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Medizin

27.09.2019

Down-Syndrom: Mehr Abtreibungen durch Bluttest?

Bluttests sollen Aufschluss über eine mögliche Erkrankung des Kindes an Trisomie 21 geben.
Bild: Tobias Kleinschmidt, dpa (Symbolbild)

Die Untersuchung wird Kassenleistung. Das sagen die Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom und Politiker zur Debatte.

Es ist ein Nadelstich, der innerhalb von wenigen Tagen ein Ergebnis liefert. Der den werdenden Eltern die Wahrscheinlichkeit voraussagt, ob ihr ungeborenes Kind eine Behinderung hat. Die Krankenkassen sollen ab Ende 2020 in begründeten Einzelfällen einen Bluttest bezahlen, mit dem man feststellen kann, ob das Baby eine Trisomie hat. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss, in dem Krankenkassen, Ärzte und Kliniken sitzen, vergangene Woche entschieden. Kritiker fürchten, dass durch die Kostenübernahme der Krankenkasse mehr Kinder mit Trisomien abgetrieben werden könnten.

Joschi, der fünfjährige Sohn von Tina Greno, hat das Down-Syndrom (Trisomie 21). Greno ist es wichtig, dass das Down-Syndrom nicht als Krankheit gesehen wird. „Ein Kind mit Down-Syndrom ist für uns ein normales Kind“, sagt sie. Die Diskussion um den Bluttest hat sie mitverfolgt. Es sei grundsätzlich in Ordnung, dass die Analyse von den Krankenkassen übernommen wird, sagt sie. Denn: Der Test ist risikoärmer als eine Fruchtwasseruntersuchung. Diese wird von der Krankenkasse schon länger übernommen. Einen Bluttest sollten sich alle leisten können, erklärt Greno.

Down-Syndrom: Beratung muss besser werden

„Problematisch finde ich jedoch die grundsätzliche Entwicklung“, sagt sie. Sie frage sich, was passiert, wenn sich die Medizin weiterentwickelt und ob und wie ungeborene Kinder künftig selektiert werden. Sie habe Angst, dass dann immer mehr Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben werden und so die Vielfalt verloren gehe. Deshalb müsse die Beratung für werdende Eltern besser werden, meint Greno. So könnten Familien, die ein Kind mit Down-Syndrom haben, ihren Alltag zeigen. Viele Frauenärzte vermitteln zudem ihrer Meinung nach kein aktuelles Bild von der Behinderung. Wichtig sei auch, dass weiter an der Inklusion gearbeitet werde und Menschen mit Behinderung überall ein Teil des Stadtbildes werden.

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Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr sieht das ähnlich. Ihrer Meinung nach führt nicht der Bluttest zu einer Abtreibung, sondern die Beratung. Dort werde oft zu viel Angst gemacht, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Vielmehr sollten Eltern ermutigt werden. Genau wie Greno findet es Strohmayr in Ordnung, dass die Krankenkassen in bestimmten Fällen die Kosten für den Bluttest übernehmen, da so weniger Risiko für die Mutter bestehe. Eltern, die ein Kind mit Trisomien bekommen, könnten sich außerdem schon während der Schwangerschaft darauf einstellen. Die Politikerin spricht sich jedoch klar gegen ein flächendeckendes Screening aus.

„Für Betroffene bleibt es eine höchstpersönliche Entscheidung“, meint der CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange. Auch für ihn ist eine qualifizierte Beratung unabdingbar. Die engen Voraussetzungen für den Test hält er für richtig. Eine Aufnahme der Blutanalyse in den Regelleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen dürfe jedoch nicht dazu führen, dass der Druck auf Schwangere erhöht wird, solche Angebote in Anspruch zu nehmen, sagt der Politiker.

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