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Landkreis

20.10.2018

Donauwörth wird Hochschulstandort

In den ehemaligen Räumen des Internats des Klosters Heilig Kreuz soll das Technologie-Transfer-Zentrum der Hochschule Augsburg entstehen.
Bild: Thomas Hilgendorf

In der Großen Kreisstadt sollen künftig Professoren und Studenten forschen. Worum es dabei geht und was die mögliche Koalition in München damit zu tun hat.

Der Tag der Verkündung gleicht ein wenig einem Proseminar an der Uni. Professoren lassen Handouts verteilen, also Blätter, auf denen das Wesentliche des Lehrstoffs zusammengefasst ist. Und das hatte es gestern in sich: Donauwörth wird Hochschulstandort. Dabei handelt es sich um ein künftiges, groß angelegtes Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Augsburg, regionalen Industriebetrieben, dem Landkreis und der Stadt Donauwörth – und freilich soll auch der Freistaat als Geldgeber mit von der Partie sein. Doch das ist aufgrund der aktuellen Ereignisse nach dem Wahlsonntag zumindest noch nicht in ganz trockenen Tüchern.

Landrat Stefan Rößle sprach bei der Vorstellung des Vorhabens gestern im Sitzungssaal der Kreisbehörde in Donauwörth von einem „ganz neuen Projekt“, von einem „sehr wichtigen Zukunftsthema für den Landkreis“. Der stünde zwar in bundesweiten Rankings hinsichtlich der industriell-technologischen Dichte und der niedrigen Arbeitslosenquoten sehr gut da – das Feld „wissenschaftliche Forschung“ sei indessen aber bis dato nur „mittelmäßig“ bestellt. Will heißen: Die Betriebe sind da, allein, es fehlt an ausreichenden, aber notwendigen Kooperationsprojekten mit Hochschulen beziehungsweise Universitäten. Notwendig, weil die Zukunft der hiesigen Industriebetriebe wesentlich vom künftigen Personal und neuen Ideen im sogenannten globalen Wirtschaftswettbewerb abhänge.

Donauwörth wird fortan eingebunden in das sogenannte Technologie-Transfer-Zentrum (TTZ), das in Nördlingen bereits existiert. Dort forscht man in Kooperation mit Unternehmen. Dabei gehe es um die Hardware, führte der Präsident der Hochschule Augsburg, Gordon Rohrmair, aus. Das bedeutet, hier werden Maschinen und Roboter entwickelt, welche beispielsweise auf Industrieproduktionsstraßen die Tätigkeiten der Arbeiter erleichtern sollen. Exemplarisch wurde hierzu ein Hochschulprojekt bei Valeo in Wemding genannt.

Donauwörth wird Hochschulstandort

Hier forschen Studenten und ihre Professoren im Rahmen des TTZ zusammen mit dem Unternehmen an Zukunftstechnologien. Der Vorteil sei stets beiderseitig gedacht: Die Firmen könnten Nachwuchs mitsamt innovativer Ideen rekrutieren – die Studenten finden vielleicht früh ihren künftigen Arbeitgeber.

In Donauwörth soll der Schwerpunkt der Einrichtung das Thema Datenanalyse sein. Die Stadt Donauwörth hat eine zentrale Voraussetzung mit der Vermittlung geeigneter Räumlichkeiten im ehemaligen Internat des Klosters Heilig Kreuz geschaffen. Deren Finanzierung soll während der fünfjährigen Startphase je zur Hälfte durch Landkreis und Stadt erfolgen.

Zunächst 13 Mitarbeiter, einschließlich zweier Professoren und mehrerer wissenschaftlicher Mitarbeiter, sollen ab dem kommenden Jahr ihre Forschungstätigkeit in Donauwörth aufnehmen, erklärte Hochschulpräsident Rohrmair.

Es gehe dabei um die Analyse großer Datenbestände („Big Data“), um deren Nutzbarmachung zur Entwicklung sicherer, digitaler Geschäftsmodelle und um die Umsetzung dieser Themen für und mit örtlichen Unternehmen. Auch die Ansiedlung von Start-ups im Bereich Datenanalyse soll befördert werden. Eine angestrebte Software solle beispielsweise, wie Björn Häckel von der Hochschule Augsburg ausführte, das digitale Erkennen von Wartungszeiten bei Maschinen optimieren – sprich: Wenn bei einer Fertigungsstraße in Asien in sechs Wochen ein Roboter in die Wartung müsse, dann sollen beim Hersteller, etwa in Hamlar, die Mitarbeiter früh genug und mit den richtigen Teilen losgeschickt werden können.

Oberbürgermeister Armin Neudert stellte sich hinter das Ansinnen: „Das ist nicht nur ein Gewinn für die Stadt, was den Hochschulstandort als solchen betrifft. Es ist auch erklärtes Ziel der Einrichtung, durch die Verbindung von Produktion und digitaler Dienstleistung die Wettbewerbsfähigkeit örtlicher und regionaler Unternehmen zu steigern, auch kleinerer und mittlerer Größe.“ Die Zahl der Mitarbeiter des TTZs soll hierfür schrittweise aufgestockt werden und die Einrichtung sich vor Ort nach und nach entwickeln, einschließlich einer Aufstockung der Professuren.

Die Finanzierung der Räume soll während der fünfjährigen Startphase je zur Hälfte durch Landkreis und Stadt erfolgen. Im bayerischen Doppelhaushalt 2019/20 sind Mittel für das Projekt in Donauwörth angemeldet (sechs Millionen Euro).

Die Entscheidung liegt jetzt beim Landtag – Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler sagte, er werde sich dafür stark machen, dass explizit dieses Projekt mit in einen künftigen Koalitionsvertrag einfließen soll. Er sei allerdings im Hinblick auf alle infrage kommenden Koalitionspartner optimistisch – schließlich handle es sich um eine Stärkung des ländlichen Raumes. Und den haben sich ja sämtliche Parteien auf die Fahnen geschrieben. Auch der TTZ-Standort Nördlingen soll mit zusätzlichen 4,5 Millionen Euro bedacht werden, 1,5 Millionen sind in diesem Zusammenhang schon in das Ries geflossen.

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