Pointiert und wortgewandt pflügt sich Django Asül in der Folge durch die Tücken des Alltags: er echauffiert sich über die Niedrigzins-Politik („Wer jetzt spart, is bald ruiniert“), preist seinen V8-Biturbo („Das ist Physik“) und blamiert Maschmeyers „Millionärs-Formel“ als Ansammlung hohler Phrasen.

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Seit mehr als 20 Jahren steht Django Asül (bürgerlicher Name Ugur Bagislayici) nunmehr auf der Bühne und hat sich in der vordersten Riege bayerischer Kabarettisten etabliert. Zahlreiche Auszeichnungen – zum Beispiel den Bayerischen Kabarettpreis 2000 – hat der bekennende Niederbayer seitdem eingeheimst und ist auch künstlerisch breit aufgestellt: Für den „kicker“, „Stern.de“ und diverse Zeitungen schreibt er regelmäßige Kolumnen. Das TV-Format „Asül für Alle“ läuft viermal jährlich im Bayerischen Fernsehen und sein satirischer Jahresrückblick „Rückspiegel“ ist dort ebenfalls gesetzt. Zudem tritt er beim alljährlichen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus auf, wo er heuer – nach einem einmaligen Gastspiel als Fastenprediger auf dem Nockherberg im Jahr 2007 – bereits zum zwölften Mal als Festredner der Prominenz ordentlich was ins Stammbuch schreiben wird.

Lautstarker Jubel bei den Besuchern in Mönchsdeggingen

Auch in seinem aktuellen Programm „Letzte Patrone“ zeigt Django Asül seine künstlerische Klasse. Gerade die schwierigste Disziplin des politischen Kabaretts, nämlich die richtige Balance zwischen seriös recherchierten Inhalten und unterhaltsam humorvoller Bühnenshow zu finden, beherrscht der 46-jährige in souveräner Weise.

Dies zeigt er beeindruckend im zweiten Teil, etwa wenn die deutsche Verteidigungspolitik aufs Korn nimmt oder bei der Aufarbeitung der Geschichte Europas einen Exkurs in die griechische Mythologie startet und den Olymp-Chef Zeus – augenzwinkernd vieldeutig – als die bayerische Befehlsform des Verbums „zahlen“ entlarvt: „Zoi’s!“ Hintersinniger Witz und spitzfindige Wortspiele in niederbayerischen Dialekt sowie herrliche Parodien von Stammtischbrüdern und türkischen Mitbürgern verleihen dem Auftritt zusätzliche satirische Würze.

Nach zweimal zwei kurzweiligen Stunden erstklassigen Kabaretts herrscht helle Begeisterung mit lautstarkem Jubel bei den Besuchern in der „Rose“, die Django Asül nach zwei Zugaben mit ausgiebigem Schlussapplaus verabschieden.

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