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Donau-Ries
22.07.2021

Der Gastronomie läuft das Personal davon

Corona hat im Gastrobereich nicht nur für fehlende Einnahmen gesorgt, es sind auch Fachkräfte abgewandert. Allein im Kreis sind es laut NGG rund 200.

Viele Kräfte haben der Branche im Zuge der Pandemie den Rücken gekehrt. So sieht die Situation im Landkreis Donau-Ries aus.

Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen die Hotels und Gaststätten im Kreis Donau-Ries eine dramatische Abwanderung von Fachkräften. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Landkreis rund 200 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt – das ist jeder neunte Beschäftigte der Branche.

Pandemie: Lockdown bis in den Mai hat Situation in der Gastro zugespitzt

Diese Zahl veröffentlicht jetzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur. Angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai hinein dürfte sich der Personal-Schwund 2021 nochmals zugespitzt haben, befürchtet Tim Lubecki, Geschäftsführer der NGG-Region Schwaben.

„Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, sagt Lubecki. Für die Lage macht der Gewerkschafter insbesondere die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“

Wenn die gut ausgebildeten Fachkräfte in Anwalts- oder Arztpraxen die Büroorganisation übernehmen oder in Supermärkten zwei Euro mehr pro Stunde verdienen als in Hotels und Gaststätten, dürfe es niemanden überraschen, dass sich die Menschen neu orientierten.

Arbeitsbedingungen waren schon vor Corona nicht die besten

„Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, kritisiert Lubecki.

Wirte und Hoteliers hätten nun die Chance, die Branche neu aufzustellen. Zwar seien viele Firmen nach wie vor schwer durch die Pandemie getroffen. Doch wer künftig überhaupt noch Fachleute gewinnen wolle, müsse jetzt umdenken und sich zu armutsfesten Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu seien Tarifverträge unverzichtbar, unterstreicht Lubecki: „Am Ende geht es um einen Kulturwandel. Auch Servicekräfte haben ein Recht darauf, vor dem Dienst zu wissen, wann Feierabend ist. Sie haben Anspruch auf eine anständige Bezahlung – unabhängig vom Trinkgeld. Und auf eine faire Behandlung durch den Chef.“

Donau-Ries: In zwölf Monaten haben elf Prozent die Gastro-Branche verlassen

Gastronomen, die das Mittagessen so günstig anböten, dass sie davon das Personal nicht mehr bezahlen könnten, machten ohnehin grundsätzlich etwas falsch. „Viele Gäste sind durchaus bereit, ein paar Cent mehr für die Tasse Kaffee zu bezahlen – gerade jetzt, wo den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im Stammlokal ein entscheidendes Stück Lebensqualität ist“, so Lubecki.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis Donau-Ries zum Jahreswechsel 1507 Menschen. Genau ein Jahr zuvor – vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – waren es noch 1699. Damit haben innerhalb von zwölf Monaten elf Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen. (pm)

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