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16.07.2010

"Do hot dr Deifl Hä ragschmissa"

Nördlingen Für die Pferde, an deren Futter nichts Grünes kam, konnte ein Vorrat für acht Tage angelegt werden. "En dr Ärat", wo es wenig Zeit gab, konnte sogar "Äratgsod" für vier bis fünf Wochen geschnitten werden. Im Winter häckselte man auch für die Rinder gerne auf Vorrat, um namentlich an Sonn- und Feiertagen (wenn es zum Beispiel drei Weihnachts-Feiertage gab) der Mühe des Futterschneidens enthoben zu sein. Je nach Größe des Viehbestandes dauerte das tägliche "Gsodschneida" eine halbe bis dreiviertel bis eine Stunde.

"Zal zwoit"

Man war bei dieser Arbeit meistens zu zweit, bisweilen sogar zu dritt: Eine Person legte das Schnittgut in die Lade ein, eine zweite drückte nach und eine dritte räumte "ds Gsod" zum Futterschlot hinunter. Futterschneiden war eigentlich "Mannsbildersach", aber es mussten auch Frauen, vor allem Mägde, dabei helfen. In Friedrich Völkleins Erzählung "D Miadl" lesen wir dazu: "Um drei Uhr ging die Miadl mit unserem Vater hinaus zum Futterschneiden. Und als er nach einer Stunde zurückkehrte, meinte er lächelnd: ,Wann dia so bleibt, no tu' i mi leicht!'

Mit der Hand betrieben

"Do hot dr Deifl Hä ragschmissa"

Damals wurde die Futterschneidmaschine noch mit der Hand getrieben." Wo es "Ehalta" (Dienstboten) gab, wurde "ds Gsodschneida" vom Knecht und der Magd erledigt. Während der gemeinsamen Arbeit unterhielt man sich, lachte und trieb ab und zu auch Dummheiten. "Beim Gsodschneida sen Knecht ond Magd oft a weng hoile (zutraulich) woara", meint ein alter Rieser. Zog dieses "zutraulich werden" etwaige Folgen nach sich, hieß es: "Do hot dr Deifl Hä ragschmissa!"

Halmstuhl und Häckselmaschine

Vor Erfindung der mechanischen Futterschneidmaschine gab es bereits eine Vorrichtung, die dieser sehr ähnlich war. Bei ihr mussten aber alle Einzelfunktionen (Transport und Zusammenpressen des Schnittguts und Betätigung des Schneidmessers) von Hand erledigt werden. Das war sicher eine Schinderei. Im Ries wurde diese Halmbank Futter- oder Gsodstuhl genannt. Selbst die ältesten noch lebenden Rieser haben aber auf diese Weise kein "Gsod" mehr geschnitten.

"Scho vor 1900 hots a Gsodmasche geba", meint der 73-jährige Johann Dürrwanger aus Lierheim. Lange Zeit noch wurde die Häckselmaschine mit dem Göpel (Antriebsmaschine in der Landwirtschaft durch Tierkraft) bewegt, mit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend mit Verbrennungs- und Elektromotor. Der 87-jährige Friedrich Wiedenmann aus Appetshofen erinnert sich: "Di easchte Motor warat Schleifrengmotor. Dia sen offa dogstanda. Do isch oft Fuier rauskomma, vor he, wamma recht neigschobbt hot ond dr Motor of Hoachtura gloffa isch. Ma hot recht aufpassa müaßa." Es lag deshalb immer ein nasser Sack bereit, den man im Notfall über den Motor hätte werfen können.

"Reamapech"

Mit dem Treibriemen gab es oft Schwierigkeiten. "Dr Reama hot net schleifa däffa", hieß es. War er zu lang, "hot ma n em Somer en ds nasse, aufbroite Fuader neigschmissa, nocht hot s n wieder a weng zammzoga", erzählen die Alten. Mit "Reamapech" (in flüssiger Form oder als Stangenpech) versuchte man das Abrutschen des Riemens von der Riemenscheibe zu verhindern. "D Gsodmesser" mussten mit der Eisenfeile regelmäßig nachgeschärft werden. Von Zeit zu Zeit wurden sie auch abgeschraubt und dem Schmied zum Scharfmachen gebracht.

Beträchtliches Unfallrisiko

"Beim Gsodschneida isch mancher Dauma (a(b)grissa ond mancher Fenger verquetscht woara", heißt es. Die Häckselmaschinen bargen ein beträchtliches Unfallrisiko in sich. So bestand die Gefahr, dass die Hand des Einlegers von den Walzen erfasst und von den rotierenden Messern verstümmelt wurde.

Schutzkappen und Verkleidungen an den gefährlichen Teilen trugen dazu bei, dass sich die Unfälle verminderten. (gss)

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