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Musik-Kabarett

13.03.2018

Dominik Herzog über Volljuristen und Rechthaber

Dass Dominik Herzog ein talentierter und redegewandter Entertainer ist, der sich auf der Bühne pudelwohl fühlt, also eine „Rampensau“ im besten Wortsinne ist, dürfte im Ries seit seinen launigen Moderationen bei der „Offenen Unterhaltungsbühne“ oder dem kürzlich verliehenen Kleinkunstpreis „Die Sau von Nördlingen“ weithin bekannt sein.
Bild: Anton Kutscherauer

Herzog präsentiert seine satirisch-juristische Show im Nördlinger Schrannensaal. Wieso es im Gerichtssaal manchmal wie im Kindergarten zugeht.

„Wer hat recht?“ Mit dieser großen Frage müssen uns nicht nur wir alle im tagtäglichen Umgang mit unseren Mitmenschen auseinandersetzen, sogar ein ganzer Berufszweig mit einem Heer an Richtern, Staatsanwälten und juristischem Personal ist permanent damit beschäftigt. Wer also könnte diese Frage kompetenter beantworten als ein promovierter Volljurist, etwa einer wie Dr. Dominik Herzog? „Wer hat recht?“ lautet folgerichtig der Titel seines juristischen Kabarett-Programms, das er im Rahmen der Kleinkunstreihe der Stadt Nördlingen den knapp 200 Besuchern im restlos ausverkauften Schrannensaal präsentierte.

Mit einigen umgetexteten Schnipseln bekannter Songs startet Dominik Herzog in die Show, wobei die Prinzen („Dank Jura wird ich Millionär“), Lucilectric („Weil ich der Richter bin“), Nena („99 Paragrafen“) und Grönemeyer („Gib mir meine Klageschrift zurück“) die musikalischen Vorlagen liefern. Im verbindlichen Plauderton gewährt der Rechtsanwalt humorvolle Einblicke in sein berufliches Wirken, wobei er „tagsüber erlebt, was er abends auf der Bühne spielt“. So berichtet er von seinem Referendariat bei der „härtesten Staatsanwaltschaft der Welt“ im „katastrophengeschüttelten“ Ingolstadt, von Anwälten, die mit dem Faxgerät dem Digitalisierungswahn trotzen und vom Kollegen, der eine Polizeikontrolle mit dem Straßenstrich verwechselt. En passant werden auch „bedeutsame juristische Grundsatzfragen“ geklärt: Können 1,7 Promille mit dem Genuss von zu viel Mon Cherie begründet werden? Werden gerichtlich erstrittene eheliche Rechte behördlich vollstreckt oder gibt es die Möglichkeit einer betriebsbedingten Kündigung? Macht eine Klage wegen eines falsch servierten Schnitzels Sinn? (Antwort: für den Anwalt auf jeden Fall).

Geschickt wechselt Dominik Herzog zwischen satirischem Textvortrag und Liedern, zu denen er sich auf Ukulele und Klavier selbst begleitet. Dabei zeigt der passionierte Kleinkünstler, dass er nicht nur ein erstklassiger Pianist ist, sondern auch gesanglich einiges zu bieten hat: seine Parodien von Barry Manilow („Handy“), Michael Jacksons „Earth Song“ oder Robbie Williams’ Schmachtfetzen „Angel“ hören sich einfach klasse an. Immer wieder sucht Herzog auch die Interaktion mit dem Publikum, wobei es ihm vor allem die notorischen Rechthaber wie Firmenchefs, Ehemänner oder Lehrer (insbesondere seine ehemaligen eigenen) angetan haben. Schließlich zeigt er anhand einer Sequenz traditionellen Liedguts, dass es im Gerichtssaal bisweilen wie im Kindergarten zugeht - nur dass anstatt Kokosnüssen Zeugen geklaut werden. Und auch die berufliche Begriffsklärung darf nicht fehlen: „Weil sie im Suff ihr Dasein fristen, nennt man sie auch Volljuristen.“

Dass Dominik Herzog ein talentierter und redegewandter Entertainer ist, der sich auf der Bühne pudelwohl fühlt, also eine „Rampensau“ im besten Wortsinne ist, dürfte im Ries seit seinen launigen Moderationen bei der „Offenen Unterhaltungsbühne“ oder dem kürzlich verliehenen Kleinkunstpreis „Die Sau von Nördlingen“ weithin bekannt sein. Wie bereits bei seinem ersten Auftritt vor zwei Jahren bietet der gebürtige Nördlinger den Besuchern auch diesmal einen unterhaltsamen, abwechslungsreichen und spritzigen Kabarettabend. Seine schärfste Waffe ist dabei die präzise, treffsichere und pointierte Sprache, die an große Vorbilder wie Max Uthoff (ebenfalls Jurist) oder Eckhardt von Hirschhausen (ebenfalls promoviert) erinnert. Zudem ist er witzig und frech, eloquent und schlagfertig - und lässt bei alledem seinem natürlichen Charme freien Lauf. Genau diese Mischung kommt beim Nördlinger Publikum bestens an und so wird Dominik Herzog am Ende seiner furiosen Show zu Recht mit ausgiebigem und lang anhaltendem Applaus verabschiedet.

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