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16.10.2009

Donauwörth will Darmzentrum werden

Donauwörth (spen) - Zwei Chefärzte machen Dampf: In der Donau-Ries-Klinik Donauwörth wird derzeit auf Hochtouren an den Voraussetzungen für die Zertifizierung zum Darmzentrum gearbeitet. Dafür ziehen Innere und Chirurgie an einem Strang, was seit der Neubesetzung der Schlüsselpositionen mit den Chefärzten Dr. Thomas Eberl (Innere Abteilung) und Dr. Frank Erckmann (Chirurgie) eine Selbstverständlichkeit ist. Kooperation statt einsamer Entscheidung ist das Motto, unter dem sich vor eineinhalb Jahren die beiden Mediziner im Kampf gegen den Darmkrebs auf den Weg zum Darmzentrum Donauwörth gemacht haben. Was genau unter einem Darmzentrum zu verstehen ist und welche Vorteile das für den Patienten hat, darüber sprach unsere Zeitung mit Eberl und Erckmann.

Was ist ein Darmzentrum?

Erckmann: Unter Darmzentrum versteht man den Zusammenschluss von Experten verschiedener Fachdisziplinen zur Diagnostik und Therapie des Darmkrebses. Hierdurch soll die Diagnosestellung und Behandlung auf höchstem fachlichen Niveau durchgeführt werden.

Was genau also wird das Darmzentrum Donauwörth ausmachen?

Donauwörth will Darmzentrum werden

Eberl: In der Donau-Ries-Klinik Donauwörth wird es ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Darmzentrum geben.

Welche Kriterien müssen erfüllt sein?

Eberl: Es muss eine Qualität der Behandlung gewährleistet sein, in Verbindung mit der Zahl der behandelten Krebserkrankungen. So muss der Internist beispielsweise eine Mindestzahl an Endoskopien oder der Chirurg jährlich eine Mindestzahl an Operationen durchführen.

Wie fiel die Entscheidung, hier ein Darmzentrum zu installieren?

Erckmann: Dieser Prozess ist durch die Neubesetzung der Chefarztpositionen in der Inneren vor vier Jahren und der Chirurgie vor drei Jahren sowie durch die medizinische Schwerpunktbildung im Landkreis durch das gemeinsame Kommunalunternehmen Kliniken und Seniorenheime in Gang gekommen. Weiter sind Spezialisierung und Zertifizierung ein vom Vorstand vorgegebenes Unternehmensziel.

Zum Thema "Patientenzahlverdichtung": Mit wie vielen Neuerkrankungen haben Sie es pro Jahr zu tun?

Eberl: Wir haben hier an der Klinik pro Jahr rund 50 neue Dickdarmkrebserkrankungen und 20 neue Enddarmkrebsdiagnosen. Damit erreichen wir die für eine Zertifizierung notwendige Patientenzahl.

Wann ist Zertifizierungstermin?

Eberl: Der ist für Ende des Jahres vorgesehen. Bis dahin müssen wir alle Voraussetzungen geschaffen haben, um die Zertifizierung zu bestehen.

Das Wort Zentrum lässt darauf schließen, dass etwas gebündelt wird. Was genau?

Eberl: Gebündelt werden hier die verschiedenen Fachkompetenzen, die die multimodale Therapie des Darmkrebses erfordert. Dazu zählen die medizinischen Fachrichtungen wie die Strahlentherapie, Onkologie, Chirurgie, die Innere Medizin, Radiologie und die Pathologie. Dazu zählen auch die Hausärzte, das Vorsorge-Netzwerk sowie das Behandlungsnetz der niedergelassenen Ärzte, schließlich noch die Pflegekräfte, die Psychoonkologen, Selbsthilfegruppen und der Sozialdienst.

Ganz konkret: Welche Vorteile hat das Darmzentrum für den Patienten im Vergleich zur "herkömmlichen" Verfahrensweise?

Erckmann: Nehmen wir einen typischen Fall. Wenn zum Beispiel die Diagnose Enddarmkrebs bei einem Patienten vorliegt, der im Darmzentrum vorgestellt wird. Dann wird über die Spezialisten Diagnostik betrieben. Das bedeutet, dass der Internist das Tumorstadium und die Fortgeschrittenheit der Erkrankung feststellt, dass ein Computertomogramm gemacht wird, um auszuschließen, dass noch andere Tumore vorliegen. Dann werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen unter den verschiedenen Kooperationspartnern in einer Sitzung besprochen. Hier beschließen also die Radiologen, Onkologen, Chirurgen et cetera, was für den Patienten das beste Behandlungskonzept ist. Eberl: Die Tumorkonferenz ist ein obligatorischer Bestandteil eines Darmzentrums. Ohne Tumorkonferenz geht gar nichts. Das heißt, durch die Zentrumsbildung werden die verschiedenen Fachabteilungen, die bei dieser Krankheit involviert sind, an einen Tisch geholt und in einem interdisziplinären Prozess wird die Therapie festgelegt und somit die optimale Behandlung und Qualität gewährleistet.

Nicht der Patient muss von einem Arzt zum anderen wandern, sondern die Ärzte wandern?

Erckmann: Ja, das kann man schon so sagen.

Ist die Zentrumsbildung Medizin der Zukunft?

Eberl: Ja, das würde ich schon sagen. Ein Kompetenzzentrum stellt die beste Qualität für den Patienten sicher.

Sie erwähnten die Vorsorge, welchen Raum nimmt die in Ihrer Klinik ein?

Eberl: März ist der Darmkrebsmonat in Deutschland und ich halte regelmäßig im März Vorträge über die Darmkrebsvorsorge in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Die Durchführung solcher Vorsorge- und Informationsveranstaltungen ist übrigens auch Pflicht eines Darmzentrums. Im September dieses Jahres fand außerdem in Donauwörth eine große Gesundheitsmesse statt. Da wurde auch über die Darmkrebsvorsorge und Therapie gesprochen, es gab ein begehbares Darmmodell. Darmkrebs, das ist mir wichtig zu betonen, ist heilbar, wenn man eine rechtzeitige Vorsorge macht.

Wird in einem Darmzentrum auch die Seele des Patienten behandelt?

Eberl: Jeder Patient hat hier ein Anrecht auf eine psychologische Betreuung, das ist automatischer Bestandteil des Darmzentrums. Das stemmt sozusagen das Haus.

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